Kassensturz: Sachsen gehört zu den Billigheimern der Nation

Brisante Zahlen: Am Donnerstag, 26. Juli, legte das Bundesamt für Statistik eine Auswertung zu Löhnen im Vergleich vor. Und was auf Bundesebene schon für ein Erschrecken sorgte: Frankfurter Rundschau: "Jeder Zehnte verdient weniger als 8,50 Euro", ist für Ostdeutschland geradezu entlarvend. Und die Zahlen belegen auch: Die Hartz-IV-Reformen haben vor allem im Osten für Dumping-Löhne gesorgt.
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Denn es sind vor allem die Instrumente dieser Reform, die die massive Ausweitung der Zeitarbeit ermöglichten, aber auch die Anwendung all jener anderen cleveren Instrumente, mit denen Beschäftigte weit unterm Tarif beschäftigt werden können. Im Osten liegt jeder Fünfte unter dem Stundensatz von 8,50 Euro. Und der Freistaat Sachsen ist geradezu ein Tummelplatz der Firmen, die sich mit den Billigarbeits-Instrumenten goldene Nasen verdienen.

Rund 23 Prozent aller Beschäftigten in Sachsen verdienten im Jahr 2010 weniger als 8,50 Euro je Stunde.

Dies betraf 27 Prozent aller weiblichen und 20 Prozent aller männlichen Beschäftigten, teilt das Statistische Landesamt dazu mit. Sachsen liegt damit beim Anteil der Geringverdiener im Vergleich aller Bundesländer zusammen mit Mecklenburg-Vorpommern an vorletzter Stelle vor dem Freistaat Thüringen.

Wirtschaftswunderland? – Da muss man wohl eher Billigheimer dazu sagen. Die logische Folge sind die Zehntausende Sachsen, die trotz Vollzeitjobs immer noch als „Aufstocker“ auf die Gnade der Jobcenter angewiesen sind.

Die Verdienststrukturerhebung der Statistiker umfasse freilich vorerst nur Betriebe des Produzierenden Gewerbes und des Dienstleistungsbereiches mit 10 und mehr Beschäftigten für das Jahr 2010.

In Westdeutschland lag jede/r Zehnte, in Ostdeutschland 22 Prozent aller Beschäftigten unter diesem Stundenverdienst.

Und die ernüchternde Botschaft: Die meisten der Beschäftigten mit unter 8,50 Euro Stundenverdienst in Sachsen sind Vollzeitbeschäftigte (53 Prozent), ein Viertel Teilzeit- und 22 Prozent geringfügig Beschäftigte (Minijobber/400 Euro-Jobs).

Unter den Beschäftigten mit weniger als 8,50 Euro Stundenverdienst sind mehr Frauen als Männer (54 Prozent gegenüber 46 Prozent). Dies gilt für die Gruppe der Teilzeitbeschäftigten und Minijobber, nicht jedoch für die Vollzeitbeschäftigten. Hier sind mehr Männer als Frauen vertreten.

In Sachsen haben 77 Prozent der Geringverdiener eine Berufsausbildung, unter diesen sind die Hälfte Vollzeitbeschäftigte.

Geringverdiener sind in allen Wirtschaftsbereichen zu finden. Die meisten arbeiten in den Bereichen Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen, das heißt in der Zeitarbeit (23 Prozent), Verarbeitendes Gewerbe (20 Prozent), Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen (14 Prozent) oder im Gesundheits- und Sozialwesen (10 Prozent). Sie sind vor allem als Verkäufer und in Dienstleistungsberufen (28 Prozent), als Hilfsarbeitskräfte (22 Prozent), in Handwerks- und verwandten Berufen (15 Prozent), als Bürokräfte (13 Prozent) sowie in Montageberufen und als Bediener von Anlagen und Maschinen (13 Prozent) tätig.

Geringverdiener werden zu 95 Prozent von privatwirtschaftlichen, meist nicht tarifgebundenen Arbeitgebern (75 Prozent) beschäftigt.


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