DLRG Leipzig: Wasserrettung in einiger Not

Wer schon einmal an der Ostsee war, wird sie vielleicht schon einmal auf ihren Rettungstürmen gesehen haben. Leute der DLRG, der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft. Aber was macht die Gesellschaft neben dem Bewachen von Stränden noch? Birgit Grunewald sprach mit Thomas Naumann und Mike Strauß des Stadtverbandes hier in Leipzig.
Anzeige

Ich habe in letzter Zeit verschiedene Variationen gelesen. Und bevor ich es falsch ausspreche, möchte ich vorher gern wissen: Heißt es der, die oder das DLRG?

Thomas: Die DLRG. Die Abkürzung steht für Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft. Wir sind die größte ehrenamtliche Wasserrettungsorganisation in Deutschland und tragen dazu bei, die Sicherheit der Menschen im, am und auf dem Wasser zu gewährleisten.

Die meisten bringen die DLRG mit Rettungsschwimmern in Verbindung. Wo trifft man denn die DLRG überall?

Mike: Generell überall wo es Wasser in Deutschland gibt, größtenteils jedoch an der Küste. An der Ost- und an der Nordsee betreibt die DLRG ihren Rettungswachdienst in der warmen Jahreszeit . Weiterhin trifft man uns im Bäderbetrieb z. B. in Freibädern. Überall dort sind unsere ehrenamtliche Rettungsschwimmer im Einsatz. Dann sind wir noch als Absicherung bei Veranstaltungen am Wasser tätig und natürlich auch im Katastrophenfall wie zum Beispiel bei Hochwasser.

Vom Sächsischen Staatsministerium für Inneres wird momentan ein Simulationsprogramm mit dem Namen SAFER getestet. Dies simuliert Katastrophenfälle für Rettungsdienste. Habt Ihr davon mal gehört oder habt ihr schon Erfahrung damit?

Thomas: Das Simulationsprogramm ist für die Weiterbildung von Führungskräften vorgesehen, die damit an unterschiedlichsten Einsatzszenarien trainieren können. Das ist sicher eine tolle Sache, aber wir sind damit noch nicht in Berührung gekommen.
Wo wir bei der Frage wären, wie im Katastrophenfall zum Beispiel in Sachsen vorgegangen wird.

Mike: Die Grundlagen für einen funktionierenden Katastrophenschutz werden durch das Sächsische Staatsministerium des Innern und die Landesdirektion geschaffen. Diese sorgen dafür, dass die entsprechenden Einheiten aufgestellt und ausgerüstet werden. Im Fall einer Großschadenslage ist es Aufgabe der betroffenen Gemeinde, Katastrophenalarm auszulösen.

Thomas: Zuständig ist der jeweilige Bürgermeister oder Landrat bzw. die örtliche untere Katastrophenschutzbehörde. In Leipzig ist das die Branddirektion. Deren Aufgabe ist dann die Bildung einer Technischen Einsatzleitung, zu der Vertreter der mitwirkenden Bereiche hinzugezogen werden. Bei Hochwasser beispielsweise würden wir einen Fachberater Wasserrettung dorthin entsenden. Die TEL koordiniert dann den Einsatz, indem sie den einzelnen Einheiten Einsatzorte und Aufgaben zuweist.

Gibt es die DLRG in allen Bundesländern?

Thomas: Die DLRG gibt es überall in Deutschland. In den alten Bundesländern sind wir besonders stark vertreten. Wir wurden ursprünglich 1913 hier in Leipzig gegründet. Entsprechend steht unser 100-jähriges Jubiläum unmittelbar vor der Türe. Der Gründungsgrund für die DLRG war ein Unglück 1912 in Binz, bei dem 17 Menschen ums Leben kamen. Seit unser Gründung sind die Ertrinkungszahlen massiv zurückgegangen. Von ehemals 8000 auf mittlerweile ca. 450 pro Jahr. Im Zweiten Weltkrieg wurde wie alles andere auch, die DLRG gleichgeschaltet.

Unmittelbar nach dem Krieg wurden alle Vereine von den Siegermächten verboten und in den Ostsektoren blieb das auch so. Es gab keine DLRG in der DDR. In den alten Bundesländern wurde sie aber wieder zugelassen, deshalb haben diese Bundesländer 40 Jahre Vorsprung. Hier konnte sich die DLRG über fast 100 Jahre ohne Unterbrechung entwickeln. Uns hier als Stadtverband Leipzig gibt es erst seit 1993 wieder. Somit feiern wir nächstes Jahr einen doppelten Geburtstag, zum einen unseren 20-jährigen als Stadtverband und den 100-jährigen! Die DLRG ist in den neuen Bundesländern schwächer vertreten als in den alten. Die einzelnen DLRG- Gliederungen in den Bundesländern und Städten sind selbstständige Vereine.
Was sind die Aufgaben der DLRG neben der Wasserrettung?

Thomas: Die DLRG bietet verschiedene Ausbildungen die alle unmittelbar mit dem Wasser zusammenhängen wie z. B. die Schwimm- Rettungsschwimmausbildung, Sanitätsausbildung und Erste-Hilfe Kurse. Weiterhin gibt es auch noch die Kinder- und Jugendarbeit sowie den Katastrophenschutz und unsere Wettkampfschwimmer. Obwohl wir als Stadtverband Leipzig ein kleiner Verein sind, so sind wir doch sehr stolz drauf, dass wir alle Sparten der DLRG anbieten können.

Gibt es in Leipzig an den neu entstehenden Seen eigentlich die DLRG?

Thomas: Wir wünschen uns, dass die Gemeinden erkennen, dass es einen Vorteil für ihre Bevölkerung bietet, bewachte Badezonen einzurichten. Es würde gerade für die zahlreichen Familien, die Gegend reizvoller machen den kühlenden Familienspaß an einem bewachten „Strand“ zu genießen! Gerne würden wir in Zusammenarbeit mit den Gemeinden einen Wasserrettungsdienst organisieren.

Bei den vielen Aufgaben, die Ihr begleitet, stellt sich die Frage, wie sich das alles eigentlich finanziert?

Thomas: Die Finanzierung setzt sich zusammen aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden, Einnahmen für unsere Kursangebote wie zum Beispiel Rettungsschwimmkurse oder Erste-Hilfe-Kurse und andere. Hinzu kommen Einnahmen aus dem Wasserrettungsdienst und für die Absicherung von Veranstaltungen. Dabei wird oft von uns erwartet, dass wir kostenlos tätig werden.

Mike: Dass unser Motorrettungsboot, die Tauchtechnik oder das Zugfahrzeug gewartet und repariert werden müssen, wir Treibstoff, Miete oder Anschaffungen zu bezahlen haben, wird gerne mal übersehen.
Wie steht es momentan um Euren personellen Aspekt? Hat die DLRG genug Mitglieder in Leipzig?

Thomas: Der personelle Aspekt ist wahrhaftig eine große Herausforderung für uns. Wir haben ständig Personalmangel. Vormals konnten junge Leute bei uns den Wehrersatzdienst leisten, diese sind dann oftmals dabeigeblieben, weil es ja auch jede Menge Spaß macht. Mit Wegfall der Wehrpflicht ist diese Quelle jedoch versiegt.

Mike: Wir brauchen dringend Mitglieder, die aktiv mitwirken. Diese sollten auch die Bereitschaft mitbringen, sich ausbilden und weiterbilden zu lassen. Wir brauchen Spezialisten in den einzelnen Bereichen wie Einsatztaucher, Bootsführer, Rettungsschwimmer, Signalleute, Funker, Sanitäter oder auch Kraftfahrer. Also alle, die auch im Katastrophenschutz tätig sind. Vor allem aber Rettungsschwimmer!

Welche Aufgabe habt Ihr beiden eigentlich in der DLRG hier im Stadtverband Leipzig?

Thomas: Ich bin der Technische Leiter und dafür zuständig, dass wir als Katastrophenschutzeinheit funktionieren und uns auch weiterentwickeln. Mein Aufgabengebiet habe ich untergliedert in die Ressorts Rettungsschwimmausbildung, Wasserrettungsdienst, Technik, Tauchen, Ausbildung und Medizin. Für jedes Ressort gibt es einen Verantwortlichen. Das klappt sehr gut, meine Jungs sind fähig und haben ihre Bereiche im Griff. Mike ist der Technikwart, wobei er sich weit darüber hinaus engagiert und mittlerweile meine Rechte Hand geworden ist.

Mike: Thomas ist unser „Verbindungsmann“ zur Branddirektion Leipzig. Er plant die Ausbildungen und die Einsätze, aber das muss er jetzt nicht mehr alleine machen.

Wie können denn die Leute zu Euch kommen und bei Euch tätig werden?

Mike: Am Besten per Kontaktformular über unsere Internetseite dlrg-leipzig.de melden. Natürlich können Schnellentschlossene auch gleich dort das Antragsformular ausdrucken, ausfüllen und uns per Post zusenden. Dann bekommen sie von uns Vorschläge, wie Sie bei uns tätig werden können und was ihren Interessen am ehesten entspricht.
Ihr habt jetzt immer mal den Bereich Jugend angesprochen. Was kann man sich darunter vorstellen?

Thomas: Die DLRG-Jugend ist bei uns unter Führung eines eigenen Jugendvorstands weitestgehend sebstständig. Unseren Jugendlichen und Kinder bieten wir eine gute vereinsorientierte Jugendarbeit zum Beispiel Sommerlager oder Jugendtreffen an. Natürlich kommt auch hier der Ausbildungsaspekt nicht zu kurz. Wir hoffen, dass viele Jugendliche die einmal „DLRG-Luft“ geschnuppert haben, uns auch später in der Wasserrettung unterstützen. In den Bereich der Jugend fällt auch das Anfängerschwimmen,die verschiedenen Trainingsgruppen sowie die Wettkampfmannschaft.

Gibt es eigentlich momentan Erhebungen wie es mit der „Schwimmfertigkeit“ der Kinder aussieht?

Thomas: Unser Bundesverband beklagt die Gefahren, die durch fortwährende Bäderschließungen entstehen: die wachsende Zahl der Nichtschwimmer und die allgemein verminderten Schwimmfertigkeiten in der Bevölkerung. Mit der Folge, dass langfristig gesehen, die Ertrinkungszahlen wieder nach oben gehen werden.

Mike: Jede Schwimmhalle die wegfällt, reißt ein großes Loch in unser Ausbildungsangebot. Auch in unserer Stadt sind die Schwimmhallenzeiten schon ein knappes Gut geworden, aber wir hoffen, dass die Stadtväter die Situation erkennen und die richtigen Weichen stellen.

Gibt es noch irgendetwas, was für Euch und die DLRG sehr wichtig ist? Was Ihr gern umsetzen wollt?

Mike: Meine Priorisierung ist neben der Technik, den Bekanntheitsgrad unserer Hilfsorganisation zu steigern. Wenn man in die Stadt geht und fragt einen Passanten: „Kennen Sie die vier Buchstaben DLRG?“, sagen die meisten „Nein. Was ist das? Ist das was zu essen?“ (lacht) Wenn ich dann den Sinn und Zweck erkläre, wofür die DLRG steht kommt häufig die Frage: „Was ist denn das?“ Hier sehe ich noch eine große Herausforderung in der Öffentlichkeitsarbeit für uns. Wir freuen uns auf das Jubiläum im nächsten Jahr. Wir haben vor, mit einer kleinen Werbeaktion in Leipzig auf uns aufmerksam zu machen. Unser Stadtverband hat nur wenige Mitglieder im Vergleich zu anderen Ortsgruppen. Wir haben momentan ca. 200 Mitglieder, für eine Stadt unserer Größe sollten es mindestens 3 mal so viele sein.

Thomas: Unser Bekanntheitsgrad ist in der Tat noch zu gering. Leipzig bietet jede Menge Möglichkeiten zum Zeitvertreib. Wir stehen da im Wettbewerb. Aber bei uns kann man dem Zeitvertreib auch einen Sinn geben. Und der Spaß kommt definitiv nicht zu kurz.. Wenn das alle wüssten, würden sie uns die Bude einrennen. Man muss aber auch einen gewissen Enthusiasmus mitbringen. Natürlich gibt es auch negative Momente und belastende Einsätze, aber am Ende werden die durch die Kameradschaft getragen und das Positive obsiegt.

Gibt es noch etwas anderes, was Euch auf dem Herzen liegt?

Thomas: Wir sind hier in unserem Vereinsobjekt ein bisschen auf dem Pulverfass. Irgendwann werden wir einem Neubau weichen müssen. Deswegen halten wir auch Ausschau nach einem anderen Standort. Dieser sollte schon zentral gelegen sein, damit es für unsere Jugendgruppe mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist. Dann brauchen wir einen Lagerraum, ein Büro sowie einen Schulungsraum und eine Möglichkeit, wo unsere Technik und Fahrzeuge sicher untergebracht sind.

Mike: Vielleicht bietet sich ja über die Leser dieses Artikels eine Möglichkeit! Das wäre super.

Ich danke Euch für das umfangreiche Interview und wünsche Euch alles Gute bei Eurer Arbeit und steigende Mitgliederzahlen. Danke.

dlrg-leipzig.de


Print Friendly, PDF & Email
 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr


Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Der Corona-Kompass: Das richtige Buch zu einer aufgeregten Debatte
Prof. Alexander Kekulé: Der Corona-Kompass. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserAlexander Kekulé ist Inhaber des Lehrstuhls für Medizinische Mikrobiologie und Virologie an der Martin-Luther-Universität Halle und seit Beginn der Corona-Pandemie so etwas wie der Corona-Experte aus Mitteldeutschland geworden. Und die deutsche Politik wäre gar nicht so schlecht beraten, wenn sie auf Wissenschaftler wie Kekulé hören würde. Denn so manches, was jetzt das halbe Land lahmlegt, wäre vermeidbar gewesen. Und das Coronavirus wird uns auch 2021 nicht einfach verlassen.
Freitag, der 4. Dezember 2020: Minister-Entlassung, LWB-Rückzug und Ossi-Bashing
Die beiden Noch-LWB-Geschäftsführerinnen Ute Schäfer (r.) und Iris Wolke-Haupt (sowie zwei Politiker). Archivfoto: L-IZ.de

Archivfoto: L-IZ.de

Für alle LeserSo viel Aufregung am letzten Werktag der Woche (und heute deshalb mal ohne Corona-Zahlen): In Sachsen-Anhalt muss der Innenminister seinen Posten räumen, in Leipzig wollen die Geschäftsführerinnen der LWB dies freiwillig tun und in Bautzen empört man sich über einen Medienbeitrag. Außerdem: Ein Maskenverweigerer attackierte offenbar die Polizei. Die L-IZ fasst zusammen, was am Freitag, den 4. Dezember 2020, in Leipzig und darüber hinaus wichtig war.
Haltungsnote: Hipp, hipp, hurra, der Veggie-Day war da!
Autor, Leipziger und Kolumnist David Gray. Foto: Erik Weiss Berlin

Foto: Erik Weiss Berlin

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 85, seit 20. November im HandelEigentlich hätte ich vor einigen Tagen mit ein paar tausend anderen Menschen in einem Stadion stehen und den Ärzten zujubeln sollen. Corona hat mir das versaut. Dafür hat Joe Biden kürzlich die Wahl in den USA gewonnen. Ich sah auf Twitter zu wie fröhliche Mobs durch die Straßen New York Citys zogen und „Ding, dong, the witch is dead“ grölten. Wobei mir es im Tippfinger kribbelte.
Grüne beantragen eigenständige Stabsstelle zur Organisation der Hilfen zur Erziehung in Leipzig
Amt für Jugend, Familie und Bildung. Foto: Marko Hofmann

Foto: Marko Hofmann

Für alle LeserSeit Jahren geht das nun so: Jahr für Jahr steigen die Betreuungszahlen in der Jugendhilfe. Noch viel stärker steigen die Kosten. Und irgendwie bekommt das zuständige Amt die Entwicklung nicht in den Griff. Anlass für die Grünenfraktion im Stadtrat, jetzt direkt einen Antrag zur Amtsstruktur zu stellen. Denn irgendwer muss doch endlich mal für die Koordination der Hilfen die Verantwortung übernehmen.
Biologische Vielfalt: Wie Vogelgezwitscher die Menschen erst glücklich macht
Auch die Kohlmeise (Parus major) trägt dazu bei: Laut Studie steigern zehn Prozent mehr Vogelarten im Umfeld das Glücksempfinden mindestens genauso stark wie ein vergleichbarer Einkommenszuwachs. Foto: Stefan Bernhardt

Foto: Stefan Bernhardt

Für alle LeserEs wird zwar endlich intensiver darüber diskutiert, wie man die biologische Diversität, also den Reichtum der Lebensgemeinschaften auf unserem Planeten retten kann. Aber dass der Reichtum der Natur auch eine wesentliche Voraussetzung dafür ist, dass Menschen glücklich sind, war bislang kaum Thema. Dabei empfinden wir Menschen sehr genau, ob unsere Umwelt intakt ist. Das thematisiert jetzt auch das iDiV.
Planverfahren soll klären: Platzfläche zubauen oder mehr Grün an der Prager Straße?
Der kleine Platz zwischen Johannisgasse und Prager Straße. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle Leser2019 wurde schon einmal kurz diskutiert zu dem, was die Verwaltung südlicher Johannisplatz nennt. Dabei geht es um die bislang nur mit einem Bratwurstkiosk bebaute Dreiecksfläche zwischen Johannisgasse und Prager Straße. Aber unklar ist, ob die Platzfläche nun zugebaut werden soll oder zum grünen Stadtplatz wird. Über die städtebauliche Zukunft des 1.200 Quadratmeter großen südlichen Teils des Johannisplatzes soll anhand eines Bebauungsplanes entschieden werden.
Gastkommentar von Christian Wolff: „Er kniet“ – Willy Brandts Kniefall in Warschau
Christian Wolff war bis 2014 Pfarrer in der Leipziger Thomaskirche. Foto: privat

Foto: privat

KommentarEgon Bahr (1922–2015), engster Mitarbeiter von Willy Brandt (1913–1992), konnte ihn damals nicht sehen, den Kniefall von Warschau vor 50 Jahren am 7. Dezember 1970. In seinen Erinnerungen (Egon Bahr, „Das musst du erzählen“. Erinnerungen an Willy Brandt, Berlin 2013) notiert er: „… vor uns eine Wand von Journalisten, als es plötzlich still wurde. Auf die Frage, was denn los sei, zischte einer: ‚Er kniet.‘“ (Seite 105)
Wenn Falschparker nicht abgeschleppt werden und sich für schwächere Verkehrsteilnehmer nichts bessert
Zugeparkt - in Leipzig auch immer öfter gern zweireihig, wie hier in der Gottschedstraße. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEs war kein ganz zufälliges Zusammentreffen, dass am 2. Dezember eine Einwohneranfrage mit dem Titel „Wer will die Verkehrswende?“ im Ratsinformationssystem der Stadt auftauchte und gleich am 3. Dezember die Vorlage des OBM, den Stadtratsbeschluss vom 7. Oktober „Abschleppen von verkehrsbehindernd geparkten Kraftfahrzeugen“ aufzuheben. Mit der Vorlage folgt OBM Burkhard Jung lediglich dem Bescheid der Landesdirektion Sachsen. Aber genau das spricht Bände.
Corona-Hotspot Sachsen: Hasenfüßige Landräte und ein Brief an den OBM
Die aktuelle Kampagne der Stadt: Maske auf und durch. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserIn Sachsen ist in den vergangenen Wochen gewaltig etwas schiefgegangen. Schon am 11. November warnte die Landesärztekammer „Corona-Pandemie: Notmaßnahmen in der zweiten Welle bei weitem nicht ausreichend“. Am 13. November appellierte Sozialministerin Petra Köpping an Ärzte im Ruhestand, sich reaktivieren zu lassen. Nur Leipzig scheint seitdem noch einigermaßen die Zahlen im Griff zu haben. Aber auch hier herrscht zuweilen eine beängstigende Sorglosigkeit, stellt der Brief eines Leipzigers an den OBM fest.
Urzeitinseln voller Leben: Die ganze Welt des Europasaurus und seiner Zeitgenossen in einem reich bebilderten Buch
Einblick in die neue Graphic Novel zu Europasaurus. Foto: Joschua Knüppe

Foto: Joschua Knüppe

Für alle LeserBeim Stichwort Saurier denkt man fast immer nur an die späten Dinosaurier und ihr spektakuläres Ende nach dem Kometeneinschlag vor 66 Millionen Jahren. Dabei beherrschten die Saurier aller Arten die Erde schon vor 235 Millionen Jahren. Das sind – verglichen mit der so von sich eingenommenen Menschheit – ungeheure Zeiträume. Mittendrin – vor 154 Millionen Jahren – lebte der Europasaurus, dessen Welt jetzt ein reich bebildertes Buch vorstellt.
Donnerstag, der 3. Dezember 2020: Leipzig knackt die bisherige Corona-Rekordmarke
Trübe Aussichten in Leipzig. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserEs ist ein Rekord, aber kein Grund zum Feiern: Mit 216 neuen Infektionen innerhalb eines Tages hat Leipzig eine neue Höchstmarke seit Beginn der Corona-Pandemie erreicht. Generell zeigt die Kurve in Sachsen weiterhin steil nach oben. Diskussionen über Lockdown, Wirtschaft und Schulen dauern an. Außerdem: Ein Waffen hortender KSK-Soldat darf die U-Haft verlassen. Die L-IZ fasst zusammen, was am Donnerstag, den 3. Dezember 2020, in Leipzig und Sachsen wichtig war.
„Italienische Wassertemperaturen“ in der Rappbodetalsperre
Wasserwerk in Wienrode. Foto: Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz

Foto: Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz

Für alle LeserDie Botschaft ist angekommen: Wenn unser Klima sich weiter aufheizt, müssen sich auch die Unternehmen etwas einfallen lassen, die unser Trinkwasser bereitstellen. Auch jene, die den Süden Sachsen-Anhalts versorgen – wie die Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz. Denn das dortige Trinkwasser kommt aus der Rappbodetalsperre, die sich möglicherweise aufheizen könnte wie der Gardasee in Italien.
LVB sollen ab 2021 über 60 Millionen Euro Finanzierung durch die L-Gruppe bekommen
Straßenbahn an der Haltestelle Wilhelm-Leuschner-Platz. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEile tut Not. Und Corona hat alles durcheinandergebracht. Da konnte man glattweg vergessen, dass der Stadtrat 2018 beschlossen hat, die Finanzierung der Leipziger Verkehrsbetriebe endlich wieder den realen Bedürfnissen anzupassen. Doch festgelegt wurden die neuen Zuschüsse nur für die Jahre 2019/2020. Damit die LVB 2021 nicht im Regen stehen, braucht es jetzt einen schnellen neuen Beschluss.
Premiere für „Il trovatore“: Die Oper Leipzig streamt am 6. Dezember 2020 zum ersten Mal live
Il Trovatore. Foto: Oper Leipzig, Kerstin Nijhof

Foto: Oper Leipzig, Kerstin Nijhof

Für alle LeserDen „Lohengrin“ gab es noch ganz knapp kurz vor Verhängung des zweiten Lockdowns im Opernhaus Leipzig. Aber „Il trovatore“ hat der rigide Besucherstopp komplett erwischt. Da wählt auch die Oper Leipzig jetzt lieber den Weg, die Premiere online zu feiern, sonst ist ja die ganze Mühe für die Inszenierung regelrecht für die Katz. Gestreamt wird die Premiere live am Nikolaustag, dem 6. Dezember.
Fahrgastverband PRO BAHN fordert echten Einsatz zur Revitalisierung von Bahnstrecken
Ein gut ausgebautes Schienennetz ist das Rückgrat der Verkehrswende. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDie Verkehrszukunft – auch im Sachsen – kann nicht einfach nur aus Autos bestehen. Seit 1990 wurden ganze Regionen vom Schienennetz der Bahn abgeklemmt. Dort ist ein Leben ohne eigenes Autos kaum noch denkbar. Aber wo bleiben die sächsischen Vorschläge zur Wiederbelebung wichtiger Strecken? Der Fahrgastverband PRO BAHN ist verwundert über das Schweigen in Sachsen. Denn anderswo wird längst wieder geplant.