Eine Debatte um den Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan für den Wilhelm-Leuschner-Platz gab es am 5. Juli in der Ratsversammlung dann doch noch. Auch, weil eben viele Dinge doch noch nicht geklärt waren. Oder unterwegs abgewiegelt wurden und nach wie vor Bürgerproteste hervorrufen – wie auch am 5. Juli wieder vorm Neuen Rathaus. Aber Spielraume, nun doch noch viel Grün zu erhalten, gab es kaum noch.

Es wurde emsig diskutiert über Dichte der Bebauung, Baukanten, Solarflächen und Fassadenbegrünung. Aber wenn nach den dreizehn Jahren, in denen jetzt an der Bebauung auf dem östlichen Teil des Platzes gepfriemelt und geschraubt wurde, etwas klar wurde, dann das: Es gibt so gut wie keinen Spielraum zum Erhalt des in den vergangenen Jahrzehnten gewachsenen Grüns. Auch nicht für die wertvollen Bäume am ehemaligen Bowlingtreff.

Denn hier würde, so erklärte Baubürgermeister Thomas Dienberg, ein Raum von 3.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche für das Forum Recht und dieJuristische Fakultiät, die hie entstehen sollen, verloren gehen. Und es sei nicht damit zu rechnen, dass der Bauherr darauf verzichten möchte.

Vorlage zum Bebauungsplan für den Wilhelm-Leuschner-Platz.

Trotzdem war diese Stadtratssitzung noch einmal ein Kräftemessen. Auch ein Schulterklopfen, wie FDP-Stadtrat Sven Morlok und Linke-Stadträtin Franziska Riekewald noch einmal deutlich machten, denn dass trotzdem wieder ein Anteil an Wohnfläche im B-Plan enthalten ist, das hat der Stadtrat der Verwaltung abgerungen. Auch, dass es eine größere Freifläche mit Spielplatz geben wird und damit doch ein bisschen Freiraum zwischen der großen Bebauung. Und auch, dass Platz für Volkshochschule und Musikschule entstand, verdanke sich dem Stadtrat, so Morlok. Der sich dagegen ausgesprochen hatte, dass hier ein neuer Verwaltungssitz entsteht.

Beschlossen: Die Straße vor der Stadtbibliothek wird entwidmet

Der Grünen-Änderungsantrag war noch einmal ein letzter Versuch, mehr Grün auf dem Platz zu erhalten – fand aber auch an diesem Tag keine Mehrheit, obgleich Grünen-Stadtrat Jürgen Kasek vehement dafür kämpfte.

Aber zwei Antragspunkte der Grünen übernahm Burkhard Jung in die Vorlage der Stadt, weil man darin keinen Dissens sah: „Der Oberbürgermeister wird beauftragt, darauf hinzuwirken, dass die noch zu planenden Gebäude im Plangebiet unter Einsatz kreislauffähiger sowie nachhaltiger Baustoffe nach höchsten Standards des nachhaltigen Bauens sowie nach den Prinzipien des Animal Aided Designs realisiert werden“, war der eine.

Der andere schafft sogar mehr Aufenthaltsqualität und könnte dem Platz auf der westlichen Seite richtig guttun: „Der Oberbürgermeister wird beauftragt, den unmittelbar an das Plangebiet angrenzenden Straßenabschnitt vor der Stadtbibliothek zu entwidmen und in der Freiflächenplanung zu berücksichtigen.“

Die anderen Antragspunkte der Grünen wurden abgelehnt. Die Änderungsanträge der Linksfraktion wurden von der Stadtratsmehrheit akzeptiert.

Sie lauten: „Beim Freiflächengestaltungswettbewerb wird ein besonderer Fokus auf die Verwendung von nicht-invasiven und biodiversitätsfördernden Pflanzenarten gelegt. Nicht heimische oder gar invasive Arten sind zu vermeiden.“

Und: „Das Artenvielfaltskonzept wird so angepasst, dass bei Anpflanzungen hauptsächlich auf nicht-invasive und biodiversitätsfördernde Pflanzenarten zurückgegriffen wird. Wenig biodiversitätsfördernde oder gar invasive Arten sind zu vermeiden. Eine entsprechende Pflanzliste wird mit anerkannten Umweltverbänden abgestimmt.“

Und dann ging es nur noch um die Gesamtvorlage, die mit 42:8 Stimmen bei drei Enthaltungen eine klare Zustimmung erhielt, sodass dieser Tag – wie Sven Morlok es ausdrückte – tatsächlich der Startschuss war für die Bebauung am Wilhelm-Leuschner-Platz, die mit dem Leibniz Institut für Länderkunde noch in diesem Jahr beginnen soll.

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