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Schwarwels Fenster zur Welt: Phantomschmerz

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    Die Welt bricht zusammen. Alles erodiert, Pestkranke schleichen um die Häuser, welche sich selbst auf einer Säule hinkend, am Abgrund gebaut, todessehnsüchtig gen Tiefe neigen. Die Zeitungen sterben! Was einst mit vier Freigaben durch die Alliierten begann, in der medialen Verteilung des Ostens seine Fortsetzung und Machterweiterung fand, geht am Stock. Springer, Burda, Bertelsmann und - lokaler Einschuss - so ein bisschen Madsack-Clan mit einem alten Mann an der Spitze bekommt nach Jahrzehnten des Gelddruckens Probleme.

    Sie zahlen schlecht und machen Verluste. Schuld sind das Internet, der dumme Leser und niemals die Patina auf den eigenen Pokalen. Verliehen in Zeiten, als die alte Elite sich damit befasste immer noch Orden auszuloben und längstens der Bürger fragte, wo er denn bleibt. Dass er nicht mehr nur Stimmvieh und Empfänger der obrigen Nachricht sein möge, das hatte er beschlossen. So ganz heimlich. Scheinbar.

    Und jetzt? Reden wir doch mal über Qualität – also das, was nur noch wenige verstehen und an dessen Abhandenkommen eben jene Verkündungsorgane seit Jahrzehnten mitgearbeitet haben. Während man ja wusste, dass Bild hier und da schwindelt, hat so manch Leser mit breiter Armhaltung geglaubt, dass er jetzt etwas erfährt. Und was ihm widerfahren wird. Dumm nur, wenn die eigene Lebenserfahrung so gar nicht mehr mit dem gemeißelten Papier zusammenpassen will.

    Ist halt das Papier schuld. Muss ja irgendwer schuld sein, sonst geht am Ende eines Tages kein Mond mehr auf. Gibt es keine Qualität mehr (oft betont und selten geliefert) und hat es im Netz keine Geschäftsmodelle? Während sich also Apple in eben jenem „neuen“ Medium dumm und schwachsinnig verdient, hat die deutsche Verlegerschaft nur eine Antwort – da geht nüschd. Innovationsfaktor – wir haben da eine PDF fertiggemacht und eine App – aber irgendwie keine neue Nachricht, vor allem keine mehr, die der Leser versteht. Weshalb er sich anschließend im Kommentarfeld komplett hirnbefreit kaputtplappert.

    Replik: Die Welt bricht zusammen. Alles erodiert, Pestkranke schleichen um die Häuser, welche sich selbst, auf einer Säule hinkend, am Abgrund gebaut todessehnsüchtig über den Abgrund neigen. Die Zeitungen sterben. Und das vollkommen zurecht. Zumindest so lang, wie sie genauso dämlich sind, wie ihre Leser. Denn das Modell funktioniert nur, wenn auf der anderen Seite ein notgeiler Bauer einen Acker sucht.

    Stellt sich eigentlich nur noch die Frage, wie Not-Geil der Konsument halt ist. Offenbar lassen die Schmerzen zumindest bei ihm langsam nach. Der Rest ist wohl die Jagd nach dem Phantom der Oper.

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