Die Zahl der in Deutschland gemeldeten Tularämie-Fälle ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Doch vielen Ärztinnen und Ärzten ist die Krankheit nicht hinreichend bekannt. Eine neue Publikation beleuchtet erstmals systematisch klinische Verläufe und Behandlungsstrategien auf Basis deutscher Falldaten.
Das RKI verzeichnet mittlerweile jährlich bis zu 200 Erkrankungsfälle der Hasenpest (Tularämie). Dabei wird eine hohe Dunkelziffer vermutet. Insgesamt ist die Krankheit jedoch nach wie vor selten. Die Diagnosestellung ist anspruchsvoll, da die Krankheit sehr unterschiedliche klinische Erscheinungsformen haben kann.
Diese reichen von Hautgeschwüren mit schmerzhafter begleitender Lymphknotenschwellung über hohes Fieber mit Erregernachweis im Blut bis hin zur Lungenentzündung. Das breite Symptomspektrum macht deutlich, dass eine hohe klinische Wachsamkeit notwendig ist, um die Erkrankung frühzeitig zu erkennen und adäquat behandeln zu können.
Zum ersten Mal für Deutschland fasst nun eine multizentrische retrospektive Analyse 65 Tularämie-Fälle aus den Jahren 2010 bis 2025 zusammen. Die Patientinnen und Patienten wurden an STAKOB-Behandlungszentren (Ständiger Arbeitskreis der Kompetenz- und Behandlungszentren für Krankheiten durch hochpathogene Erreger) und kooperierenden Kliniken versorgt.
Analysiert wurde unter anderem das klinische Erscheinungsbild, die tatsächliche Erkrankungsdauer, wichtige diagnostische Schritte sowie eingesetzte Behandlungen – von empirischer und gezielter Antibiotikatherapie bis zur chirurgischen Versorgung. Darüber hinaus gibt die Publikation Hinweise zur schnelleren Fallerkennung.
Die Ergebnisse legen nahe, dass die klassische Risikogruppe, zu der beispielsweise Jäger gehören, erweitert werden muss um Personen, die sich in den Sommermonaten viel im Freien aufhalten und sich durch Zeckenbisse oder das Einatmen von bakterienhaltigem Staub infizieren können. Erhöhte Wachsamkeit ist insbesondere bei Reisen in Hochendemiegebiete (z.B. Schweden) oder bei entsprechender Tier- bzw. Umweltexposition geboten.
Hintergrund
Die sogenannte Hasenpest wird durch das sehr infektiöse Bakterium Francisella tularensis verursacht. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt zoonotisch, z.B. durch direkten Kontakt mit infizierten Wildtieren, durch Zeckenstiche und seltener durch Insektenstiche oder durch die Aufnahme von erregerhaltigem Staub oder Wasser.
Die Tularämie wird umgangssprachlich auch als „Hasenpest“ bezeichnet, da die Erkrankung vor allem bei Hasen und Kaninchen früh auffällig wurde. Hasen sind jedoch nicht die einzige Infektionsquelle; die Übertragung auf den Menschen kann auch über Zecken, andere Wildtiere oder kontaminierte Umwelt erfolgen
Hinweis: Die Tularämie wird umgangssprachlich auch als „Hasenpest“ bezeichnet, da die Erkrankung vor allem bei Hasen und Kaninchen früh auffällig wurde. Hasen sind jedoch nicht die einzige Infektionsquelle; die Übertragung auf den Menschen kann auch über Zecken, andere Wildtiere oder kontaminierte Umwelt erfolgen.
Veröffentlichung
Hinweis: Diese Kurzfassung verweist auf die Originalpublikation für weitere Details.
Die Studie ist in der Fachzeitschrift Antibiotics erschienen und online verfügbar unter: https://www.mdpi.com/2079-6382/14/11/1169
PDF-Datei: https://www.mdpi.com/2079-6382/14/11/1169/pdf
Beratung und Unterstützung
Eine Beratung zur Diagnostik bietet das Konsiliarlabor für Francisella tularensis am Zentrum für Biologische Gefahren und Spezielle Pathogene (ZBS) des Robert Koch-Instituts (RKI).
Eine klinische Fallberatung einschließlich differenzialdiagnostischer Aufarbeitung, Therapiekonzept und Nachsorge bieten die sieben Behandlungszentren des STAKOB (Ständiger Arbeitskreis der Kompetenz- und Behandlungszentren für Krankheiten durch hochpathogene Erreger) in Hamburg, Berlin, Frankfurt, Düsseldorf, Leipzig, Stuttgart und München.

Keine Kommentare bisher