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Warum ist es so schwer, alle Leipziger Patenschaftsmodelle auf einer Website zu sammeln?

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    Eigentlich hatte die SPD-Fraktion im Leipziger Stadtrat im Februar nur ein Anliegen, als sie ihren Antrag stellte: "Städtische Patenschaftsmodelle für Bänke, Bäume und Brunnen verbessern". Sie machte es noch etwas ausführlicher, aber im Kern war es der Wunsch, besser über bestehende Patenschaftsmodelle zu berichten.

    Oder im Text des SPD-Antrags: „Eine koordinierte Information, Beratung und Begleitung interessierter Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen kann die tatsächlichen Potenziale bestehender Patenschaftsmodelle stärken. Das Vorhalten von Möglichkeiten, die nicht genutzt werden, trägt nicht zu einem professionellen Erscheinungsbild bei. Gleichzeitig konterkariert es die Patenschaftsmodelle, die in der Regel erst über den Stadtrat geschaffen wurden. Dass der Handlungsbedarf groß ist, belegt etwa die Tatsache, dass bestehende Patenschaftsprogramme wie das für Springbrunnen nicht genutzt werden, wie eine Anfrage meiner Fraktion ergab.“

    Das klingt schon wie eine kleine Rüge. Und so hat es das Umweltdezernat wohl auch empfunden. Denn es reagiert entsprechend harsch: „Ablehnung, da bereits Verwaltungshandeln“.

    Ein Blick auf die Patenschafts-Homepage der Stadt zeigt: Stimmt nicht wirklich. Nach wie vor werden dort nur die Patenschaften für Bäume, Brunnen und Grabstellen ausgewiesen. Dabei gibt es deutlich mehr. Aber der Suchende findet sie nicht.

    Und die SPD-Fraktion wird darüber belehrt, was es doch alles gibt: „Die Patenschaftsmodelle im genannten Bereich Stadtgrün werden in der Verwaltung durch das Amt für Stadtgrün und Gewässer seit vielen Jahren erfolgreich betrieben. So ist das Patenschaftsmodell ‚Für eine baumstarke Stadt‘ seit 1997 etabliert, wird seit Jahren durch eine breite Unterstützung der Bevölkerung getragen, ist im gesamten Stadtbild durch mit Plaketten gekennzeichnete Baumstandorte zahlreich sichtbar und genießt bundesweit Aufmerksamkeit. – Beim Patenschaftsmodell für die Bänke besteht eine enge Kooperation zwischen der Stiftung ‚Bürger für Leipzig‘, die unter dem Motto ‚Eine Bank für Leipzig‘ und dem Amt für Stadtgrün und Gewässer zur Umsetzung des bürgerlichen Engagements zum Thema Bänke existiert. Darüber hinaus bestehen Patenschaften zu den Themen Grabanlagen, Patenschaften für Öffentliches Grün sowie Bachpatenschaften.“

    Stimmt alles. Aber wer zum Beispiel die Bachpatenschaften auf der Homepage der Stadt sucht, findet sie nicht. Sie haben übrigens nichts mit Johann Sebastian Bach zu tun, sondern mit richtigen Bach-Biotopen. Über drei dieser Bäche hat die BUND Regionalgruppe Leipzig die Patenschaft übernommen.

    Wobei die Bachpatenschaften auch daran erinnern, dass es auch Buchpatenschaften gibt bei den Städtischen Bibliotheken. Die man auf der Seite auch nicht findet.

    „Als jüngstes Patenschaftsmodell wurden auf Initiative des Stadtrates mit Beschluss VI-A-01404 vom 16.09.2015 die Springbrunnen und Fontänen aufgenommen“, stellt das Umweltdezernat fest. „Zu diesen Patenschaftsmodellen führt die Stadtverwaltung eine intensive Öffentlichkeitsarbeit durch und nutzt hierzu sowohl das Amtsblatt, das Internet und im Rahmen der Möglichkeiten auch die Social-Media-Kanäle der Stadt. Aktuell wird der Internetauftritt bezüglich der Darstellung des dort noch nicht präsenten Patenschaftsmodells ergänzt.“

    Es ist aber nicht nur ein Patenschaftsmodell, das da fehlt, es sind mindestens vier: „Eine Bank für Leipzig“, öffentliche Grünanlagen, Bachpatenschaften und Buchpatenschaften. Dass man das alles auf einer Website bündelt, ist eigentlich das Naheliegende.

    „Die Erstellung weiterer Faltblätter ist aus Sicht der Verwaltung nicht ausreichend zielgruppenorientiert und nicht wirkungsvoll genug“, meint das Umweltdezernat noch und will „im Zuge des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projektes ‚Stadt-Parthe-Land'(…) die Einbeziehung des ehrenamtlichen Engagements im Amt für Stadtgrün und Gewässer“ untersuchen und die „benannten Patenschaftsmodelle“ evaluieren. „Die Ergebnisse können Ende des II. Quartals 2017 vorgelegt werden.“

    Was will man da evaluieren, wenn nicht mal die Hälfte der möglichen Patenschaftsmodelle auf der Website der Stadt zu finden ist?

    „Sollte sich aus dieser Evaluierung ein grundsätzlicher Handlungsbedarf ergeben, können auf der Grundlage dieser Ergebnisse Vorschläge zur weiteren Verbesserung der genannten Patenschaftsmodelle erarbeitet werden“, meint das Umweltdezernat noch.

    Man kann es auch noch umständlicher machen. Aber es war in diesem Fall auch die SPD, die sich eine Evaluation wünschte. Was freilich wenig Sinn macht, wenn die Modelle nicht zentral abrufbar sind.

    Dabei sollte es doch eigentlich ganz einfach sein, erst einmal alle existierenden Patenschaften der Stadt auf einer Seite übersichtlich zu versammeln. Und die dann mit einem Schnell-Link zu versehen. So hier etwa: http://patenschaften.leipzig.de

    Eigentlich eine Frage der Barrierefreiheit: Wer es den Bürgern so schwer macht, eine relevante Übersicht zu finden, der muss sich nicht wundern, dass Ratlosigkeit herrscht.

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