Mit dem 1. August 2013 trat der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab deren ersten Geburtstag in Kraft. Sachsen hat den zahlenmäßigen Ausbau insgesamt gut gemeistert - dank der traditionell vorgehaltenen Krippen-Kapazitäten und mit wenigen Ausnahmeregionen. Für 52 Prozent aller Einjährigen steht ein Platz zur Verfügung. Die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege sehen trotzdem Handlungsbedarf: Schließlich müsse der Rechtsanspruch für jedes Kind zu gleichen Bedingungen erfüllt werden.

Aktuell sind jedoch die Rahmenbedingungen in den allermeisten anderen Bundesländern deutlich besser.

“Quantität und Qualität müssen stimmen – gerade bei den Jüngsten, die eine enge und verlässliche Bindung zu ihren Bezugspersonen besonders benötigen”, so Karlheinz Petersen, Liga-Vorsitzender und Landesgeschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt Sachsen: “Die Bemühungen zur Einhaltung des Rechtsanspruchs sollten nicht davon ablenken, dass wir in Sachsen großen Nachholbedarf hinsichtlich der Strukturqualität haben. Das ist am Ende auch eine Frage der Gerechtigkeit: Wieso soll der Wohnort darüber entscheiden, ob ein einjähriges Kind mit zwei oder mit sieben Gleichaltrigen gemeinsam von einer pädagogischen Fachkraft betreut wird? Bildungs- und Entwicklungschancen dürfen nicht derart ungleich verteilt sein.”

In allen bundesweiten Studien steht Sachsen hinsichtlich der Kita-Betreuungsschlüssel auf einem der drei letzten Plätze. Während in Bremen laut aktuellem Kita-Report der Bertelsmann-Stiftung drei Kleinkinder von einer Erzieherin betreut werden, ist ihr sächsischer Kollege für sieben verantwortlich. “Der Anspruch des sächsischen Bildungsplans, Kindertageseinrichtungen seien Orte der Bildung, Erziehung und Betreuung, ist damit kaum zu erfüllen”, hält Petersen fest: “Der Schwerpunkt droht sich auf bloße Beaufsichtigung zu verschieben. Das ist nicht unser Anspruch, nicht der der Eltern und kann auch nicht der politische Anspruch im Freistaat sein.”

Die Wohlfahrtsverbände richten daher ihre Erwartung auf die sächsische Staatsregierung: Perspektivisch müsse der Krippen-Personalschlüssel auf 1:4 abgesenkt werden. Mit einem ersten Schritt auf 1:5 könnte wenigstens das Niveau der Kindertagespflege erreicht werden. Dies würde im Landeshauhalt mit ca. 68 Millionen Euro im Jahr zu Buche schlagen.

Petersen: “Am Ende ist eine Frage der politischen Prioritätensetzung. Wollen wir angemessen in die frühkindliche Bildung in Sachsen investieren? Aus Sicht der Zukunftsfähigkeit unseres Landes und des Kindeswohls kann die Antwort doch nur “ja” lauten.”

Die Kita-Zielstellungen der Liga auf einen Blick:
www.weil-kinder-zeit-brauchen.de

Stichwort: Die Liga der Spitzenverbände ist der Zusammenschluss der Freien Wohlfahrtspflege im Freistaat. Mitglieder sind die Arbeiterwohlfahrt, die Caritas, das Deutsche Rote Kreuz, das Diakonische Werk, der PARITÄTISCHE Wohlfahrtsverband sowie die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland. Die Hälfte der 2800 sächsischen Kitas befindet sich in freier Trägerschaft.

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