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Die Luppe soll leben: Bund und Land geben Fördermittel für den Auwald

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    Mehr Raum für die Luppe und mehr Wasser in den nordöstlichen Auwald. Darum geht es in dem Projekt "Lebendige Luppe". Dafür fließt erstmals Geld aus dem "Bundesprogramm Biologische Vielfalt" nach Sachsen. Die Stadt Leipzig und der NABU Sachsen erhalten 5 Millionen Euro vom Bund. Der Freistaat Sachsen steuert weitere 150.000 Euro bei.

    Größer könnte der Kontrast kaum sein im nordwestlichen Auwald. Auf der einen Seite die Neue Luppe, die im letzten Jahrhundert von Menschenhand kanalgleich durch die Landschaft gezogen wurde. Auf der anderen Seite der Auwald, von dessen natürlicher Ursprünglichkeit noch vieles erhalten und der auf natürliche Durchfeuchtung angewiesen ist.

    An der Neuen Luppe realisiert die Landestalsperrenverwaltung nach dem Winterhochwasser zu Jahresbeginn 2011 zusätzlichen konventionellen Deichausbau – Baumrodungen eingeschlossen.Doch flussseitig links der Neuen Luppe, also zu weiten Teilen südlich des „Gewässers erster Ordnung“, soll in den nächsten Jahren die Landschaft um die Alte Luppe revitalisiert werden. Möglich machen den Projektstart hauptsächlich Fördermittel des Bundes. Der hat ein „Bundesprogramm Biologische Vielfalt“ aufgelegt. „Wir setzten die Rio-Konvention um, wir handeln“, stellte Professorin Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, am Donnerstag in der Auwaldstation in Lützschena heraus.

    Gerade um die Auenlandschaften in Deutschland ist es schlecht bestellt. „Auensysteme stehen unter besonderem Nutzungsdruck“, erinnerte die BfN-Präsidentin bei der Übergabe des Fördermittelschecks. Nach Erhebungen der Bundesbehörde seien lediglich zehn Prozent der Flussauen in Deutschland in einem guten und gar nur ein Prozent in einem sehr guten Zustand.Durch den Schutz und die Revitalisierung von Auenlandschaften wolle man den Naturschutz in die Städte hineinholen, so Jessel. Denn dort leben immerhin 80 Prozent der Menschen in Deutschland.

    Für Leipzigs Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal (Die Linke) ist der Auwald das „grüne Rückgrat unserer Stadt“. In dieser Funktion sei der Auwald auch in allen Stadtentwicklungskonzepten beschrieben. Um den einzigartigen Biotop in eben dieser Funktion zu stärken, habe die Stadtverwaltung gemeinsam mit den Partnern im Grünen Ring Leipzig bereits zwei Machbarkeitsstudien zur Revitalisierung der Luppe vorgelegt. Mit den eingehenden Fördermitteln will die Stadtverwaltung nach den Worten Rosenthals 2014 die Ausführungsplanung beginnen.

    Insgesamt fünf Millionen Euro gibt es in den kommenden sechs Jahren vom Bund. Aus Mitteln der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt kommen 150.000 Euro vom Freistaat Sachsen hinzu. Weitere rund 1,53 Millionen Euro bringen die beteiligten Institutionen und Organisationen als Eigenanteil auf, heißt es aus dem sächsischen Umweltministerium.Dessen Chef Frank Kupfer hofft, „dass mit Hilfe des Projektes ein Stück der verloren gegangenen Vielfalt in den Leipziger Auwald zurückkehren wird“. Auch andere Umweltschutzmaßnahmen der Stadtverwaltung lobte Staatsminister Kupfer (CDU) kurz vor der Scheckübergabe, insbesondere die von mancher Seite kritisierte Umweltzone.

    Lebendige Luppe-Projektpartner sind neben den Städten Leipzig und Schkeuditz der Landesverband des Naturschutzbundes Deutschland e. V., NABU Sachsen, sowie das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und die Universität Leipzig. Mit dem Projekt wolle man dem Verlust der typischen Dynamik von Gewässer und Aue entgegenwirken, teilte die Stadtverwaltung zusammenfassend mit. Denn der Auwald trockne in Teilen aus und hartholztyptische Baumarten entwickelten sich zurück, wie Bürgermeister Rosenthal erläuterte. Zudem befinde sich rund um die Papitzer Lachen die größte Population von Rotbauchunken, hob der Umweltdezernent hervor.

    Für den NABU Sachsen steht mit den Papitzer Lachen ein lang geplantes Vorhaben nun endlich vor der Realisierung. Die Grundidee zur Revitalisierung der Papitzer Lachen entwickelten Leipziger Umweltschützer um Roland Zitschke bereits 1973, wie Sachsens NABU-Geschäftsführer Philipp Steuer zu L-IZ sagt.

    Das aktuelle Projekt wurde 1995 skizziert, so Steuer weiter. „Die Flüsse bekommen mehr Raum und nutzen alten Raum“, beschreibt der Umweltschützer den Kern des Vorhabens. Die alten Flussstrecken seien alle noch vorhanden, hebt Steuer dabei hervor. Am Ende soll die Alte Luppe aussehen „wie ein kleiner Auwaldfluss“, blickt Steuer voraus.

    Mit der besseren Durchnässung des nordwestlichen Auwaldes sind ein geplanter Anstieg des Grundwassers und mehr Raum für Überflutungen verbunden. So viel Zurück zur Natur soll schon sein. „Es wird nicht um großflächige Überflutungsereignisse gehen“, versicherte der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) beim Projektstart. Menschliche Siedlungen sollen durch die Maßnahme nicht gefährdet werden, bekräftigte das Stadtoberhaupt.

    Um diese Ängste zu nehmen, gehören zum Projekt „Lebendige Luppe“ Maßnahmen der Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit in der Hand des NABU sowie eine sozialwissenschaftliche Begleitforschung der Universität Leipzig. Das Department Naturschutzforschung am hiesigen UFZ realisiert das Umweltmonitoring und die wissenschaftliche Evaluierung des Projektes. Für BfN-Präsidentin Jessel ist schon mal klar: Die Revitalisierung der Luppe ist eine „echte Win-Win-Situation für Mensch und Umwelt“.

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