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Wenn zurückgeklatscht wird: Die Systemrelevanten im Streik + Video

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    Da trifft gerade einiges aufeinander. Erneut steigende Corona-Zahlen, neue Einschränkungen womöglich, Haushaltsverhandlungen in Sachsen und streikende Mitarbeiter jener Berufsgruppen, die in der ersten Krise noch beklatscht und bewundert wurden. Und die in ihren Tarifverhandlungen gerade eine öffentliche Hand erleben, die statt klatschen eher sparen im Sinn hat. Heute waren die Angestellten der LVB im Warnstreik und im ÖPNV bewegte sich nichts mehr. Morgen ziehen weitere Berufsgruppen nach, kommunale Kitas und Horte werden dann ebenso lahmgelegt, wie die größten Teile der Stadtverwaltung.

    Auf Landesebene findet gerade das große Tauziehen statt. SPD, Grüne und CDU verhandeln sozusagen einen Nothaushalt, coronabedingt geht es eigentlich nur noch darum, wie viele Schulden das Land Sachsen – über höhere Zahlungen des Bundes hinaus – aufnehmen soll. Betroffen von diesen Verhandlungen sind dann vor allem wieder die Kommunen, welche mehr oder weniger Mittel haben werden, öffentlich Angestellte in ihren Eigenbetrieben, Kitas und Verwaltungen bezahlen zu können.

    Und eben diejenigen Fahrer/-innen und Schichtleiter/-innen bei den Leipziger Verkehrsbetrieben, die selbst unmittelbar von kommunalen Zuschüssen abhängen, wollen sie auch personell den ÖPNV aufrechterhalten. Und eben die hatten heute sozusagen den Auftakt in ihrer Verantwortung, bevor morgen Kita-Erzieher/-innen über Verwaltungsmitarbeiter/-innen bis hin zu Teilen der Stadtreinigung und öffentlich Angestellten beispielsweise im städtischen Sankt Georg-Krankenhaus nachziehen werden.

    Die drei Kernforderungen der von Verdi Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen unterstützten Streikenden: 38-Stunden-Woche wie im Westen der Republik, 400 Euro (brutto) mehr für jeden Angestellten und einen gemeinsamen Mantelvertrag auf Bundesebene. Welcher endlich – 30 Jahre nach der Einheit – einheitliche Arbeits- und Urlaubsbedingungen in Hannover, München und Leipzig garantieren soll.

    Die Antwort der öffentlichen Hand, dem Kommunalverband, bislang: 1 Prozent mehr auf den Lohn und preiswerter Applaus in der Krise. Dass es bei einer nicht deutlichen Nachbesserung dieses Mal einen deutlich härteren Arbeitskampf als noch vor zwei Jahren auch bei der LVB geben könnte, deutet sich dabei bereits an.

    Denn geben dieses Mal die Angestellten nach, würde auf Landesebene das Geld nicht eingeplant und so könnten ihre Ergebnisse noch unter der Inflationsrate landen. Und wäre somit eine Senkung des Gehalts als Dankeschön fürs Weitermachen. Kein Wunder, dass mancher heute im Netz und vor Ort vom „Zurückklatschen“ sprach, angesichts solcher Perspektiven.

    Von 3 bis in den Abend hinein jedenfalls ging heute (neben Dresden und anderen Städten) jedenfalls nichts im Leipziger ÖPNV. Ab 19 Uhr soll sich die Lage wieder normalisieren – ob es bei diesem einen Warntag bleibt, ist dennoch offen. Morgen dann kann man zwar wieder mit der Bahn zur Kita fahren, doch so manche wird das Kind dann nicht betreuen können.

    Der Streikfreitag der Erzieher/-innen und Verwaltungsangestellte beginnt um 9 Uhr am Völkerschlachtdenkmal – hier ist trotz Corona genug Platz für eine Versammlung.

    Wie die bisherigen Verhandlungen bei den heute Streikenden angekommen sind, wie sie ihre Forderungen begründen und welche Perspektiven sich für sie darstellen, haben wir in einem Interview bei Beate Heinz (Betriebsrätin der LVB) und Stefan Hilbig von Verdi erfragt.

    Das Interview vom 15. Oktober 2020 an der Streikstelle Angerbrücke

    Video L-IZ.de

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    3 KOMMENTARE

    1. Ich bin ja grundsätzlich einverstanden, dass Arbeitnehmer*innen für ihre Rechte laut werden und auch unbequem werden. In diesem konkreten Fall fällt es mir jedoch schwer, besonders viel Verständnis zu haben. Erstens genießen die allermeisten Beschäftigten im öffentlichen Dienst den Luxus eines sicheren und vergleichsweise fairen Arbeitsverhältnisses und zweitens trifft der Streik ja nicht den Arbeitgeber (der im schlimmsten Fall sogar noch spart, weil seine Betriebskosten während des Streiks sinken), sondern vor allem alle anderen. Heute das Kind zuhause, weil es ohne Tram nicht in den Kindergarten kommt, morgen ist der Kindergarten zu. Spontan zwei Tage für die Kinderbetreuung frei zu bekommen, geht bei uns jetzt noch dank kulanter Arbeitgeber, aber das sieht bei vielen im Umfeld, vor allem den Alleinerziehenden, anders aus.
      Und das alles, während die Kommunen gewaltige Haushaltslöcher zu stopfen haben. Ich finde das gelinde gesagt unsolidarisch.

    2. Keiner von diesen Herrschaften hat auch nur 1 Cent durch Corona verloren während andere durch Kurzarbeit und Insolvenz vor dem finanziellen Ruin stehen!
      In solchen Zeiten hinter einer Gewerkschaft, die nur eigene Interessen kennt, hinterherzulaufen, ist rücksichtslos und unverantwortlich.
      Der Wirtschaft geht es schlecht, jetzt ist für Ver.di genau die richtige Zeit, um ordentlich Kasse zu machen.
      Es fehlt mir jegliches Verständnis für solches Verhalten. Hoffentlich bleiben die Arbeitgeber hart und schützen die Gesellschaft.

    3. „28-Stunden-Woche wie im Westen der Republik…“
      Ich dacht‘ schon an Realsatire, das Interview-Video stellte das dann doch noch richtig.

      Am Rande notiert: In den heute fahrenden S-Bahnen konnte ich sowohl am Morgen (06.30) als auch am Nachmittag (14:07) Mindestabstände von etwa 0,30m feststellen, auf großen Umsteigebahnhöfen ca. 0,80m. Das hat natürlich überhaupt nichts mit dem Artikelinhalt zu tun…

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