Einer der ersten Berührungspunkte zur deutschen Sprache und zu Deutschland – das ist und war für viele internationale Studierende der Universität Leipzig die Lumumbastraße 4. Seit über 70 Jahren lernen Studierende aus aller Welt in diesem Gebäude Deutsch und bereiten sich fachlich, methodisch und transkulturell auf ein Studium in Deutschland vor. Im Frühjahr 2027 verlässt das Studienkolleg Sachsen den Standort und bezieht neue Räumlichkeiten in der Grassistraße 12.
Zum Abschied laden das Studienkolleg Sachsen, das Herder-Institut und interDaF e.V. am 10. Oktober 2026 ab 14:00 Uhr zu einem Begegnungstreffen in der Lumumbastraße 4, viele Jahre lang Wirkungsstätte für alle drei Institutionen, ein. Medienvertreter:innen sind herzlich willkommen, eine vorherige Anmeldung ist erwünscht.
Abwechslungsreiches Programm
So zeigen zwei Ausstellungen mit Zeichnungen und Fotografien von Mahmoud Dabdoub Ehemaligenporträts sowie Impressionen der Lumumbastraße aus den 1980er Jahren. Geboren im Libanon, bereitete sich Dabdoub dort 1981/82 am damaligen Herder-Institut auf sein Fotografie-Studium in Leipzig vor. Heute ist der palästinensisch-deutsche Fotograf hier freiberuflich tätig.
Um 15:30 Uhr liest der syrisch-deutsche Schriftsteller und Übersetzer Adel Karasholi, einer der ersten Absolvent:innen der Lumumbastraße, unter dem Titel „Daheim in der Fremde“ aus seinem Werk. Karasholi stammt aus Damaskus, floh 1961 in die DDR und studierte am Literaturinstitut „Johannes R. Becher“ sowie an der Theaterhochschule Leipzig.
Um 17:30 Uhr nimmt Prof. Dr. Marina Foschi, Professorin für Deutsche Sprachwissenschaft an der Universität Pisa, in ihrem Vortrag „Rückblick mit Blick auf die Zukunft“ die Disziplin Deutsch als Fremdsprache aus ihrer Außenperspektive unter die Lupe und ergänzt so die Perspektive, die Prof. Dr. Marion Grein, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, zuvor in Ihrem Vortrag „Sprachlehrkräfte der Zukunft. Kompetenzen neu denken“ eröffnet hat. In der anschließenden Podiumsdiskussion diskutiert Foschi mit weiteren Gästen über die Potenziale und Herausforderungen des Faches im Kontext von Internationalisierung sowie aktueller politischer und technischer Entwicklungen.
Weitere Programmpunkte stellen beispielsweise aktuelle Forschungs- und Lehrprojekte, historisches Filmmaterial und Erfahrungsberichte vor.
Das Begegnungstreffen wird auch Gelegenheit bieten, des früheren Studienkolleg-Leiters Dr. Andreas Michael zu gedenken, der im September 2026 verstarb. Andreas Michael hatte das Studienkolleg Sachsen seit seiner Gründung 1991 bis 2022 geleitet und entscheidend geprägt.
Ort der Begegnung und des gemeinsamen Lernens
Das Studienkolleg Sachsen bezieht in der Grassistraße 12 ein komplett neu saniertes Gebäude mit zeitgemäßer Infrastruktur, vor allem für digital-gestütztes, kompetenzorientiertes Lehren und Lernen. Es befindet sich in direkter Nähe zu zentralen universitären Einrichtungen und bietet den Studierenden so ein attraktives Studienumfeld. Die Einweihung ist für den Frühsommer 2027 vorgesehen.
„Die Lumumbastraße war über Jahrzehnte ein Raum des Ankommens, der Begegnung und des gemeinsamen Lernens – ein Ort gelebter Weltoffenheit, an dem Wege ins Fachstudium, in den Beruf, in die deutsche Gesellschaft und in die Welt geebnet werden. Seit 1991 haben allein am Studienkolleg mehr als 25.000 Menschen aus anderen Ländern gelernt. Dazu kommen die Teilnehmer:innen an Sommerkursen und Fortbildungskursen für internationale Deutschlehrende bei interDaF sowie internationale Studierende des Herder-Instituts. Viele von ihnen sind zu Brückenbauer:innen zwischen Deutschland, ihren Herkunftsregionen und der ganzen Welt geworden. Das macht diesen Ort so besonders,“ erklärt Katja Brachmann, Leiterin des Studienkolleg Sachsen.
„An der Universität Leipzig blicken wir auf mehr als sechs Jahrzehnte Erfahrung in der Studienvorbereitung und -begleitung internationaler Studierender zurück“, sagt Prof. Dr. Brigitte Latzko, Prorektorin für Talententwicklung: Studium und Lehre der Universität Leipzig.
„Das Gebäude in der Lumumbastraße 4 steht sinnbildlich für die Kultur der Weltoffenheit und Gemeinschaft, die wir an der Universität pflegen und in die Stadt hineintragen. Der Blick zurück auf diese Tradition bestärkt uns darin, diesen Weg weiterzugehen. Auch an der neuen Adresse des Studienkollegs Sachsen in der Grassistraße werden internationale Studierende sich willkommen fühlen und sich erfolgreich auf ein Studium in Leipzig, in Sachsen oder an anderen Standorten in Deutschland vorbereiten können.“
Das gesamte Programm des Begegnungstreffens in der Lumumbastraße ist online zu finden, der Eintritt ist frei. Medienvertreter:innen sind nach vorheriger Anmeldung unter offenes-haus-lumumbastrasse@uni-leipzig.de herzlich eingeladen.
Hintergrund
Seit 75 Jahren existiert die Vorbereitung internationaler Studierender an der Universität Leipzig auf ein deutschsprachiges Fachstudium. Vor 70 Jahren wurde das Institut für Ausländerstudium gegründet und vor 65 Jahren in Herder-Institut umbenannt, an dem Gerhard Helbig 1968 den ersten Lehrstuhl für Deutsch als Fremdsprache im gesamten deutschsprachigen Raum antrat. Im Zuge der Umstrukturierung nach der Wiedervereinigung wurden nach 1991 drei Institutionen neu gegründet: das Studienkolleg Sachsen, InterDaF e. V. und das heutige Herder-Institut.
Anfang 2027 ziehen nach dem Herder-Institut das Studienkolleg Sachsen und interDaF endgültig in neue Räumlichkeiten. Damit endet die universitäre Nutzung des zwischen 1952 und 1954 errichteten Gebäudes in der Lumumbastraße 4.
Mehr dazu erfahren Sie in einem Interview mit Katja Brachmann, Leiterin des Studienkolleg Sachsen, auf der Universitätswebseite.






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