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Corona-Hotspot Sachsen: Hasenfüßige Landräte und ein Brief an den OBM

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    In Sachsen ist in den vergangenen Wochen gewaltig etwas schiefgegangen. Schon am 11. November warnte die Landesärztekammer „Corona-Pandemie: Notmaßnahmen in der zweiten Welle bei weitem nicht ausreichend“. Am 13. November appellierte Sozialministerin Petra Köpping an Ärzte im Ruhestand, sich reaktivieren zu lassen. Nur Leipzig scheint seitdem noch einigermaßen die Zahlen im Griff zu haben. Aber auch hier herrscht zuweilen eine beängstigende Sorglosigkeit, stellt der Brief eines Leipzigers an den OBM fest.

    Eigentlich schrillten die Alarmglocken in Sachsen seit dem 13. November. Mit einem Positionspapier mahnte die Landesärztekammer damals an, die Maßnahmen zu verbessern.

    Aber die folgenden Wochen gingen in einem zähen Streit zwischen Regierungsmitgliedern und Landräten hin. Und gerade die Landräte jener Kreise, die schon Mitte November besonders hohe Fallzahlen hatten, weigerten sich, ihre Möglichkeiten zu punktuell härteren Maßnahmen zu ergreifen.

    Nicht einmal der kleine Grenzverkehr wurde unterbunden, besondere Hotspots nicht in den verschärften Lockdown geschickt. Motto – wie auch in der „Freien Presse“ am 20. November zu lesen: Nur wenn es für das ganze Land dieselben Regeln gibt, werden sie auch in ihren Landkreisen angewendet.

    Hasenfüßig nannte Rico Gebhardt, Vorsitzender der Fraktion Die Linke im Landtag, diese Haltung: „Ich muss mich wirklich wundern. Es ist meines Erachtens offensichtlich, dass Landräte wohl zwar schärfere Eindämmungsmaßnahmen befürworten, allerdings die Verantwortung auf die Staatsregierung abschieben wollen. Die aktuelle Corona-Schutzverordnung ermöglicht ihnen ein eigenes Handeln auf Landkreisebene, doch davor schrecken die Landräte zurück.

    Entscheidend sind jetzt aber nicht parteipolitische Eigeninteressen, sondern das Abbremsen der Pandemie, das in Sachsen auch nach drei Wochen Lockdown Light noch nicht wirklich gelungen ist. Hasenfüßigkeit ist fehl am Platze! Sonst sind die CDU-Regionalfürsten doch auch selbstbewusst und pochen auf ihren Einfluss und ihre Selbständigkeit, etwa beim Breitbandausbau oder zuletzt beim Bildungsticket sowie landesweit einheitlichen Konditionen für den öffentlichen Personennahverkehr.“

    Die Hasenfüßigkeit hatte ihren Preis.

    Schon am 25. November musste der MDR berichten: „Landesärztekammer: Ostsachsen an der Grenze der Belastbarkeit“

    Mittlerweile ist Sachsen tiefrot eingezeichnet auf den Karten der COVID-19-Erkrankungen – das am heftigsten betroffene Bundesland. Mit überlasteten Kliniken in Ost- und Südsachsen. Und natürlich einem völlig überlasteten medizinischen Personal. Nichts wirkt im Nachhinein so peinlich wie das „Klatschen“ im Frühjahr, als die erste Welle Sachsen noch verschonte und sich in den sächsischen Regionen die fahrlässige Haltung einschlich: Das betrifft uns nicht. Wir „Ossis“ sind dagegen gefeiht. Die propagierte sächsische „Eigenverantwortung“ ist gründlich in die Hose gegangen, wie auch „Die Zeit“ berichtete.

    COVID-19-Fälle auf 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tag, Stand 3. 12. 2020. Karte: Robert-Koch-Institut
    COVID-19-Fälle auf 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tag, Stand 3. 12. 2020. Karte: Robert-Koch-Institut

    Eine Haltung, die auch in den Nachbarländern Tschechien und Polen zu spüren war. Ergebnis: Sie gehören jetzt ebenso zu den Corona-Hotspots Europas.

    Und Leipzig?

    Hier einfach mal der Brief an OBM Burkhard Jung vom 19. November 2020. Der Absender wollte das Thema öffentlich machen, aber in diesem Fall nicht selbst öffentlich erscheinen. Aber vielleicht erkennen ja manche Leser/-innen ihre Erlebnisse wieder. Denn es waren eben nicht nur die „Querdenken“-Demos, die in Leipzig alle Warnungen vor dem Virus in den Wind schlugen. Das machen auch einige Bewohner/-innen der Stadt selbst, die in Biologie augenscheinlich gründlich geschlafen haben und jetzt so tun, als wären sie im Besitz einer ganz besonderen Weisheit.

    Der Brief an den OBM:

    Fahrlässige pandemiefördernde Sachverhalte

    Sehr geehrter Herr Bürgermeister, lieber Herr Jung, in der Hoffnung, dass es Ihnen, Familie, Freunde/-innen und Kollegen/-innen gutgehen, wende ich mich an Sie mit folgendem dringendem Anliegen. Wir haben im Bereich der Pandemiebekämpfung, wie in anderen Feldern unserer Gesellschaft, ein gravierendes Implementierungs-, Vollzugs- und Durchsetzungsproblem, das ich an einigen Ausgewählten Fallbeispielen kurz erläutern möchte:

    1. LVB

    Jenseits aller Defizite, die die LVB zu verzeichnen haben (Unpünktlichkeit, alte und schmutzige Trambahnen, viel zu lange Fahrttakte, viel zu teuer…) tragen die LVB zwar unfreiwillig, aber auf eine unverantwortliche sowie fahrlässige Weise dazu bei, die Pandemie zu begünstigen, indem sie zulassen, dass Trambahnen hoffnungslos überfüllt fahren.

    Im Gegensatz zu den Maßnahmen zu Beginn der Pandemie zu Jahresanfang werden viel zu wenige Waggons eingesetzt. Dazu kommt, dass aufgrund der Unpünktlichkeit und bis auf 20 Minuten lange Fahrtakte, wie während der Schulferien, die Waggons voller sind als sonst üblich. Außerdem fahren Fahrgäste immer wieder ohne Maske oder mit falsch aufgesetzten Masken (unterhalb der Nase), oder Fahrgäste schützen den Mund mit Halstüchern, die nicht helfen usw. usf. und wir wissen, dass nur FFP-20-Schutzmasken die einzigen sind, die relativ dicht sind und einigermaßen schützen.

    Ferner gibt es kaum oder keine Kontrollen bei den Fahrten und wenn es welche gibt, dann werden Fahrgäste lediglich auf die Schutzmaskenpflicht hingewiesen, eine Geldbuße bekommen sie nicht, sodass – sobald die Ordnungshüter die Trambahn verlassen haben – die Maske wieder abgenommen wird. Der Hinweis auf die Maskenschutzverordnung des Landes Sachsen, die beispielsweise einmal (!) zwischen dem Hauptbahnhof und Klingerweg (bei den Linien 1 und 2) ertönt, ruft nur noch Gelächter hervor.

    2. Geschäfte

    Gab es zu Anfang der Pandemie klare Verhaltensregeln bei Lebensmittel- oder Bekleidungsgeschäften bzw. bei Drogeriemärkten oder Apotheken, derart, dass nur eine bestimmte Zahl von Personen hineindurften, Maskenplicht bestand und Händedesinfektionsmittel vorhanden waren, ist das seit Monaten und bis heute inexistent.

    Zudem tragen die Kassierer/-innen keine Maske, weil die Plastikwand angeblich Schutz bietet, was wohl Unsinn sein dürfte, da Aerosole nicht statisch sind und im Falle von Lebensmittelmärkten auf die Lebensmittel fallen (lecker!).

    3. Arztpraxen und Restaurants

    Als besonders fahrlässig und heftig betrachte ich Aussagen vom Fachpersonal oder von Kellnern/-innen, dass sowohl bei Arztpraxen als auch bei Restaurants keine „Maskenpflicht“ bestünde. Ich kann gut nachvollziehen, dass vom Personal sowohl bei Arztpraxen und als auch bei Geschäften eine Maske nicht stundenlang getragen werden kann, man kann aber dem Personal erlauben, häufigere Pausen zu machen bzw. man kann mehr Personal einstellen.

    Mein Appell an Sie alle ist: Bitte sorgen Sie dafür, dass Kontakteinschränkungen, Maskenpflicht, Abstand- und Hygienevorschriften eingehalten werden, denn diese Pandemie wird uns alle über die Impfmöglichkeit hinaus einige Jahre begleiten, und sorgen Sie bitte dafür, intelligente und langfristige Lösungen zu finden, die gibt es und die sollen auch verstärkt eingesetzt werden.

    Mit freundlichen Grüßen

    Mittwoch, der 2. Dezember 2020: Kretschmer warnt vor hartem Lockdown im Januar

    Leipziger Zeitung Nr. 85: Leben unter Corona-Bedingungen und die sehr philosophische Frage der Freiheit

    Hinweis der Redaktion in eigener Sache

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      14 KOMMENTARE

      1. @Michael – Kleiner Nachtrag noch und damit es sich auch lohnt:Erklären Sie uns doch bitte in dem Zusammenhang gleich noch, warum die Schnelltests in der Praxis vergleichbare Positiv-% wie der PCR-Test aufweisen und das trotz geringerer Sensitivität/Spezifität! Oder warum steigen die Krankenhauszugänge, mit der bekannten Verzögerung von meist 1-2 Wochen, zum Anstieg der positiven PCR-Testergebnisse, wenn dieser doch nicht zu gebrauchen ist?

        #TeamWissenschaft

      2. @Michael: Es ist mühsam. Wenn Sie den Artikel zum Test wenigstens mal komplett gelesen hätten, würden Ihnen die Spezifität was sagen und auch . . ach lassen wir das. Übrigens wird der PCR-Test seit seiner Erfindung für diverse Nachweisverfahren genutzt, z.B. auch bei der saisonalen Grippe. Soweit zu a). Zu b) & c): die Anzahl der Zyklen ist bekanntlich je Test-Anbieter unterschiedlich, d.h. deshalb ist es schwierig sich hier auf 27, 30, 35 oder x Zyklen festzulegen, bis wann jemand vermehrungsfähiges Material in sich trägt. Dies wird bereits diskutiert, die Forschungslage ist dazu aber noch nicht allzu groß und deshalb ist es ein bekanntes, aber nie abgestrittenes Problem des Tests.
        Bitte belegen Sie seriös Ihre nicht haltbare Aussage zu d)! Und eigentlich sollte bzgl. e) nun mittlerweile bekannt sein, dass infiziert/ansteckend auch = symptomlos heißen kann.

      3. @Michale Freitag: die von Ihnen zitierte und von den (ausschließlich im Labor forschenden) Virulogen außerodentlich geschätzte „hohe klinisch-diagnostische Sensitivität für #SARSCoV2 von nahezu 100 %“ heißt lediglich, dass der Test hochempfindlich ist. Das ist für die Forschung gut und sinnvoll (da hier nachgeschaut wird, ob sich das Gesuchte findet, auch in allerkleinsten Mengen). Für die klinische Diagnostik (andere Schreibweise = andere Bedeutung) ist das nicht so gut, da solche kleinste Mengen im richtigen Leben nicht ausreichen, eine Infektion von krankmachender Qualität hervorzurufen.
        Zusammenfassend: der PCT-Test eignet sich eben nicht für die Diagnostik einer Erkrankung:
        a) weil der Test ausdrücklich nur zu Forschungszwecken, jedoch explizit NICHT zur Diagnostik zugelassen ist und entwickelt wurde.
        Weil b) bei einer Vervielfältigung von mehr als 24 Zyklen (derzeit macht das jedes Labor, wie es will, i.d.R. wird deutlich öfter vervielfältigt) das Ergebnis eigentlich gar nicht mehr zu gebrauchen ist, da so quasi alles nachgewiesen werden kann, was man nachweisen will.
        c) enthält das Testergebnis keinerlei Aussage darüber, ob das nachgewiesene Stück Virensequenz auch „anzuchtfähig“, also vermehrungsfähig, also infektiös ist.
        d) hat der Test eine falsch-positiv-Rate von bis zu 7,3% (das sind bei wöchentlich 1 ,5 Mill. Tests,wie sie derzeit stattfinden, bis zu 109.500 falsch positive Testergebnisse!).
        e) wird inzwischen eine SARS-CoV2-Infektion „diagnostiziert“, ohne dass der klinische Befund (Symptome) quasi als Gegenprobe erforderlich ist, was gegen jeden ärztlichen Qualitätsstandard verstößt, die Ärzte wurden aus der Pflicht entlassen, ihre PatentInnen dazu zu befragen oder zu untersuchen.
        Man nehme dazu gern auch dies zur Kenntnis:
        https://2020news.de/drosten-pcr-test-studie-rueckzugsantrag-gestellt-wegen-wissenschaftliche-fehler-und-massiver-interessenkonflikte/
        Hier die Originalquelle:https://cormandrostenreview.com/report/

      4. PS: fast vergessen. Gottesdienste sind ja auch so ein Thema. Ich war vor zwei, drei Wochen spazieren und kam an einer Gemeinde vorbei, die in einem kleinen Flachbau residiert. Da war Gottesdienst, ich glaube, es war ja auch Buß- und Bettag. Nun hätte man denken können, die Gläubigen würden Maske tragen. Achiwo. Na wenigstens hatten sie das Fenster offen. Aber da das weitestgehend Ältere waren, hatte ich da schon ein schlechtes Gefühl. Sicher ist nicht jede Gemeinde gleich, aber prinzipiell werden hier ganz sicher auch ab und zu Superspreaderevents dabei sein. Und gerade im ländlichen Bereich wird es viele kleine Gemeinden geben – da wo es gerade besonders viele Infizierte gibt. Nur wie soll man sowas verhindern – Religionsfreiheit – und wie soll man sowas kontrollieren. Ist halt auch so ein Problem.

      5. @Michael: also prinzipiell finde ich auch, dass die Leute sich größtenteils sehr vorsichtig verhalten und auch an die Coronaregeln halten. In den Stadtvierteln, wo ich unterwegs bin, ist es Abends und Nachts auf den Straßen so leer, dass man theoretisch nackig auf und ablaufen könnte und es würde keiner bemerken. Ich beobachte Menschen, die mitten im Wald fernab jeder Menschen mit Mundschutz herumlaufen und ich habe auch schon Autofahrer in ihren Autos gesehen, die da allein drin saßen und Mundschutz trugen. In den meisten Geschäften tragen auch alle Mundnasenschutz, und korrekt, Restaurants haben schon länger zu. Ab und zu sehe ich aber tatsächlich auch mal jemanden im Supermarkt, dem der Mundnasenschutz „runterrutscht“. Und in einem ganz kleinen Geschäft hab ich auch mal einen Verkäufer ohne Mundschutz erlebt – vielleicht hatte der aber auch ein Attest, was weiß ich.

        Prinzipiell denke ich aber, dass es keinen Sinn macht, sich über die wenigen Leute aufzuregen, denen der Mundnasenschutz unter die Nase „rutscht“ oder irgendeinen Verkäufer in einem kleinen Laden, der vielleicht mal gar keinen trägt.

        Weil: machen die die Masse der Ansteckungen aus?

        Es wäre zielführend, zu schauen, WELCHE Menschen sich anstecken, wenn möglich auch WO sie das tun. Und zwar in der Masse. Die Altersgruppen wären interessant und ggf. Faktoren wie Familienstand, berufstätig, Schüler oder auch ob Heimbewohner.

        Ist natürlich nicht einfach solche Zahlen zu erheben und mal fix geht das auch nicht. Momentan wimmelt es vor vermuteter Dunkelziffern. Aber ohne dieses genauere Wissen können wir alle eigentlich gar nicht sagen, wer wie Schuld hat oder wo wie anzusetzen wäre.

        Momentan, wenn ich mir das so ansehe, muss ich sagen, also Maskenpflicht usw. scheint gar nicht mal so eine Auswirkung zu haben. Was ja auch nicht verwunderlich ist. In einer Studie las ich mal, wenn alle Masken korrekt tragen (Keine Alltagsmasken, die haben wohl den geringsten Schutz) besteht wohl ein Schutz von 70%. Also ist da mit einem Restrisiko von 30% zu rechnen. Laut einer dänischen Studie schützt Mundnasenschutz allseits getragen zu 40%, wenn ich mich recht erinnere. Da bleibt also sogar ein Restrisiko von 60%.

        Nun sind 70 % oder selbst 40% Schutzwirkung ja immerhin dann doch noch eine Schutzwirkung, aber klar, je weiter verbreitet so ein Virus ist, da steigt dann ja auch die Wahrscheinlichkeit, sich trotz Mundnasenschutz anzustecken.

        Der Abstand und die Belüftung sind dann doch vielleicht wichtiger als sich sklavisch an einer Maskenpflicht festzuhalten, die offenbar nicht wirklich viel Wirkung zeigt. Ich kann nachvollziehen, dass man die Betriebe usw. offen lässt, aber wo es möglich ist, sollte man wirklich ins Homeoffice. Das betrifft auch alle älteren Schüler. Es ist mir maximal unklar, warum man bei den Schulen alles so laufen lässt wie bisher. Bei den ganz jungen Schülern verbreitet sich Corona wohl nicht so stark, aber je älter die Schüler sind, desto mehr. Natürlich ist das nicht schön für die betreffenden Schüler, aber ab spätestens 14 Jahren sind Jugendliche weitestgehend fähig dazu, tagsüber alllein zuhause zu bleiben und dort auch Home-Schooling zu machen.

        Zu den Luftfiltern schrieb ich ja schon mal vor Wochen, dass es mehr als verwunderlich ist, dass die Politik nichts diesbezüglich tut.

        Ja, das ist schon alles sehr seltsam, was unsere Politiker so tun und was nicht.

        Ich mein, was bringt es, irgendwo Ausgangssperren nachts anzuordnen (irgendwo in Bayern hat man das wohl gemacht), wo sowieso keiner nachts bei der Kälte draußen viel unterwegs ist, außer vielleicht um mit Fifi zum Gassigehen rauszugehen? Und stattdessen die älteren Schüler weiter in die Schule zu schicken zur fröhlichen Virenweiterverbreitung? Und was bringt diese 15km-Regel jetzt, aber bis heute den Grenzverkehr zu Hotspot-Ländern komplett offen zu lassen?

        Kein Wunder, wenn sich manche Leute bei so einem Regierungswirrwarr in Verschwörungstheorien ergehen. Weil das Vorgehen der Politiker schlicht chaotisch ist. Ich denke aber eher, das Chaos entspringt einem Großteil doch eher einer Überforderung aus dem Versuch, einen Spagat zu vollziehen zwischen Demokratie, wirtschaftlichen Nöten, sozialen Bedingtheiten und einem sehr hohen Anteil an Risikogruppen in der Bevölkerung. Wenn man dazu noch die mangelhaften Gesundheitssysteme usw. dazu nimmt, ist das eine Ausgangslage, die auch wirklich bescheiden ist. Aber eben die Mängel im Gesundheitswesen und Krankenhäusern haben die Politiker gemacht – ja nun müssen sie sehen, wie sie das Problem lösen und sie lösen es nicht gut.

      6. Danke Axel. Und da ich ja weiß, wie wenig nachher dann doch mal auf gute Hinweise geklickt wird, hier also das Fazit der Deutschen Virologengesellschaft: „Aus der beschriebenen technischen und medizinischen Beurteilung ergibt sich eine hohe klinisch-diagnostische Sensitivität für #SARSCoV2 von nahezu 100 %. Die vom RKI gemeldeten Daten zum Infektionsgeschehen spiegeln somit medizinische Befunde und keine rohen Testergebnisse wieder, so dass von einer sehr hohen Zuverlässigkeit der Analysemethode auszugehen ist.“

      7. Vielleicht noch als Ergänzung: Die Fallzahlen sind, mit allen etwaigen Ungenauigkeiten, auch immer eine Vorwarnzeit von 2-3 Wochen vor den zu erwartenden Hospitalisierungen und evtl. benötigten Intensivressourcen. Hätte man diese nicht, wäre es – übrigens ebenso wie bei einer zu hohen Dunkelziffer – ein Blindflug. Merken übrigens jetzt alle, die zu wenig getestet und zu wenig Ressourcen in den Krankenhäusern bereitgestellt haben. So gesehen sind die Fallzahlen der erste Maßstab für die Tendenz und evtl. notwendig werdende Maßnahmen, genau so wie es J. schon schrieb . . .

      8. @MF
        Wo, außerhalb der LVB, hat der Briefschreiber seine Informationen her? Ich kenne kein einziges Geschäft, in dem es keine Maskenpflicht gibt, das ohne Zutrittsbeschränkungen offen ist und wo nicht Desinfektionsmittel jedem, der es wünscht, zur Verfügung steht. Von welchen Restaurants, über welches Restaurantpersonal wird derart Merkwürdiges berichtet? Es gibt keine Restaurants in Leipzig, in denen irgendwer, was auch immer, sagen könnte: alle sind geschlossen! Auch habe ich keine einzige medizinische Einrichtung gefunden, die nicht die entsprechenden Hinweise und Ausstattung unübersehbar bereithält – schließlich gibt es dafür verbandliche Vorgaben, die umzusetzen sind. Und schließlich: lassen Sie bitte die armen KassiererInnen in Ruhe, die einen Knochejob machen, nicht nur zur Zeit. Dass es bei Corona keine Schmierinfektionen gibt, hat Prof. Streeck schon i.R. seiner Heinsberg-Studie nachgewiesen. Wenn Sie sich dennoch davor fürchten, was Ihr gutes Recht ist, gibt es die einschlägige Empfehlung, Einweg-Handschuhen zu benutzen.
        Die Zahlenspielereien der Politiker werden von diesem „anerkannten“ Spezialisten kritisiert:
        https://de.rt.com/inland/110033-streeck-kritisiert-zahlenspielereien-politik-soder/

      9. @J. Konkret war meine Frage auf das Kriterium zur „Feststellung einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite, und zum Festlegen sogenannter Hotspots“ gerichtet.
        Zum Thema der wie Sie es nennen „Unschärfen“ der „Infiziertenzahlen“ werde ich mich in einer gesonderten Antwort äußern, bei der es besser paßt.
        Dennoch vielen Dank für die Mühe und Menge der Ausführungen.

      10. @Michael: Naja prinzipiell geben die Infiziertenzahlen nur die ungefähre Richtung vor und haben durchaus Unschärfen. Relevanter ist aber dann doch, wie M.F. korrekt verlinkt, das Vorhandensein von Intensivbetten und vor allem an verfügbarem PERSONAL, nicht wahr? Naja, und wenn man nicht genug Personal hat, ist das auch ein Notstand, und da der Notstand sehr weit verbreitet ist, hat das schon nationale Tragweite, oder (auch wenn der anhand der Fallzahlen mit all ihren Unschärfen begründet wurde)? Also sind die Fallzahlen an Infizierten doch theoretisch an sich nun irrelevant – relevant ist eher, wieviel und ob gesundheitliche Versorgung in welcher Region wie möglich ist. Natürlich kann man mit der Feststellung einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite dieses und jenes anstellen, vielleicht kann man so eine Feststellung daher als Werkzeug betrachten, das erstmal nur ein Werkzeug ist, die goldene Frage ist, was macht man damit. Da bin ich auch gespannt. Kann ja auch missbraucht werden – muss aber nicht.

        Wenn ich Supermarktbetreiber wäre und hätte nur einen Menschen zum Kassieren, und es kommen 500 Kunden gleichzeitig, ist das auch ein Notstand. Wenn ich ein Supermarktbetreiber wäre und hätte dagegen 100 Menschen an der Kasse sitzen, könnte ich die Lage wahrscheinlich leicht wuppen. Es kommt doch immer auf die Umstände an und die Relationen?

      11. Hallo LIZ, mich würde interessieren, wie valide denn die Fallzahlen ermittelt werden, die zur Feststellung einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite,
        und zum Festlegen sogenannter Hotspots offenkundig benutzt werden.

      12. Das Thema ist sehr groß und vielschichtig.
        Prinzipiell ist es aber absolut logisch, dass die Infiziertenzahlen in Sachsen steigen, ausgehend von den Grenzregionen. Warum?

        Tschechien war im Oktober Hotspot in Europa. Ich habe einen TAG24-Artikel gefunden vom 10.11.2020:

        „Dresden – Der „kleine Grenzverkehr“, an dem Ministerpräsident Michael Kretschmer (45, CDU) seit Wochen festhält und dessen für Sachsen geltenden Regeln die Bundes-Muster-Quarantäneverordnung aufgenommen hat, könnte Folgen haben. Nicht nur Sachsen dürfen 24 Stunden (ohne Testpflicht bei Rückkehr) ins Nachbarland fahren. Auch Tschechen dürfen für einen Tag testlos nach Sachsen einreisen. Die Staatskanzlei begründete das: „Weil der kleine Grenzverkehr unerlässlich für Berufspendler und Menschen ist, die im Grenzgebiet leben und arbeiten.
        Wenn diese wegfallen würden, sehe es in vielen Bereichen bei uns, wie dem Gesundheitswesen, sehr schlecht aus“, so Regierungssprecher Ralph Schreiber. Bei Weitem kommen nicht nur Pendler. Für Einkaufstouristen ist die testlose Reisefreiheit eine willkommene Abwechslung im trüben Lockdown-Alltag mit geschlossenen Geschäften im Corona-Hotspot Tschechien. Dort wurde vergangenen Mittwoch ein neuer Rekord mit fast 17.000 Neu-Infektionen aufgestellt – das entspräche 135.000 Neu-Infektionen (innerhalb von 24 Stunden) in Deutschland. Die tschechischen Reiseanbieter haben ihre Chance längst erkannt. Tagesfahrten (für knapp 20 Euro) mit dem Bus zum Einkaufen nach Dresden sind gefragt.““

        Tja, vielleicht hätte man doch die Grenzen vor Wochen komplett dicht machen sollen, allerdings ist das mit den Berufspendlern wirklich schwierig.

        Sehr viele Ärzte und Pflegepersonal in Sachsen kommen eben aus Tschechien. Am 26.03.20 hat Dulig das in einer Veröffentlichung des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr anlässlich von Hilfen für Übernachtungen wegen strengerer Grenzöffnungen für polnische und tschechische Pendler in Worte gefasst: „Die Regelung ist wichtig und richtig: In vielen Einrichtungen des Gesundheitssektors würde ein bedeutender Teil des Stammpersonals fehlen, wenn die tschechischen Kolleginnen und Kollegen nicht mehr zur Arbeit kommen könnten. Deshalb unterstützen wir die Einrichtungen dabei, ihre Beschäftigten zu akzeptablen finanziellen Bedingungen vorübergehend in Sachsen unterzubringen. Wir wollen damit in Medizin und Pflege weiter Stabilität gewährleisten, gerade in dieser außergewöhnlichen Situation.“

        Damals waren die Grenzregelungen schärfer!

        „Seit heute gelten strenge Grenzregelungen in der Tschechischen Republik für tägliche Berufspendler. Wer in den Nachbarstaaten Tschechiens arbeitet, steht vor der Wahl, entweder in Tschechien zu bleiben oder sich für mehrere (mindestens drei) Wochen im Ausland eine Unterkunft suchen, da ansonsten eine 14-tägige Quarantäne verhängt wird. Polen will eine ähnliche Regelung ab dem Wochenende einführen.“

        Daher die finanziellen Hilfen für die Übernachtungen. Keine Ahnung, warum unsere werte Landesregierung das diesmal nicht so gehandhabt hat. Mir ist das Agieren der Landesregierung ein Rätsel.

        Und das sind wohl nicht wenige Ärzte und wenige Pflegekräfte in Sachsen – laut Sächsischer Landesärztekammer steigen die Zahlen der tschechischen Ärzte in Sachsen seit Jahren und bei Krankenpflegern etc. wird es nicht anders aussehen.

        Fazit: Es war absehbar und relativ unabwendbar, dass in Sachsen die Infiziertenzahlen steigen. Sachsen ist angewiesen auf Ärzte und Pflegepersonal aus Tschechien und Polen, welche derzeit Corona-Hotspots in Europa sind (ich glaube, in Tschechien ist es langsam besser geworden, aber das nützt uns jetzt nichts mehr). Ohne die Möglchkeit zu pendeln und somit die Ärzte und das Pflegepersonal aus Tschechien und Polen hätte es große Probleme in der medizinischen und gesundheitlichen Versorgung in Sachsen gegeben – auch ohne Corona. Lösungen wie im März gab es seltsamerweise diesmal nicht. Aber mit den Berufspendlern war es auch absehbar, dass die Infektionswelle ganz logisch nach Sachsen überschwappen wird. Vielleicht hätte es einen Effekt gehabt, den Grenzverkehr so zu minimieren, dass wirklich nur noch Pendler u.Ä. durchkommen und wenigstens die Einkaufstouristen verboten worden wären. Kann sein. Oder man hätte es wie im März machen müssen.

        Wenn ich mir jedenfalls überlege, wieviele Pendler aus dem Hotspot Tschechien (und auch Polen), auch wenn sie es nicht wollen, den Virus direkt in die Altenheime etc. tragen – wundern mich die Ausbrüche nicht in den Altenheimen. Es ist alles sehr logisch.

        Es sind eben Strukturprobleme, die schon seit Jahrzehnten aufgebaut und nicht geändert werden, und die kommen nun zum tragen. Lösungen wie im März wurden diesmal nicht angewendet, warum weiß nur die Landesregierung.

        So ist es jedenfalls ein Spiel, das nicht zu gewinnen war!

        Wie groß dagegen nun der Einfluss von irgendwelchen Leuten, die irgendwo mal ihre Maske nicht ordentlich getragen haben, sein mag, keine Ahnung. Ich glaub, gegenüber der überschwappenden Infektionswelle aus Tschechien und Polen, möglicherweise auch noch zielgerichtet in die Pflegeheime usw., ist das fast schon irrelevant.

        In Australien wird jeder, der ins Land kommt, erstmal für 14 Tage in ein Quarantäne-Hotel gesteckt und bewacht. Finde ich nicht schön, finde ich nicht gut. Scheint aber zu funktionieren. In China werden die betreffenden Orte, wo es Ausbrüche gibt, abgeriegelt – finde ich nicht gut, finde ich nicht schön, funktioniert aber. In Sachsen lässt man die Grenze zu den Hotspotländern weitestgehend offen – tja, hat nicht funktioniert.

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