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Tanners Sommer-Special-Interview mit dem Sänger und Musikanten Tino Eisbrenner (Ex-Jessica)

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    Im Sommer sind auch mal andere Dinge wichtig. Da soll ausgeruht werden und wenn's schön ist, dürfen ein paar Gedanken freigelassen werden zum Selbst und zum Morgen der Welt. Deshalb fragt Tanner Menschen nach ihrer Eigensicht und bringt diese dazu, innezuhalten und darüber nachzudenken. Heute: Der Sänger der legendären Band Jessica und heutige Autor und Musikant und Vier Winde Hof Plath Betreiber Tino Eisbrenner.

    Wohin fahre ich dieses Jahr in den Urlaub?

    An die polnische Ostsee Nähe Gdansk.

    Welches ist mein Traumort und warum?

    Es gibt so viele Traumorte auf der Welt. Am spannendsten sind für mich immer jene, die mir meine Phantasie schenkt und die ich dann in der realen Welt zu finden versuche. Aber wer weiß schon, welche der Welten „real“ ist.

    Welches Buch liegt derzeit auf meinem Nachttisch und warum? Und um was geht es darinnen?

    Verdammt, das ist wie mit den Traumorten – auf meinem Nachttisch liegen immer einige Bücher mehr. Zurzeit? Eine Paul McCartney Biographie und eine von Neil Young, „Brecht und die DDR“, Peter Reusse „Da capo für die Leiche“ (Schauspielergeschichten), Lenin „Was tun“, Wladimir Wyssotzki „Zerreißt mir nicht meine silbernen Saiten“ und „Deutsche Liebesgedichte“. Warum so viele? Ich bin nicht jeden Abend in derselben Stimmung. Manchmal will ich Sachliches lesen, manchmal Romantisches, manchmal mich bilden, manchmal etwas arbeiten, recherchieren, vergleichen, sortieren…

    Wenn ich die Möglichkeit hätte, diese Welt gut zu machen, vielleicht sogar zu heilen – und ich würde es auch machen wollen, wie sähe diese Welt ab morgen aus?

    Die Menschen würden sich von der Lebensphilosophie getrennt haben, dass alles was Geld einbringt, richtig und lobenswert ist. Man würde wieder gelernt haben, was „Miteinander“ bedeutet, würde sich wieder dem Genuss an Kultur und Bildung widmen, die eigene Sprache korrekt anwenden und Zeit für die eigene Familie finden….

    Woran glaube ich oder an wen und warum?

    An die Kraft von Musik, die Nachhaltigkeit von Verstand, die Entscheidungsfähigkeit von Gefühl. Ich glaube an die subjektive Wiedergabe von Erinnerungen, an die Augen meiner Frau und die Liebe meiner Kinder. Aber ich glaube auch an die Gefährlichkeit von Dummheit, von Missgunst, Gier, Geiz, Verlogenheit, politischen Karrieren, unkritischem Gehorsam, Abgestumpftheit, Feigheit. Sie kann uns die Welt kosten.

    Irgendjemand hat Tino Eisbrenner ein Interview an die Backe geheftet. Foto: Sandy Reichel
    Irgendjemand hat Tino Eisbrenner ein Interview an die Backe geheftet. Foto: Sandy Reichel

    Was mag ich an mir und was mag ich nicht an mir? Und warum natürlich!

    Ich mag an mir alles, was Andere an mir für liebenswert entdecken und in guter Erinnerung behalten, wenn ich einmal weitergezogen bin. Ich mag an mir nicht: …. Marmeladenflecken. Warum? Blöde Frage.

    Wenn ich mich an meinen letzten Traum erinnere, welche Geschichte war das?

    Warum willst Du das wissen? Ist wie mit den Traumorten und den Büchern – ich träume sehr viel. Gestern hab ich geträumt, jemand würde mir ein unbezahltes Interview an die Backe heften. Und ich hab geantwortet: Vielen Dank… für diese Arbeitsstelle!

    Gibt es ein Motto, nach dem ich mein Leben gestalte? Und wenn ja, welches ist das und warum?

    Kein Motto. Es gibt zu viele Situationen im Leben, die eine eigene Überschrift verlangen.

    Was macht mich traurig?

    Ein Freund, der einen verrät… und dann, um gut dazustehen, den Verratenen spielt.

    Wann und in welchem Zusammenhang hat sich in letzter Zeit mein Mitgefühl geregt?

    Es gibt viele Arten von Mitgefühl. Wenn das Pony dem Kindlein auf den Fuß tritt, wenn’s im Diktat bei e i n e m Fehler eine 2+ gibt, wenn mein alter Hund in der Sommersonne leidet… und dann die fernen Dinge, die man selbst eigentlich gar nicht mit“fühlen“ kann: Flüchtlinge, die im Mittelmeer um ihr Leben kämpfen, Russische und ukrainische Mütter, die machtlos sind gegen die politischen Entscheidungen über ihre Köpfe hinweg,… ukrainische Väter, die zwischen den Trümmern der Häuser ihre Söhne vor dem Wehrdienst verstecken…

    Was wollte ich schon immer einmal sagen? Aber es passte nie so wirklich – doch, da die Frage ja jetzt hier gestellt wurde, nehme ich die Chance beim Schopfe und sage es allen einfach mal:

    Mir drehen sich die Zeiger der Uhr zu schnell!!

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