80 Seiten, 30 Karten: Leipzigs Umweltbericht 2013 in Hochglanz

Ab und zu macht es Plopp im Leipziger Umweltdezernat, dann gibt es mal wieder einen neuen Umweltbericht für die Stadt. 2007 hat es zum letzten Mal Plopp gemacht, davor 2000. Am Mittwoch, 4. Juni, war es nun wieder so weit. Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal hat das Prachtstück im Neuen Rathaus vorgestellt: 80 Seiten plus über 30 Karten, die Leipzigs Umweltthemen schön bunt und anschaulich machen.

Im Lauf der Jahre sind etliche Themen zusammen gekommen. Leipzig hat sich immer wieder höhere Ziele gesetzt. Selbst der OBM hat das Wort Nachhaltigkeit in seinem Arbeitsprogramm 2020 mehrfach benutzt. Es ist schon lange kein Schönwetterthema mehr, auch wenn es Mancher gern so behandelt sehen möchte. Im Gegenteil: Immer deutlich wird sichtbar, dass „Umwelt“ im Grunde das komplette Leben des Stadtbürgers beschreibt. Jedes Einzelthema hat ein eigenes Kapitel.

Das Offensichtlichste, das jedem einfällt, wenn er in einer Stadt wie Leipzig „Umwelt“ denkt: Natur in der Stadt. Das sind nicht nur Parks und Kleingärten, das ist auch Wald, das sind mehrere Naturschutzgebiete, die sich größtenteils alle an der Weißen Elster entlang auffädeln, Landschaftsschutzgebiete, FFH-Gebiete. Sensible Gebiete, wie es mittlerweile auch Heiko Rosenthal gern sagt, seit der Floßgraben im südlichen Auenwald allen vor Augen führt, dass sich in so sensiblen Gebieten Manches einfach verbietet.

Aber Umwelt ist auch Wasser – Grundwasser, Abwasser, Seen und Teiche, Flüsse und Bäche. Da geht es um Renaturierung und Hochwasserschutz. Die sich in Leipzig beißen. Was nicht sein müsste, wenn Land und Stadt an einem Strang ziehen würden. Aber in Sachsen macht gern jeder seins. So dass sich Auenwaldrevitalisierung und Hochwasserschutz stückeln. Hier ein bisschen mehr Wasser für den dürstenden Auenwald – dort ein neuer Deich hingehämmert, für den dann – oje – Kompensationsmaßnahmen nötig werden.

Aber nicht nur Wasser ist ein schützenswertes Gut. Bei der Luft geht es weiter, den Leipzigern am offensichtlichsten beim Gezerre um die „Umweltzone“, die nur ein Teil des großen Leipziger Luftreinhalteplanes ist. 2009 ist der letzte beschlossen worden mit rund 50 Maßnahmen, von denen sich einige schon wieder als nicht praktikabel erwiesen. Und für andere, die wichtig sind, fehlt das Geld. Großes Streitthema 2013 im Stadtrat: Wo kommt das Geld für die geplanten 5.000 neuen Straßenbäume her? – „Vielleicht werden es dieses Jahr 600 oder 700“, sagt Rosenthal. „Mal sehen.“Er hat schon das Jahr 2015 im Blick, da wird die nächste Richtmarke aktuell: Leipzig muss den Grenzwert für Stickstoffdioxid einhalten – und wird es wohl so wenig schaffen wie beim Feinstaub PM 10. Mit Betonung auf PM 10. Nicht nur Rosenthal hält die reine Definition nach Partikelgröße für Unfug. Anderen Städten geht es genauso. Der Stadtverkehr erzeugt zwar rund ein Drittel des Feinstaubes. Aber der größte Teil wird als „Hintergrundbelastung“ in die Stadt hereingeweht – Ruß aus Polen, Sand aus der Sahara, Blütenpollen aus der Region, Staub aus dem Bergbau … „Darauf hat eine Stadt wie Leipzig keinen Einfluss“, sagt Rosenthal. Und appelliert an die Bundespolitik, endlich tätig zu werden. Denn das Problem haben fast alle deutschen Großstädte, die mittlerweile eine Umweltzone betreiben.

Was entscheidend ist, ist der Rußanteil am Feinstaub, jene Verbrennungsprodukte, die tatsächlich krebserregend sind. Dieser Anteil konnte durch die Einführung der Umweltzone in Leipzig um 30 Prozent gesenkt werden. Er könnte noch niedriger sein, wenn zum Beispiel auch Baumaschinen Standards einhalten müssten wie andere Straßenfahrzeuge. „Aber wir können es nicht mal als Bedingung in Ausschreibungen schreiben“, sagt Angelika von Fritsch, die Leiterin des Umweltamtes. „Es wäre eine Wettbewerbsverzerrung.“

Aber abwarten, bis 2015 die nächste Klappe fällt, will Rosenthal nicht. Er hat schon einen Termin beim Landesumweltamt. Eine Lösung muss gefunden werden. „Wir Kommunen sind immer das letzte Glied in der Kette“, sagt von Fritsch. „Aber tatsächlich werden wir als Kommunen mit dem Thema allein gelassen.“

Wirklich sauber wird die Luft nur, wenn die Regierungen selber tätig werden – die Industrie zu schadstoffarmen Motoren verpflichten. Zum Beispiel.Aber direkt neben der Luftreinheit steht das große Reizthema Lärm. Seit 2005 hat Leipzig begonnen, den Lärm zu kartieren und auch erste Maßnahmen umzusetzen. Etwa mit Tempo 30 in Wohngebieten. Nicht ganz unverhofft taucht in diesem Kapitel sowieso der Verkehr auf. Auch Verkehr ist Umwelt. Und verändert sich längst. Das zeigen alle Befragungen in Leipzig. Vor allem der Anteil des Fahrrades an allen Wegen steigt seit Jahren – zusammen mit der Länge des Radwegenetzes. Es gibt also auch Bausteine, die zeigen, wie man tatsächlich sichtbare Veränderungen erreicht, wenn man an den richtigen Stellen investiert. Im Stadtrat kabbelten sich die Fraktionen ja auch heftig um die künftige Zielgröße für den „Modal Split“: Der Anteil der Kraftfahrzeuge soll von 34 auf 22 Prozent sinken, der des ÖPNV von 19 auf 22 Prozent steigen. Den Radverkehr sieht die Stadt künftig bei 17 Prozent (2008: 14,4 Prozent). Es wäre keine Überraschung, wenn er 2015 schon deutlich drüber läge.

Ein echtes Zukunftsthema ist auch der Boden. „Wissen Sie, wie wir da manchmal kämpfen müssen“, sagt von Fritsch. Etwa wenn es um neue Gewerbeansiedlungen geht. Der „Leipziger Norden“ ist mittlerweile ein Begriff – hier arbeiten Porsche und BMW. Fast vergessen: Leipzig ist eigentlich auf einigen der besten Ackerböden Sachsens entstanden. „Wir müssen diese Böden bewahren, auch aus wirtschaftlichen Gründen“, sagt die Umweltamtschefin. Also wird es 2016 für Leipzig erstmals ein „Bodenschutzkonzept“ geben. „Wir arbeiten gerade dran“, sagt Rosenthal.I

m „Umweltbericht“ gibt es auch viele Seiten zu politischen Vorgaben, zu Planungen, zu Altlasten und Abfall. Im hinteren Teil des Heftes sind dann die wichtigsten Karten versammelt zu allem, was man mittlerweile zu Leipzigs Umwelt weiß. Die „Bodenqualitätstsstufen“ findet man zum Beispiel auf Seite XXIII. Leipzigs Randbezirke sind fast alle dunkelbraun: die Bodenqualität ist hier sehr hoch. Man ahnt, warum selbst das Leipziger Umweltamt hier kämpft. Es gibt auch die bekannten Karten zu Lärmbelastung, zur Grundwasserausstattung, zu potenziellen Überschwemmungsgebieten usw.

Für die nächsten Jahre ist das also das Übersichtswerk für alle, die einen schnellen Überblick darüber bekommen wollen, wo Leipzig im Jahr 2013/2014 stand mit seiner Arbeit an der Herstellung einer intakten Stadtumwelt.

Zu finden ist der „Umweltbericht“ auf der Internetseite www.leipzig.de/umwelt-und-verkehr sowie als Druckversion im Umweltinformationszentrum der Stadt Leipzig (Technisches Rathaus, Prager Straße 118-136, Haus A.II, geöffnet ist Dienstag und Donnerstag jeweils von 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr).


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