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Tanners Interview mit Andrea Dipasquale, den Inhaber von „Dipasquale – Italienische Lebensmittel“

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    Wirklich faszinierend und voller Chancen ist an unserer Zeit, dass sich nationale Grenzen endlich beginnen aufzulösen. Menschen nehmen ihr Menschenrecht, zu leben wo sie wollen, wahr. Andrea, geboren in Italien, lebt liebt und genießt in Leipzig - und gibt unserer Stadt jetzt einen Ort, damit auch wir mehr genießen können. Tanner traf ihn beim Aufbau.

    Hallo Andrea Dipasquale. Du bist gerade dabei, wenn ich richtig informiert bin, einen Laden auf der Karl-Heine-Straße zu eröffnen, der sich mit italienischer Lebensart befasst. Wann geht es denn richtig los? Beim letzten WESTBESUCH hast Du ja schon kurz mal illern lassen.

    Hallo Volly, du bist absolut richtig informiert! Schräg gegenüber der Schaubühne Lindenfels mache ich das „Dipasquale – Italienische Lebensmittel“ auf. Ich bin gerade auf den letzten Metern kurz vor der Eröffnung und im Moment liegt der Teufel im Detail: Viele Kleinigkeiten müssen noch gemacht werden, bevor ich die Ladentür offiziell aufschließe. Ich bin halt jemand, dem es wichtig ist, dass alles wirklich so aussieht wie ich es mir in meinem Kopf vorstelle und die Leute sich wohlfühlen. Die Menschen sollen reinkommen und denken „Ach, ist das hübsch hier.“ Darauf freue ich mich total! Ein genaues Datum für die Eröffnung gibt es noch nicht, aber es handelt sich jetzt wirklich nur noch um Tage. Ab September kann dann jeder bei mir italienische Produkte für zu Hause kaufen.

    Du bist ja selber Italiener. Wie hat es Dich denn nach Leipzig verschlagen? Und was sind die Gründe Deines Bleibens? Und Deines Dich hier Selbständigmachens?

    Ja, ich komme aus Turin, also Norditalien. Eigentlich bin ich aber halber Sizilianer, halb aus Lazio. Ich hab vor vielen Jahren schon einmal hier gewohnt und in der Zeit meine Freundin kennengelernt. Und wie das so ist mit den Italienern und der Liebe, folgen sie ihrem Herzen – und so bin ich vor drei Jahren der Liebe wegen nach Leipzig gekommen, um zu bleiben. Ich muss aber wirklich sagen: Ich mag Leipzig sehr! Die Stadt und wie sie sich verändert, die Menschen, ihre Kultur – das ist alles total spannend und ich bin froh, ein Teil von Leipzig zu sein. Und immerhin hab ich mit den Sachsen Deutsch gelernt – ich kann gar nicht woanders wohnen!

    Warum ich jetzt diesen Laden aufmache … ja, ich liebe es zu genießen. Das liegt in meiner Kultur, so bin ich in meiner Familie aufgewachsen. Ich genieße es zu essen, mich mit Lebensmitteln zu beschäftigen, zu kochen. Und dieses Genießen wollte ich mit anderen Menschen teilen. Deswegen war es irgendwie ein ganz natürlicher Prozess, jetzt einen Laden für italienische Lebensmittel zu eröffnen. Und meine Freundin freut sich auch, weil wir jetzt jeden Tag italienisches Essen haben und wir dafür nicht bei jedem Besuch in Italien viel zu schwere Koffer voller Essen nach Leipzig zurückschleppen müssen.

    Wie sind Deine Erfahrungen in Leipzig von der Unterstützung her? Hast Du das Gefühl, dass Du als Nichthiesiger von den bürokratischen Instanzen anders behandelt wirst als ein Deutschstämmiger?

    Für mich war es mit der deutschen Bürokratie nicht so schwer, weil ich immer Unterstützung von deutschen Freunden hatte und weil ich Deutsch spreche. So habe ich viele Unterstützungsmöglichkeiten, die Leipzig bietet, auch nutzen können: Stadtteilmanagement, Förderprogramme der Stadt für den Mittelstand, Netzwerkstrukturen, Beratungsleistungen – das hat mir alles super weitergeholfen! Natürlich gibt es immer mal wieder die eine oder andere unschöne Situation, aber gerade was die Menschen angeht, fühle ich mich hier sehr willkommen. Da haben es andere sicher viel schwerer.

    Was werden die Specials in Deinem Laden werden und sein?

    Es gibt kein spezielles Produkt, das ich besonders herausstellen möchte. Es ist vor allem ein Konzept. Ich verkaufe im Prinzip den Rundumschlag für ein italienisches Abendessen: gutes, einfaches, original italienisches Essen von der Vorspeise bis zum Dessert. Mein Special sind aber meine „Menüpakete“: Für unterschiedliche Anlässe können sich die Leute in meinem Laden ein von mir schon fertig zusammengestelltes Menüpaket aussuchen. Ein Beispiel: Wenn du einen Abend mit Freunden verbringen willst und gern etwas Besonderes und gleichzeitig einfach zu kochendes Essen servieren willst, kann du bei mir ein Menüpaket kaufen, in dem für diesen Anlass eine Vorspeise, ein Hauptgang und eine Süßigkeit sowie das dazu passende Getränk drin sind. Das alles kommt in einer kleinen Box mit einem einfachen Rezept und fertig! Und wer möchte, dem erzähle ich noch die Geschichten hinter den Produkten.

    An der Karl-Heine-Straße sieht der aufmerksame Beobachter sehr gut, wie sich urbane Strukturen ändern. Vom Abriss-Kiez in den 90ger Jahren des letzten Jahrhunderts, hin zu einer hochwertigen Lebenskunstmeile mit interessanter Gastronomie, Charme und Toleranz. Natürlich gibt es auch Menschen, die Veränderung immer als negativ empfinden, erst einmal, weil sie sich eingerichtet haben in ihrer Zeit oder weil sie nicht in der Lage sind, Veränderung als positiv zu empfinden, als Chance zu nutzen und zu erleben. Gab es Erfahrungen mit den Meckerern?

    Tatsächlich habe ich mir viele Gedanken gemacht, wie meine Ladenidee auf der Karl-Heine-Straße ankommt. Da ich aber seit 2012 in Lindenau wohne, kannte ich schon ein paar Leute und habe ihnen von Anfang an von meiner Idee erzählt. Ich habe so viel Unterstützung bekommen: von Freunden, von Leuten auf der Straße, von anderen Ladenbesitzern, von den Nachbarn obendrüber – das ist viel großartiger als erwartet. Also: toi toi toi, bisher habe ich noch keine Erfahrung mit Meckerern gemacht. Und an dieser Stelle schon mal: Danke!

    Aber du hast Recht, die Karl-Heine-Straße entwickelt sich! Ich kann mich noch an die Straße erinnern, wie sie vor zehn Jahren war. Da ist viel passiert! Die Entwicklung finde ich total spannend – auch und vor allem im gastronomischen Bereich. Die Karl-Heine entwickelt sich als Kreuzung von ganz unterschiedlichen Kulturen: Hier ist der Deutsche neben dem Chinesen, der Amerikaner und Türke neben dem Spanier, Vietnamesen, Marokkaner, und jetzt komm ich als Italiener noch dazu! Wenn ich durch die Karl-Heine-Straße gehe, ist das immer mehr eine kleine Weltreise. Was gibt es besseres!

    Wo kommen denn die Produkte genau her, die Du anbietest? Sind das alles dann Nudeln aus dem Garten Deines Vaters? Erzähle mal bitte, wie Du das Anliefern gestalten willst?

    Genau! Jede italienische Familie hat im Garten einen Nudelbaum, von dem sie mittags immer die Pasta pflückt! Eigentlich eine schöne Idee! Nein, im Ernst: Meine Produkte kommen aus ganz verschiedenen Regionen in Italien. Der Fokus liegt auf Produkten aus Sizilien, Lazio und dem Piemont, denn da liegen meine Wurzeln, da bin ich aufgewachsen, da kenne ich die Esskultur und die Bauern. Mit diesen drei Regionen lässt sich die typisch italienische Küche sehr gut abbilden. Und sie ist überraschend vielseitig, wie man in den Ladenregalen sehen wird! Ich beziehe meine Produkte direkt von den Herstellern – alles Familienbetriebe und kleine Produzenten. Keine Zwischenhändler, das war mir wichtig. Viele der Hersteller habe ich über persönliche Kontakte ausgewählt. Manche von ihnen haben noch nie ins Ausland exportiert. Einer der Sizilianer hat zu mir gesagt: „Andrea, ich hab schon oft nach Neapel geliefert. Da kann es doch nicht so schwierig sein, bis nach Deutschland zu kommen!“. Für mich ist es wichtig, in direktem Kontakt mit den Herstellern zu stehen, um auch wirklich die Qualität zu garantieren, die ich möchte. Ich bin sehr stolz auf die Produkte, die jetzt bei mir im Laden stehen. Da sind viele Produkte dabei, die es bisher noch nie hier gab.

    Mehr verrate ich nicht; den Rest müssen die Leute selbst herausfinden – und herausschmecken! Aber das mit dem Garten meines Vaters, wie du gesagt hast, ist gar nicht so falsch! Tatsächlich hat meine Familie eine Esstradition. Auch deswegen heißt der Laden „Dipasquale“, denn ich möchte meine Familientradition ein bisschen weiterleben lassen. Mein Opa aus Sizilien war Bauer und hat auf seinem Land vor allem Tomaten und Melonen angebaut; meine Oma hat sie in einem kleinen Laden in der Stadt verkauft. Mein Uropa war Käseproduzent: Er hat den berühmten Caciocavallo Ragusano hergestellt. Und tatsächlich: Aus Respekt vor meiner Familie und auch ein bisschen aus Aberglaube ist das erste Produkt, das ich für meinen Laden gekauft habe, der Caciocavallo Ragusano. Der wartet jetzt darauf, probiert zu werden!

    Ich persönlich freue mich auf Deine Quadratmeter Italien bei mir hier um die Ecke. Spare ich mir doch dadurch den Flug nach Rom. Also, Toi Toi Toi Andrea.

    Es muss ja eh nicht immer Rom sein! Wenn du Tipps brauchst für einen Urlaub in Italien, sag einfach Bescheid! Ich erzähle gern über meine Heimat.

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