Organspende-Debatte in Sachsen

Stellen die Transplantationsbeauftragten in Sachsens Kliniken jetzt das verspielte Vertrauen wieder her?

Für alle LeserEs waren vor allem mehrere Organspendenaffären, die in den letzten Jahren das Vertrauen in das System der Organspende in Deutschland untergraben haben. Die Spendenbereitschaft ist auf einen historischen Tiefpunkt gesunken, wie Susanne Schaper feststellt. Am Montag, 15. Januar, fand im Sozialausschuss des Sächsischen Landtages eine Sachverständigenanhörung zur Änderung des Sächsischen Transplantationsausführungsgesetzes statt.

Dort wurde im Grunde deutlich, dass die gesetzgebende Politik nicht wirklich begriffen hat, warum die Bundesbürger immer weniger bereit sind, ihre Organe zu spenden. Denn wo reines Verfügbarkeitsdenken herrscht, wächst kein Vertrauen. Aber ohne Vertrauen läuft die Sache nicht.

„Es ist ein Alarmsignal, dass die Zahl der Organspender auf einen historischen Tiefstand gesunken ist. 2017 gab es in Sachsen nur 70 Organspender! Die Staatsregierung muss die Anhörung als Handlungsauftrag verstehen. Sie könnte sich etwa am bayerischen Ausführungsgesetz orientieren“, kommentiert Susanne Schaper, gesundheitspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Sächsischen Landtag, die Diskussion im Sozialausschuss. „Die Regierung muss unbedingt aktiv werden, damit aus der Spendenbereitschaft auch tatsächlich Spenden werden. Das beginnt mit einer offensiven Kampagne zur Aufklärung der Öffentlichkeit. Außerdem muss schon in höheren Schulklassen über das bisherige Tabu-Thema Organspende aufgeklärt werden. Die Transplantationsbeauftragten der Krankenhäuser müssen neben ihrer Arzttätigkeit ausreichend Freiraum für Beratung und Betreuung haben. Es kommt darauf an, Ängste abzubauen – etwa vor medizinischen Fehldiagnosen, aber auch vor finanziellen Nachteilen für Angehörige von Spendern oder vor Bürokratie.“

Die Liste, die sie aufblättert, lässt schon ahnen, warum die bisherige Handhabung nicht funktioniert. Kommunikation war bislang wirklich nicht die Stärke der Regierung – aber auch nicht die der Krankenhäuser. Und eine bundesweite Werbekampagne verfehlt ihren Zweck, wenn sie die Organspende handhabt wie eine Mitgliedschaft in einem Club.

Aber Vertrauen ist nicht wirklich das Thema der CDU. Sie will die Sache handhaben wie eine Bürgerpflicht – wer so egoistisch ist, dass er seine Organe niemandem gönnt, soll sich extra erklären.

Die Anhörung machte zwar deutlich, dass aufgrund des Rückgangs der Organspende-Zahlen mehr Anstrengungen unternommen werden müssen, interpretiert das der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Oliver Wehner, für sich. Aber die Schlussfolgerung, die er daraus zieht, klingt so: „Um eine gut abgewogene Entscheidung zu treffen, erscheint mir eine allgemeine Widerspruchslösung für Deutschland unabdingbar. Das heißt, die Organspende muss zum Regelfall werden. Angehörige würden dann in der traumatischen Phase des Todes nicht mehr mit dieser belastenden Frage konfrontiert.“

Das ist dann der Appell an die Bundesregierung, genau das zu tun, was den meisten Bundesbürgern zwar irgendwie die Entscheidung abnimmt – sie aber eigentlich auch entmündigt.

Das ändert sich auch nicht wirklich, wenn die mit Transplantationen betrauten Krankenhäuser einen entsprechenden Transplantationsbeauftragten beschäftigen.

Auch wenn Wehner hier jetzt einen Fortschritt sieht: „Transplantationsbeauftragte spielen dabei eine wichtige Rolle. Es muss dafür Sorge getragen werden, dass sie ihre Aufgabe vollumfänglich wahrnehmen können. Dieser Gesetzentwurf bietet dafür eine gute Grundlage. Organspende und Fragen der Patientenverfügung sind hochsensible Themen in der Bevölkerung. Es ist zu begrüßen, dass 2/3 in der Bevölkerung grundsätzlich zu einer Organspende bereit sind.“

Genau diese zwei Drittel der Gesellschaft holen die Gesetzgeber aber nicht ab, stellt Simone Lang, die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, fest.

„Ohne mehr Vertrauen wird es nicht mehr Organspenden geben“, erklärt die Abgeordnete. „Die Bereitschaft der Menschen ist da. Aber diese setzt sich nicht automatisch in mehr Organspenden um. Ganz im Gegenteil – die Zahlen sinken immer mehr.“

Aber dass allein die Transplantationsbeauftragten das Dilemma lösen, bezweifelt sie zu Recht.

„Die Transplantationsbeauftragten in den Kliniken sind enorm wichtig. Sie beraten ihre Kolleginnen und Kollegen, betreuen Angehörige, informieren das Umfeld, können Ängste beseitigen und vor allem Vertrauen herstellen. Ihre Position wird mit diesem Gesetz gestärkt, sie können ihren Aufgaben künftig besser nachkommen. In dieser Ansicht haben uns auch die Sachverständigen in der Anhörung bestärkt“, stellt Simone Lang fest. Das Problem aber liegt darin, dass das Thema in der Öffentlichkeit verbrannt ist und eine wirklich vertrauenerweckende Diskussion darüber nicht stattfindet.

Lang: „Dennoch können und müssen mehr Anstrengungen unternommen werden. Denn viele Menschen sterben, die auf der Warteliste für ein Organ stehen. Das Thema gehört in die Öffentlichkeit, aber auch in das private Umfeld. Niemand redet gerne über das Lebensende und mögliche Folgen. Wichtig ist am Ende eine persönliche Entscheidung, wie auch immer sie ausfällt.“

Aber persönliche Entscheidungen fällen Menschen nur, wenn sie Vertrauen haben. In einer Gesellschaft aber, in der der Eindruck entstehen musste, dass sich Menschen mit besseren Beziehungen vorrangig mit Organspenden bedienen konnten, ist das Vertrauen im Eimer. Dann haben die Bürger zu Recht das Gefühl, dass mit ihren Organen Geschäfte gemacht werden und eben nicht solidarisch und verantwortungsvoll umgegangen wird.

Aber so richtig gearbeitet am Thema „Vertrauen zurückgewinnen“ wird nicht. Denn das muss weit vor dem Weg zum Transplantationsbeauftragten in den jeweiligen Krankenhäusern wachsen. Und mit schöner Werbung erzeugt und repariert man es eben nicht.

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