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Umbau am Hauptbahnhof: Altes Raddilemma wird um ein paar hundert Meter verlängert

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    Der Streit brodelt seit 2012. Und es ändert sich nichts, auch wenn das Verkehrs- und Tiefbauamt jetzt erst einmal meldet: „Um die Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern zu erhöhen, ändert sich ab dem 7. Oktober die Radverkehrsführung entlang des Hauptbahnhofes.“ Das ist natürlich amtlicher Sprachmulch. An der Sicherheit ändert sich gar nichts.

    Im Zuge des Umbaus der Haltestelle entsteht derzeit mittig ein dritter ampelgeregelter Fußgängerüberweg hin zum Mittelbau des Hauptbahnhofs, so das Verkehrs- und Tiefbauamt. Der Abschnitt zwischen Ost- und Westhalle soll künftig durchgehend als „Gehweg/Radfahrer frei“ ausgeschildert werden. Radfahrer dürfen dann dort weiterhin fahren, müssen jedoch zum Schutz der Fußgänger Schrittgeschwindigkeit einhalten. Dafür können sie dann die gesamte Breite des Gehwegs mitnutzen und sind im Längsverkehr nicht an die Signalisierung der Autofahrer gebunden.

    Was nur ein Kompromiss ist, denn eigentlich gibt es an der Stelle einen baulich von der Fahrbahn getrennten Geh- und Radweg, wobei sich der Radweg optisch nur durch eine schmale Schiene vom Gehweg abhebt. Eine Schiene, die viele Fußgänger gar nicht wahrnehmen und sich deshalb vor der Ost- und der Westhalle des Hauptbahnhofs gewohnheitsmäßig direkt an den Bordstein stellen – also mitten auf den Radweg. Im Bereich der Übergänge gilt hier bereits jetzt abschnittsweise „Gehweg/Radfahrer frei“, damit es nicht zu Zusammenstößen zwischen Radfahrern und Fußgängern kommt. Damit die Beschilderung vor dem Hauptbahnhof für die Verkehrsteilnehmer auch künftig nachvollziehbar bleibt und aufgrund des neuen Übergangs nicht ständig wechselt, werde dies jetzt auf der ganzen Strecke vereinheitlicht, so das Amt.

    Seit 2012 hatten verschiedenste Fraktionen im Stadtrat immer wieder eine Änderung dieser Situation gefordert, die für Frust bei Radfahrern und Verunsicherung bei Fußgängern sorgt. Immer wieder war gefordert worden, den Radweg farblich hervorzuheben, damit die Fußgänger wissen, wo er verläuft. Aber das wies die Stadtverwaltung mit Verweis auf die optische Beeinträchtigung des Hauptbahnhofs immer ab.

    2014 formulierte dann das Verkehrsdezernat seine endgültige Position: „Weitere Verbesserungen wären nur durch generelle Umbauten zu erzielen (Radfahrerführung auf einem Radstreifen in den heutigen Fahrspuren, der Fußgänger wartet an der Gehwegkante), die aber Umgestaltungen im gesamten Bereich des Hauptbahnhofes, des Promenadenringes mit allen Signalanlagen zur Folge hätten (hätte auch Auswirkungen auf den dichten Straßenbahnverkehr und die Koordinierung des Kfz-Verkehrs). Das Thema wurde im Workshop im Rahmen des Bürgerwettbewerbs ‚Ideen für den Stadtverkehr‘ zur ‚Zukünftigen Gestaltung des Promenadenrings‘ diskutiert und der heutige Zustand auch von der auswärtigen Fachkompetenz als akzeptable Lösung eingeschätzt.“

    Damit einhergehend werde nun – um mögliche Unfälle und Konflikte zu vermeiden – für diesen Fahrbahnabschnitt ein Radfahrverbot auf dem Ring angewiesen, so das Verkehrs- und Tiefbauamt. Hintergrund sei, dass das Verkehrszeichen „Gehweg/Radfahrer frei“ keine Benutzungspflicht für Radfahrer vorschreibt und diese auf die Fahrbahn vor dem Hauptbahnhof ausweichen könnten. Dazu hatte jedoch die Polizeidirektion enorme Sicherheitsbedenken angemeldet.

    Aber mittlerweile hat ja das Verkehrsdezernat auch erklärt, wie sie das unrechtmäßige Radfahrverbot auf dem Ring endlich beenden will. Im ersten Schritt sollen ja ab März 2020 einige Abschnitte auf der Westseite des Promenadenringes für den Radverkehr geöffnet werden.

    Und perspektivisch muss die Stadt das Radfahrverbot auch vor dem Hauptbahnhof aufheben. Geplant ist hier die Anlage eine separaten Radfahrstreifens auf der Fahrbahn. Die unfertige Lösung auf dem jetzigen Geh-/Radweg kann nur eine Übergangslösung sein.

    Linke beantragen Piktogramme für den Radweg vorm Hauptbahnhof

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    7 KOMMENTARE

    1. Mindestgeschwindigkeit bedeutet übrigens nur, dass man – so es der Verkehr zulässt – diese Geschwindigkeit fahren muss. Da man mit einem Rad auch >40km/h fahren kann und der Verkehrsfluss oftmals keine so hohen Geschwindigkeiten erlaubte, gab es defacto kein Radfahrverbot.

    2. 2012 kochte es hoch, weil im Rahmen des Bürgerwettbewerbs „Ideen für den Stadtverkehr“ auch mögliche Lösungen präsentiert wurden. Das Radfahrverbot selbst wurde im November 2010 nach längerer medialer Schlammschlacht (seit 2009) umgesetzt.
      Die Diskussion um das Radfahrverbot auf dem Promenadenring beschäftigt die Stadtgesellschaft aber schon seit Februar 1975.
      Zu den Raddemos im April (seit 1990) ging es stets um das Radfahren auf dem Promenadenring.

    3. Die Situation ist schon bescheiden vor dem Hbf; da „erhöht sich an der Sicherheit“ gar nix, wenn man den Radlern das Befahren des Rings untersagt. Zumal dies ja maximal eine Übergangslösung ist.
      Schon 2012/2014 war amtlich bekannt, dass dies so nicht weitergehen kann.

      Wann wird endlich eine tragfähige Gesamtlösung präsentiert, Herr Klima-OBM??
      Wann wird endlich mal entschieden, anstatt ständig nur festzustellen, abzuwarten, zu delegieren oder auszusitzen?

      Die Lösung kann eigentlich nur darin münden, eine Autospur zugunsten dem ÖPNV sowie ökologischem Verkehr zu verwenden.
      Ein Problem könnte die Widmung als B87 sein, wie schon leidlich in der Jahnallee bekannt…

    4. Zitat: „2014 formulierte dann das Verkehrsdezernat seine endgültige Position: ‚Weitere Verbesserungen wären nur durch generelle Umbauten zu erzielen (Radfahrerführung auf einem Radstreifen in den heutigen Fahrspuren, der Fußgänger wartet an der Gehwegkante), die aber Umgestaltungen im gesamten Bereich des Hauptbahnhofes, des Promenadenringes mit allen Signalanlagen zur Folge hätten‘ “
      Obige Aussage ist natürlich Quatsch. Da müssen keine Ampelmasten versetzt werden, die Ampeln stehen schon heute rechts vom Radweg, sonst wären diese für Radfahrer gar nicht gültig. Anstelle unschöner quietschbunter Farben den Radweg punktuell statt mit Pflastersteinen mit grauem Asphalt belegen und weiße Piktogramme drauf. Fertig wäre die Lösung. Ich wette, der zukünftig neue dritte Ampelmast wird aber laut Plan wohl nicht mehr rechtsseitig vom dann ehemaligen Radweg zu stehen kommen sollen. Burkhard, so wird das nichts mit meiner Stimme.

    5. Und daran wird auch der offizielle Klimanotstand nix ändern. Das ist nur quasireligiöses Opium fürs Volk, das ein bißchen bemäntelt, daß man feste weitermacht wie immer.
      Und konkret: Hier zeigen uns die Verkehrsplaner den Stinkefinger.

    6. Ich kann Uwe nur beipflichten. Es fehlen mir langsam wirklich die Worte für den ganzen Murks und Pfusch, der in Leipzig unter dem Label „Radförderung“ verkauft wird. Zum Glück fahren viele trotzdem Rad, aber nicht wegen, sondern trotz der miserablen Infrastruktur.

    7. Die Kombination „Radfahren auf der Straße verboten“ und „Radfahren auf dem Fußweg nur in Schrittgeschwindigkeit“ kann man als Radfahrer nur verstehen als: „Wir wollen hier keine Radfahrer! Verpisst euch!!!“ So kennen wir die Verkehrsplaner in Leipzig!

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