Altersarmut zwingt immer mehr Sachsen im Rentenalter zum Mini-Job

In den nächsten Jahren werden viele Sachsen mit Entsetzen bemerken, dass ihnen ihre lebenslange Rackerei am Ende gar nichts genützt hat. Sie werden einen Rentenbescheid bekommen, der ihnen einfach sagt, dass sie nicht mal genug gesetzliche Rente bekommen, um das Lebensnotwendigste finanzieren zu können. Sie werden zum Sozialfall. Schon jetzt entschließen sich viele, sich das Fehlende durch Mini-Jobs dazuzuverdienen.
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Die Zahl der Rentnerinnen und Rentner in Sachsen, die sich mit Mini-Jobs etwas dazu verdienen zur mageren Rente, steigt schon seit Jahren. Und auch das Jahr 2015 hat die Entwicklung nicht beendet. Im Gegenteil: Im Niedriglohnland Sachsen sehen sich immer mehr Menschen im Rentenalter gezwungen, durch bezahlte Erwerbsarbeit die nötigen Kröten dazuzuverdienen.

Das bestätigt nun eine Antwort der Staatsregierung auf die Kleine Anfrage „Rentner mit geringfügig entlohnter Beschäftigung in Sachsen“ der sozialpolitischen Sprecherin der Fraktion Die Linke im Landtag, Susanne Schaper.

Ende 2013 waren in Sachsen 20.421 Männer und 15.577 Frauen im Alter von über 65 Jahren geringfügig entlohnt beschäftigt. Im Jahr 2014 ergab sich mit 20.950 Männern ein Anstieg von 2,6 Prozent und mit 16.335 Frauen ein Anstieg von 4,9 Prozent. Für 2015 lagen bislang nur Zahlen mit dem Stichtag September vor. Doch schon zu diesem Zeitpunkt lagen die Werte mit 21.851 Männern und 17.199 Frauen über den Zahlen von 2014. Das ist ein Anstieg um immerhin 4,3 Prozent bei den Männern und 5,2 Prozent bei den Frauen im Vergleich zum Vorjahr.

Jede sechste Seniorin / jeder sechste Senior, die sich so etwas dazu verdienen mussten, waren mit Minijob im Handel aktiv. Auch im Gesundheits- und Sozialwesen ebenso wie in der Baubranche und dem Gastgewerbe finden sich Senior/innen-Minijobber.

„Diese Entwicklung zeigt, dass zum einen auf Grund des Fachkräftemangels immer mehr Menschen länger arbeiten, andererseits aber bei vielen Rentnerinnen und Rentnern in Sachsen die Rente so niedrig ist, dass sie einen Nebenverdienst brauchen, anstatt den Ruhestand zu genießen“, kommentiert Susanne Schaper diese Zahlen. „Wir finden: Menschen, die 40 Jahre lang oder länger erwerbstätig waren, haben ein sorgenfreies Leben im Alter verdient. Wir fordern die Staatsregierung weiter auf, jetzt die Initiative zur Bekämpfung von Altersarmut in Sachsen zu ergreifen – auch und vor allem auf Bundesebene. Auf Signale der Bundesregierung werden wir wohl vergeblich warten.“

Da hilft eben nicht der fadenscheinige Eiertanz um die Angleichung der Renten in Ost und West. Denn die werden sich nicht angleichen, solange das Lohngefälle so deutlich ist. Dazu kommen die vielen Abschläge, die gerade Menschen hinnehmen mussten, deren Berufskarriere nach 1990 mehrfach unterbrochen wurde und die zusätzlich – insbesondere durch die Mechanismen der „Agenda 2010“ – in prekäre Beschäftigungsverhältnisse gezwungen wurden, die ihnen mit einer mageren Entlohnung auch entsprechende Verluste in der Rentenberechnung eintrugen.

Und die Jahrgänge, die von diesem Veitstanz der deutschen Beschäftigungspolitik besonders betroffen waren, kommen jetzt erst alle nach und nach ins Rentenalter. Die Zahl der arbeitenden Rentner wird also noch wesentlich deutlicher steigen. Und entsprechende Sozialbelastungen rollen ganz gemächlich auf die Kommunen zu, die das Problem lieber noch ignorieren, solange die Flurschäden von „Hartz IV“ noch nicht mal ausgestanden sind.

Die Lösung kann also nur bedingt mit einer hypothetischen Rentenangleichung Ost / West zu tun haben. Sie muss ganz woanders erfolgen, stellt die Landtagsabgeordnete der Linken fest.

„Um Altersarmut wirksam zu bekämpfen, muss eine armutssichere Mindestrente eingeführt und das Rentenniveau wieder auf 53 Prozent erhöht werden. Der Rentenwert Ost muss endlich an den Wert für Westdeutschland angepasst werden“, sagt Schaper. Und erinnert an die untauglichen Erfindungen der Schröder-Regierung, die Rentenprobleme der Niedriglöhner ausgerechnet durch private Zusatzrentenversicherungen lösen zu wollen.

„Die Riester-Rente hat sich für die Versicherten als gewaltiger Flop erwiesen. Die Versicherten sollten ihre Riester-Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung übertragen dürfen“, fordert Schaper. „Um einen Mindeststandard in der gesetzlichen Rente zu garantieren, fordern wir die Einführung einer Solidarischen Mindestrente. Aber auch dem ausufernden Niedriglohnsektor muss ein Riegel vorgeschoben werden. Der Mindestlohn ist nicht ausreichend, damit Arbeit und auch die Renten wieder existenzsichernd werden. Dafür gibt es zu viele Ausnahmen und mit 8,50 Euro ist der Mindestlohn einfach zu gering bemessen.“

„Rentner mit geringfügig entlohnter Beschäftigung in Sachsen“ (Parlaments-Drucksache 6/4997)

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