Thomas „Kuno“ Kumbernuß im langen L-IZ-Interview (Teil 1): Aktion „Seitenwechsel“ bei LEGIDA – Das Original

Sind sie ernst zu nehmen oder nicht? Das mag sich der eine oder andere durchaus gefragt haben, als Thomas (Kuno) Kumbernuß, Uwe Brückner und ihre Mitstreiter der Partei „Die Partei“ „LEGIDA“ gründeten und vor der Oper begannen „Bier trinkt das Volk“ zu skandieren. Das vermeintliche Original „Legida“ wusste lange nicht mit der Humorattacke der Ethanolfreunde umzugehen, denn das Lachen liegt den Islamfeinden denkbar fern. Wo der Teutone wiederaufersteht, ist heiliger Ernst angesagt. Der satirische Konter jedoch entfaltete in den vergangenen Wochen ungewöhnliche Kräfte und zieht immer mehr Teilnehmer an.
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Zuletzt immerhin am Ende knapp 1.000 Menschen, welche sich auf dem Augustusplatz sammelten, um neben ihrem Protest gegen Legida auf der anderen Seite auch „LEGIDA – Das Original“ am Mendebrunnen zu unterstützen. Denn Kumbernuß und Gefährten bieten etwas, das für Obrigkeit und Obrigkeitsgläubige gleichermaßen pures Gift sein kann: Satire. Längst tauchen auch auf den Gegenprotesten zu „Legida“ in Leipzig Superhelden von Spiderman bis Flash Gordon auf, werden Schilder emporgehalten, auf denen steht „Wegen Euch weint das Einhorn“ und „Das B in Pegida kommt von Bildung“. Spott, Satire und Jux gegen die spaßbefreite Zone bei den Abendlandrettern wird zunehmend beliebter, „LEGIDA – Das Original“ begannen als Erste damit. Ganz so, als ob es für sie gar keinen anderen Weg als die Satire gäbe, waren von Beginn an „Legida“-Themen im Hohlspiegel bei der Partei „Die PARTEI“ präsent.

Seit der ersten „Legida“-Demonstration am 12. Januar waren sie präsent. Da noch mit einer Demonstration „Gegen Wind“ vor Ort, haben den Spaß dem bitteren Ernst einer Vereinigung entgegengehalten, welche sich gedanklich längst im AfD-Umfeld und noch weiter Rechts verorten lässt. So ist heute die Beteiligung von NPD-Mitgliedern, einem gewissen Rechtsanwalt und der neuen rechten Splitterpartei „Die Rechte“ nicht mehr wegzudiskutieren. Was die anfangs auch stärker betonten sozialen Themen bei „Legida“ rasch verblassen und in den Hintergrund treten ließ.

Thomas "Kuno" Kumbernuß (links). Ein Spaßvogel? Nicht nur. Foto: L-IZ.de

Thomas „Kuno“ Kumbernuß (links). Ein Spaßvogel? Nicht nur. Foto: L-IZ.de

Die entsprechende Satire seitens „LEGIDA-Das Original“ entstand wohl auch, weil nach vielen frühzeitigen Versuchen bereits 2014 auch im Netz klargeworden ist: Mit Menschen, die in allem entweder eine Weltverschwörung entdecken, die Presse hassen (aber die BILD zitieren) und auf jede Nachfrage in Kampfhaltung verfallen, ist nicht nur schlecht Kirschen essen – auch die Debatte verliert sich nahezu immer in der Wirrnis mitgebrachten Vorurteilen, fehlendem Faktenwissen und einer großen Portion „Meinung“. Eine Frage auch immer, welchem Menschenbild man anhängt – dem des zuchtmeisterlichen Ordnungs- und Disziplinprinzips oder der liberalen Haltung einer offenen Neugier gegenüber „dem Fremden“ und dem Willen ein eigenes Leben zu gestalten.

Erkannt haben diesen Widerspruch wohl vor allem die zuerst, welche Hasen an Kreuze zu nageln verstehen und mit „Bier trinkt das Volk“ den „Volksanspruch“ der mittlerweile 600 bis 800 Legida-Demonstranten auf der Straße zu karikieren wussten. Nun wollen sie eben diesen Volks-Anspruch von „Legida“ abschließend infrage stellen.

Sie wollen seit Wochen endlich ihren einst angestammten Platz vor der Leipziger Oper wieder. Thomas (Kuno) Kumbernuß von „LEGIDA-Das Original“ im Gespräch mit L-IZ.de zum Thema „Seitenwechsel“.

Was bitte soll eigentlich der seit dieser Woche Ihrerseits eingeläutete „Seitenwechsel“ von „LEGIDA – Das Original“ bedeuten?

Zunächst einmal möchte ich mich stellvertretend für die „Leipziger Ethanolfreunde gegen die Illegalisierung des Alkohols“, kurz „LEGIDA – Das Original“, bei Ihnen als Vertreter der Wahrheitspresse und Ihren Leserinnen und Lesern für das gesteigerte Interesse bedanken. Seit vielen Wochen erfahren unsere Protestkundgebungen auf dem Augustusplatz unserer geliebten Messestadt sprunghaften Zuwachs. Waren es zu Beginn nur einige Dutzend Anhänger, die wir bei wirklich jedem Sch…wetter aus dem Hause oder der Wirtschaft locken konnten, begrüßten wir am vergangenen Montag erstmals eine vierstellige Zahl an Kundgebungsteilnehmerinnen und -teilnehmern.

So schön das für uns ist, darf es doch nicht hinwegtäuschen, dass die Gewandhausseite des Augustusplatzes auf Dauer diesem Ansturm nicht gewachsen ist. Darum ist ein Umzug bzw. Seitenwechsel auf die Opernseite unumgänglich. Dieses ist schon historisch bedingt, fanden doch die ersten Kundgebungen ebenfalls dort statt, bevor wir in einem undemokratischen Akt der Willkür seitens des Ordnungsamtes von dort vertrieben wurden.

Dabei ist selbst den Menschen bzw. Angestellten vom Ordnungsamt klar, dass wir, „LEGIDA – das Original“, die einzig wachsende politische Kraft in Leipzig sind, während die anderen sogenannten Legida auf einem niedrigen Stand stagnieren, nachdem sie mengenmäßig gesundschrumpften.

Entschuldigung, „gesund“ kann raus, nur „schrumpften“.

Das würde ja heißen, Sie würden dann mit Legida (Die Kopie) zusammen demonstrieren?

Ganz und gar nicht! Wie soll das gehen? Wir als lebensbejahende Vertreter der Bohéme hier und dort die menschenverachtende und geschichtsvergessene andere sogenannte Legida. Wir sind ja nicht nur die einzig stetig wachsende politische Kraft in Leipzig, wir sehen uns auch legitime Nachfolger der mutigen Leipzigerinnen und Leipziger vom Herbst 1989 an. Wir vertreten die selben Inhalte und Ziele.

Was waren denn die damaligen Hauptforderungen? Reisefreiheit, Meinungsfreiheit, freie Wahlen und Pressefreiheit!

Reisefreiheit bedeutet aber nicht nur Ausreisefreiheit, sondern auch Einreisefreiheit! Und wenn ein Mensch flüchtet, aus welchen Gründen auch immer, und er der Meinung ist, er möchte hier bleiben und er für sich diese Wahl trifft – ja warum denn nicht? Glauben Sie, glauben Ihre Leserinnen und Leser allen Ernstes, es fällt den Flüchtlingen aus Afrika leicht, wenn sie in Nussschalen übers Mittelmeer schippern? Sie lassen Freunde und Familien zurück. Wie groß muss deren Not sein, dass sie ihr Hab und Gut veräußern? Frauen und junge Mädchen werden auf der Flucht oft Opfer von sexuellen Übergriffen.

Selbst in Afrika dürfte sich rumgesprochen haben, dass es in vielen Gegenden Europas rassistisch motivierte Übergriffe gibt. Warum also fliehen sie trotzdem, wenn nicht aus Not? Was macht einen Menschen aus, wenn nicht Gefühl, Mitgefühl? Trotzdem werden solche Menschen von vielen Anhängern der anderen sogenannten Legida zunächst pauschal als Wirtschaftsflüchtlinge stigmatisiert.

Sind sie das nicht?

Entschuldigung, die einzigen Wirtschaftsflüchtlinge, die ich kenne, waren Ostdeutsche, die im Herbst 1989 die DDR verließen, um im Westen schnell reich zu werden und dabei ihre Kinder bei den Nachbarn parkten und die Tiere in den Ställen sich selbst überließen.

Und die Pressefreiheit?

Pressefreiheit – ein hohes Gut, aber dass brauche ich ja gerade Ihnen und Ihren Leserinnen und Lesern nicht erzählen! Ein zu hohes Gut, um es den selbsternannten Beschützern des Abendlandes zu überlassen. Aber kann noch von Schutz der Pressefreiheit gesprochen werden, wenn vor den Augen der Polizei vermummte Schläger Fotoreporter und Vertreter von Studentenradios angreifen? Kann noch von Pressefreiheit gesprochen werden, wenn Anhänger der anderen sogenannten Legida Hasstiraden und Drohungen auf Medien wie Radio Blau, L-IZ, Weltnest, Kreuzer und Mephisto vom Stapel lassen.

Wir als „LEGIDA – das Original“ stellen uns konsequent und uneingeschränkt auf die Seite der Wahrheitspresse, haben wir doch die selben, über 25jährigen Wurzeln.

Und wo soll diese andere Legida dann hin, wenn Sie den „Seitenwechsel“ vollziehen?

Das zu beurteilen ist nicht unsere Aufgabe! Wir sind, wie oben ausgeführt, die momentan größte außerparlamentarische Montagsströmung in Leipzig, die sich Woche für Woche über mehr Zulauf erfreut. Deshalb ist es nicht nur wichtig, dass uns von Seiten der Stadt endlich die Opernseite des Augustusplatzes zugeteilt wird, sondern dass unseren Anhängerinnen und Anhängern auch der uneingeschränkte Zutritt zum Hauptbahnhof ermöglicht wird, auch und gerade über die Goethestraße!

Während wir als „LEGIDA – Das Original“ mittlerweile für Arbeitsplätze im Einzelhandel (Spätverkäufen, Kiosken etc.) sorgen, werden gerade von der anderen sogenannten Legida Arbeitsplätze zerstört. Die andere sogenannte Legida tritt hartnäckig auf das zarte Pflänzchen „Aufschwung“, das nun nach Jahren des Harrens auch in unserer geliebten Messestadt mühsam erblühen möchte.

Sie sorgen sich also um die Wirtschaft? Wo wird die durch „Legida“ geschädigt?

Besuchen Sie doch mal montags in den Abendstunden den Hauptbahnhof, wenn die Läden ob der eintreffenden erlebnisorientierten Demonstrationsteilnehmer aus Angst um Leben und Gesundheit früher schließen müssen! Das ist nicht witzig, das ist geschäftsschädigend!

Leipzig hat mehr als einen Bahnhof, wenn die andere sogenannte Legida schon unbedingt einen solchen braucht, der in Connewitz ist doch auch ganz schön. Von dort können sie dann meinetwegen die Prinz-Eugen-Straße runter marschieren bis zur Koburger Straße und eventuell wieder zurück.

Legida/PegidaInterviewsDie Partei
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