Jahresend-Freude: Cammerspiele können 2013 weitermachen

Jeder bosselt ein bisschen herum am so genannten "Arbeitsmarkt", streicht die "Instrumente", die Kommunal Kombi-Stellen zum Beispiel. Seien eh kein Weg, die Leute wieder in den (ersten) Arbeitsmarkt zu bringen, erklärten die verantwortlichen Politiker stur auch dann noch, als zum Jahresanfang mehr als deutlich wurde: Damit ging ein Förderinstrument für die Kulturlandschaft verloren. Die Cammerspiele standen kurz vor dem Aus.
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Eine Debatte, die so beiläufig zeigte, wie sehr Jugend-, Sozial- und Kulturarbeit in Leipzig von öffentlicher Förderung abhängt. Man kann zwar mit engagierten Programmen oft Miete und Infrastruktur erwirtschaften. Aber bei der Bezahlung der Leute hört’s meist auf. Solche Eintrittsgelder könnte die freie Szene nicht mal in München oder Düsseldorf nehmen, um das auch noch zu bezahlen. Und teilweise irrte die Diskussion darum auch in Leipzig oft um die völlig unbegründete Frage „Können wir uns das leisten?“ – Die 5 Prozent vom Kulturetat etwa für die freien Kulturmacher?

Nur ein bisschen weiter gedacht, stellt sich ganz schnell heraus, dass dieses scheinbar so anarchistische Milieu auch ein ganzes Bündel Aufgaben abdeckt, die die Stadt selbst nicht mehr finanziert. Kultur ist – so seltsam das klingt – auch ein sozialer Generator. Für die Macher und fürs Publikum. Es ist ein Stück gesellschaftlicher Kommunikation und Verankerung, wenn ein paar hundert Leute zu einer Theatervorstellung in die Kulturfabrik Werk 2 pilgern.

Und im Stadtrat ist nun seit drei Jahren klar, dass man dieses Myzel der Freien braucht in der Stadt. Sonst wird es in einigen Teilen der Stadt sehr schnell zappenduster. Und 5 Prozent vom 100-Millionen-Euro-Etat der Stadt klingt viel – und ist wenig für das, was die Freie Kulturszene Woche für Woche auf die Beine stellt. Hätte das verantwortliche Kulturdezernat die 5 Prozent so umgesetzt, wie eigentlich vom Stadtrat beschlossen, hätte es Anfang 2012 zwar auch einen Aufschrei gegeben – aber nicht diese Panik, dass es nun für viele Akteure nicht mehr weiter geht.

Man kann sich nicht an die unüberlegten Schnellschüsse der Berliner Koalition gewöhnen. Denn sie treffen regelmäßig genau die im Land, die keinen Puffer haben, um die Einschnitte abzufangen. Wie die Cammerspiele, die im Februar kräftig Alarm schlugen. Und im Mai war die Diskussion um die noch immer nicht gewährten 5 Prozent wieder am Kochen.

Sie kochte bis in den Dezember.

Als der Haushalt 2013 in die Fraktionen zur Diskussion ging, war noch immer nicht klar, ob man am Connewitzer Kreuz nun 2013 weitermachen könnte, ob es in irgendeiner Weise Ersatz für die gestrichenen Förderstellen geben würde.
Was macht ein Theaterhaus, dem das Geld ausgegangen ist und bei dem unklar ist, ob es im nächsten Jahr überhaupt weitergeht, fragte sich die kleine Theatertruppe. Und antwortete sich selbst mit einem Festival, spielte noch einmal eine Woche lang, vielleicht zum allerletzten Mal, ganz große Cammerspiele-Stücke der vergangenen Jahre – jeden Tag ein anderes.

Und damit alle Freunde der kleinen Bühne die Stücke noch einmal sehen konnte, gab es die Festival-Woche vom 3. bis 8. Dezember mit freiem Eintritt. Motto: Alles muss raus!“

Wer sich erinnert: Die Stücke hießen „Der Besuch der Alten Dame“, „Shoppen & Ficken“, „Viervolt“, „Joseph und seine Brüder“, „Erniedrigte und Beleidigte“ und „Besuch von Freunden“. Dazu gab es die aktuellen Meldungen zum Stand der Dinge: Sind die Förderlisten des Kulturamtes der Stadt Leipzig für 2013 schon draußen? Ist der Fördervorschlag ausreichend für die Cammerspiele? Geht tatsächlich das meiste Geld der zusätzlichen 600.000 Euro, die die freie Szene nächstes Jahr erhält, in die institutionelle Förderung? Werden die Cammerspiele ab 2013 am Ende vielleicht sogar auch – doch noch – den Status der institutionellen Förderung erhalten?

Oder war es das am Ende mit den Cammerspielen und geht damit der Stadt ein über 12 Jahre lang bestens aufgestelltes, angesagtes und beim Publikum beliebtes Off-Theater – und, nach der angekündigten Schließung des Spinnwerks des Centralheaters, eine weitere zentrale Anlaufstelle für Nachwuchs-Theaterschaffende im Sprechtheaterbereich – verloren?

Am 8. war zwar noch nichts endgültig geklärt. Das dauerte doch naturgemäß noch bis zum Haushaltsbeschluss am Montag, 17. Dezember.

Am 19. Dezember jubelten die Cammerspiele dann tatsächlich: „Die Fördermittel der Stadt Leipzig für Vereine und Verbände wurden am Montag beschlossen und nun können wir, kurz vor Weihnachten, endlich, endlich frohen Mutes verkünden: Es geht 2013 an den Cammerspielen weiter“, so Jan-Henning Koch, der für die Cammerspieler auch die Pressearbeit macht und Vereinsvorstand ist. „Wir freuen uns sehr über die Entscheidung der Stadt, den Etat der Cammerspiele so weit aufzustocken, dass es dem Cammerspiele Leipzig e.V. möglich gemacht wird, das Theaterhaus am Connewitzer Kreuz auf einer festen Basis weiterführen zu können. – Wir danken allen, die uns in diesem für uns sehr schwierigen und kräftezehrenden Jahr unterstützt haben.“

Wirklich los geht’s im neuen Jahr dann am 12. Januar mit dem Party-Rutsch zum Cammerspiele-Geburstag: „13-13-13: Endlich Teenager!“ Viele Überraschungen verspricht das Cammerspiele-Team zum eigenen 13. Geburtstag. „Endlich Stimmbruch! Endlich mehr Taschengeld! Endlich alleine abends weg, Komasaufen und sich daneben benehmen!“ – Wenn das mal nicht schief geht mit den Jungspunden.

www.cammerspiele.de

www.leipzigpluskultur.de


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