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Standardisierte Diagnostik und das magische Auge

Prof. Christian Wittekind, Direktor des Instituts für Pathologie, emeritiert

Generationenwechsel am Institut für Pathologie des Universitätsklinikums Leipzig (UKL): Nach 23 Jahren Institutsleitung geht Prof. Christian Wittekind Ende März 2019 in den wohlverdienten Ruhestand. In die Zeit unter seiner Leitung fiel nicht nur ein Umbau, sondern auch eine Modernisierung der Pathologie hin zu einem wichtigen klinischen Partner bei der Behandlung vor allem auch von Krebspatienten. Er übergibt seinem Nachfolger Prof. Hendrik Bläker nicht nur ein modernes Institut in einem historischen Gebäude, sondern auch einen leistungsfähigen diagnostischen Dienstleister, dessen Arbeit über das UKL hinaus gefragt ist.

„Wir sind Prof. Christian Wittekind für sein Engagement für die Pathologie hier am Standort zu großem Dank verpflichtet“, betont Prof. Michael Stumvoll, kommissarischer Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Leipzig. „Er hat in den vergangenen Jahrzehnten dafür gesorgt, dass die Kliniken mit unserer Pathologie einen verlässlichen und exzellent arbeitenden Partner an ihrer Seite hatten, um eine bestmögliche Behandlung unserer Patienten sicherzustellen. Und gewiss verdankt seinem Können so mancher Krebspatient sein Leben“, ist Prof. Stumvoll überzeugt.

Prof. Dr. Christian Wittekind kam vor 23 Jahren aus Erlangen ans Uniklinikum nach Leipzig. „Die Pathologen des Jahres 1996 waren in der Regel noch Wesen, die im Studierzimmer ihre Diagnosen am Mikroskop stellten und sich wenig dafür interessierten, was der behandelnde Arzt mit den Diagnosen anfangen konnte“, blickt der 67-Jährige zurück. „Das sieht heute ganz anders aus. Da ist der Pathologe eingebunden in die klinische Tätigkeit und muss wissen, wie er Therapieentscheidungen beeinflusst.“

1990 hatte er nach beruflichen Stationen in Freiburg im Breisgau und Hannover die selbstständige Abteilung Pathologie am Universitätsklinikum Erlangen übernommen, am 30. Mai 1996 wechselte er von dort nach Leipzig.

Mitte der neunziger Jahre war die Stadt noch im Umbruch, ebenso wie das Universitätsklinikum. Und gerade das hat Prof. Wittekind gereizt: „Ich hatte hier die Möglichkeit eines Neuaufbaus. Das wäre in den gestandenen Universitätsklinika im Westen nicht möglich gewesen“. Sein Anspruch als neuer Chef in der Messestadt war, das Institut für Pathologie auf eine optimale Krankenversorgung, Forschung und Lehre auszurichten.

Wurden im Institut 1996 etwa 18.000 Gewebeproben im Jahr begutachtet, sind es heute mehr als 60.000. Damals wurden im Jahr zwölf Demonstrationen der Befunde verstorbener Patienten vorgenommen. Heute finden Tumorboards und Fallbesprechungen, die lebende Patienten betreffen, etwa 650 Mal pro Jahr statt. „Wir haben heute einen guten Ruf. Das Institut steht für Qualität und für Hilfsbereitschaft – besonders in Fällen, bei denen andere nicht weiterkommen. Das gilt nicht nur für Sachsen, sondern deutschlandweit“, betont Prof. Wittekind.

Sein Anspruch an die Lehre war, die Ausbildung für die Studenten so zu gestalten, dass sie erkennen, wie wichtig die Pathologie in ihrem späteren beruflichen Werdegang ist. „100 Prozent aller Krebsdiagnosen werden durch Pathologen gestellt“, verdeutlicht Prof. Wittekind. „Aber leider ist es mir nicht immer gelungen, die Wertigkeit meines Faches für die gesamte Medizin zu vermitteln. Viele haben erst in der praktischen Arbeit gelernt, welche bedeutende Rolle die Pathologie spielt.“

Pathologe sei er übrigens geworden, weil ihn immer mehr interessierte, warum etwas schief gehe, und nicht, warum etwas gut gegangen sei. „Mit dieser Herangehensweise kommt man dem Fehler, also im Extremfall dem Tod, am besten auf die Spur“, erklärt Wittekind.
In seiner Leipziger Zeit hat er unter anderem eine weitgehend standardisierte Diagnostik etabliert. Damit ist in 95 Prozent der Fälle genau auszumachen: Ist das nun Krebs oder nicht?

„Bei den schwierigen Diagnosen braucht der gute Pathologe aber das magisches Auge. Das ist eigentlich ein morphologisches Gedächtnis, bei dem mit den Jahren Bilder von tausenden Gewebeproben im Hirn gespeichert sind und bei jedem schwierigen Fall dann abgerufen werden können.“

Die Tumorklassifikation gehörte zu seinen Forschungsschwerpunkten und zu denen des Instituts. Ihr wird sich Prof. Wittekind auch nach seiner Emeritierung am 31. März widmen – in Zusammenarbeit mit vielen Kollegen bei der „Union for International Cancer Control“ (UICC), der Internationalen Vereinigung, die sich der Erforschung, Prävention und Behandlung von Krebserkrankungen verschrieben hat.

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