Aufgrund der weit verbreiteten Arztmeidung und der mangelnden Sensibilisierung für Präventionsmaßnahmen werden Erkrankungen oft erst erkannt, wenn bereits schwerwiegende Symptome auftreten oder die Krankheit fortgeschritten ist. Während Frauen regelmäßige Termine beim Gynäkologen wahrnehmen, vermeiden viele Männer aus verschiedenen Gründen notwendige Arztbesuche.
Diese ausgeprägte Zurückhaltung kann besonders schwerwiegende und fatale Folgen haben, denn gerade bei Männern entwickeln sich bestimmte Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Leiden oder Krebsarten häufig völlig unbemerkt über viele Jahre hinweg. Die Statistiken sprechen eine deutliche Sprache: Männer sterben im Durchschnitt fünf Jahre früher als Frauen, wobei viele dieser Todesfälle durch rechtzeitige Vorsorge vermeidbar wären.
Es ist äußerst beunruhigend, dass lediglich 40 Prozent der berechtigten Männer die kostenlosen Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen. Der große Unterschied zwischen vorhandenen Vorsorgeangeboten und deren tatsächlicher Nutzung belastet das deutsche Gesundheitssystem erheblich.
Gesundheitsrisiken bei Männern
Spezifische Krankheiten betreffen Männer besonders häufig und werden dabei oft erst sehr spät diagnostiziert. Prostatakrebs, der als die am häufigsten diagnostizierte Krebsart unter den spezifisch männlichen Tumorerkrankungen gilt, steht dabei unangefochten an erster Stelle der ausschließlich das männliche Geschlecht betreffenden onkologischen Erkrankungen, was die Bedeutung regelmäßiger Vorsorgeuntersuchungen für Männer besonders unterstreicht.
60.000 deutsche Männer erkranken jährlich an Prostatakrebs. Neben den verschiedenen urologischen Problemen, die bei Männern auftreten können, spielen insbesondere Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine zentrale und oft unterschätzte Rolle für die männliche Gesundheit.
Der Herzinfarkt trifft Männer durchschnittlich zehn Jahre früher als Frauen, wobei diese lebensbedrohliche Erkrankung häufig bereits im mittleren Lebensalter zwischen 50 und 60 Jahren auftritt.
Bluthochdruck, hohe Cholesterinwerte und Diabetes entwickeln sich langsam ohne spürbare Beschwerden. Regelmäßige Vorsorge kann Darmkrebs bei Männern in vielen Fällen verhindern. Psychische Erkrankungen wie Depressionen werden bei Männern oft nicht erkannt, weil sich die Symptome anders zeigen.
Warum zögern viele Männer?
Die vielfältigen und komplexen Gründe für die ausgeprägte Vorsorgemüdigkeit deutscher Männer sind nachweislich tief in den traditionellen gesellschaftlichen Rollenbildern und kulturellen Erwartungen verwurzelt, die seit Generationen weitergegeben werden.
Das seit Generationen in der deutschen Gesellschaft fest verankerte und durch kulturelle Prägungen sowie mediale Darstellungen kontinuierlich verstärkte traditionelle Männlichkeitsideal, welches bereits im Kindesalter vermittelt wird, suggeriert nachdrücklich, dass ein als „echter Mann“ geltender Mensch unter keinen Umständen Schwäche zeigen darf.
Arztbesuche werden als Eingeständnis körperlicher Verletzlichkeit interpretiert. Die Angst vor beunruhigenden Diagnosen führt dazu, dass viele Männer potenzielle Krankheitssymptome ignorieren.
Männer fürchten invasive urologische Untersuchungen als zusätzliche Hürde. Zeitmangel und beruflicher Stress werden häufig als Ausreden vorgeschoben, obwohl wichtige Vorsorgeuntersuchungen für Männer meist nur wenig Zeit in Anspruch nehmen.
Auch das weitverbreitete fehlende Wissen über die gesundheitliche Bedeutung und den langfristigen Nutzen präventiver Maßnahmen trägt maßgeblich zur erschreckend niedrigen Teilnahmequote bei Vorsorgeuntersuchungen bei. Studien zeigen, dass besonders in Sachsen die Vorsorgebereitschaft unterdurchschnittlich ausgeprägt ist, was regionale Aufklärungskampagnen erforderlich macht.
Vorsorgeuntersuchungen für Männer
Ab dem fünfunddreißigsten Lebensjahr, welches einen bedeutsamen Meilenstein in der gesundheitlichen Vorsorge darstellt, beginnt für alle Personen, die in Deutschland gesetzlich krankenversichert sind, der Anspruch auf regelmäßige Gesundheits-Check-ups, die zur Früherkennung verschiedener Erkrankungen dienen.
Ab dem vollendeten 35. Lebensjahr haben alle gesetzlich krankenversicherten Personen einen rechtlichen Anspruch auf den umfassenden Gesundheits-Check-up, der zur Früherkennung von Krankheiten regelmäßig alle drei Jahre durchgeführt werden sollte. Die Basisuntersuchung beinhaltet Blutdruckmessung, Blut- und Urinanalysen sowie die Erfassung des Impfstatus. Die wichtigsten spezifischen Vorsorgeuntersuchungen für verschiedene Altersgruppen sind:
• Ab 45 Jahren: Jährliche Prostatakrebsvorsorge durch Tastuntersuchung
• Ab 50 Jahren: Darmkrebsvorsorge mit Stuhltest, ab 55 Jahren Darmspiegelung
• Ab 35 Jahren: Hautkrebsscreening alle zwei Jahre
• Ab 65 Jahren: Einmalige Ultraschalluntersuchung zur Früherkennung von Bauchaortenaneurysmen
Zusätzlich empfehlen Fachärzte regelmäßige Kontrollen der Hodenfunktion bei jüngeren Männern sowie kardiologische Untersuchungen bei familiärer Vorbelastung. Die Gesundheitsprüfung bei privaten Krankenversicherungen bietet oft erweiterte Vorsorgeleistungen, die über den gesetzlichen Standard hinausgehen.
Früherkennung kann Leben retten
Präventive Medizin zeigt beeindruckende Erfolge bei der Lebenserwartung und Lebensqualität. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei frühzeitig erkanntem Prostatakrebs beträgt fast 100 Prozent, sinkt jedoch bei fortgeschrittenen Stadien drastisch.
Durch präventive Maßnahmen lassen sich enorme volkswirtschaftliche Kosten einsparen, besonders bei frühzeitiger Diabeteserkennung mit durchschnittlich 200.000 Euro pro Patient. Herzinfarkte und Schlaganfälle können durch eine konsequente und regelmäßige Blutdruckkontrolle, die sowohl ambulant als auch durch Selbstmessungen erfolgen kann, erfolgreich vermieden werden.
Dies erspart dem ohnehin stark belasteten Gesundheitssystem immense Behandlungskosten, die sich oft auf mehrere hunderttausend Euro belaufen können, und bewahrt die Betroffenen vor dauerhaften körperlichen und kognitiven Einschränkungen.
Heutige moderne Screening-Verfahren machen minimalinvasive Eingriffe anstelle von großen chirurgischen Operationen möglich. Regelmäßige Gesundheitskontrollen reduzieren Ängste und ermöglichen selbstbestimmte Entscheidungen über den eigenen Lebensstil.
Hemmschwellen überwinden!
Der erste Schritt zu regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen erfolgt durch kleine, gut umsetzbare Maßnahmen im Alltag. Ein vertrauensvolles Verhältnis zum Hausarzt, das über Jahre hinweg durch regelmäßige Besuche und ehrliche Kommunikation aufgebaut wurde, bildet die unverzichtbare Grundlage für offene, vorurteilsfreie Gespräche über gesundheitliche Bedenken, die Männer oft aus Scham oder falscher Stärke verschweigen würden. Männergesundheitszentren bieten spezialisierte Beratung in entspannter Atmosphäre.
Termine außerhalb der Arbeitszeiten oder samstags lassen sich besser mit dem Beruf vereinbaren. Partner und Familie können unterstützend wirken, indem gemeinsame Vorsorgetermine vereinbart werden. Gesundheits-Apps helfen dabei, Vorsorgetermine einzuhalten und alle Befunde digital zu verwalten.
Die betriebsärztlichen Angebote am vertrauten Arbeitsplatz ermöglichen einen besonders einfachen und unkomplizierten Zugang zur Gesundheitsvorsorge. Wer in seine Gesundheit investiert, gewinnt langfristig mehr Lebensqualität und Leistungsfähigkeit. Dieses Engagement zahlt sich aus, denn es ermöglicht, morgen gelassener in die Zukunft zu blicken und familiären Verpflichtungen besser nachzukommen.

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