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FDP sieht sich von SPD abgekupfert: Ein Qualifizierungsprogramm für Tagespflegepersonen in Leipzig

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    Hoppla, was entspinnt sich da? Eine kleine Wahlkampffehde? Oder das übliche Unausgesprochene zwischen den Fraktionen im Leipziger Stadtrat, die selten genug miteinander über das reden, was sie vorhaben und was sie von den Anträgen der anderen halten? Am Montag, 28. Juli, preschte - nachdem er die neueste Bertelsmann-Studie zu Kita-Betreuungsschlüsseln gelesen hatte, SPD-Stadtrat Christopher Zenker vor: "Kindertagespflegepersonen Ausbildung zum Erzieher/zur Erzieherin ermöglichen".

    Über die Tagespflege fängt Leipzig nun schon seit Jahren einen Großteil des Betreuungsbedarfs ab, der mit festen Kindertagesstätten nicht abgedeckt werden kann. Aber nicht nur beim Neubau von Kindertagesstätten hechelt Leipzig bislang hinterher. Auch beim Personal für die Einrichtungen wird’s langsam eng. Es ist also keine dumme Idee, Tagespflegepersonen durch ein berufsbegleitendes Qualifizierungsprogramm den Weg zum staatlich anerkannten Erzieher zu ebnen.

    Doch irgendwie kam Isabel Siebert, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der FDP im Leipziger Stadtrat, die Idee bekannt vor.

    „Noch in der Juni-Ratsversammlung hat die SPD unseren Antrag für ein Weiterbildungsprogramm zum Erzieher für Tagespflegepersonen rigoros abgelehnt. Jetzt Selbiges öffentlich zu fordern ist an Scheinheiligkeit nicht zu überbieten“, meldet sie sich zum Wort. „Einmal mehr zeigt sich, dass es den Sozialdemokraten nicht um eine gemeinsame Problemlösung geht. Vielmehr geht es der SPD darum, aus der Not der Eltern politisches Kapital zu schlagen. Durch die Bank weg haben sich alle Fraktionen einer breiteren Diskussion unseres Antrags, wie wir sie uns gewünscht hätten, entzogen. Im Interesse einer familienfreundlichen Stadt, in der Familie und Beruf bestmöglich vereinbar und die Kinder in Kita oder Tagespflege in guten Händen sind, begrüße ich den Sinneswandel der SPD.“

    Das Problem am FDP-Antrag war: Er war im Grunde ein ganzes Handlungsprogramm mit sechs Einzelpunkten, die jeder für sich einen eigenen Antrag wert gewesen wären. Der Unterpunkt 2 war sogar ein eigenes Sofortprogramm mit 12 Unterpunkten. So etwas erwartet man im Prinzip von einem frisch gewählten Bürgermeister, der ein Ressort binnen kurzer Zeit umkrempeln will. Der Vorschlag zur Qualifizierung der Personen in Tagespflege verbarg sich in diesem Punkt 2 als Unterpunkt g: „kurzfristiges Qualifizierungsprogramm für Personen, die eine Tätigkeit als Tagespflegeperson in Leipzig aufnehmen wollen, unter Berücksichtigung einer anschließenden berufsbegleitenden Fortbildung zum staatlich anerkannten Erzieher bzw. zur staatlich anerkannten Erzieherin, so dass diese später in Kindertagesstätten und Horten eingesetzt werden können.“
    Der Punkt ist deshalb interessant, weil die Bertelsmann Stiftung kürzlich in einer Befragung unter Tagespflegepersonen auch ermittelte, dass 83 Prozent unter den Tagespflegepersonen bereit wären, sich berufsbegleitend zum staatlich anerkannten Erzieher weiterzubilden. Für Isabel Siebert eine klare Möglichkeit dem Fachkräftemangel im erzieherischen Bereich zu begegnen.

    Mit der in der vergangenen Woche vorgelegten Bertelsmann-Studie zum Betreuungsschlüssel in deutschen Kindertagesstätten kam das Thema logischerweise auch wieder in die Leipziger Stadtpolitik zurück, die noch immer beschäftigt ist mit einer Stadtratswahl, die nicht beendet ist, und gleichzeitig schon wieder im Landtagswahlkampf steckt. Irgendwie muss ja auch der Stadtrat wieder Vorlagen machen für den Herbst. Es ist nur völlig offen, wer jetzt eigentlich für den Stadtrat handeln darf.

    Aus Sicht der SPD-Fraktion wird in der Studie der Bertelsmann-Stiftung bestätigt, was eigentlich schon lange bekannt ist. In Sachsen fehlen Erzieherinnen und Erzieher und der Betreuungsschlüssel ist auch im bundesweiten Vergleich zu hoch. Eine Möglichkeit, den Fachkräftemangel zu reduzieren bestehe also darin, auf bewährtes Personal zurückzugreifen, dies geschehe bisher nicht, stellte am Montag SPD-Stadtrat Christopher Zenker fest.

    „Aktuell gibt es kein Ausbildungsangebot, welches in Vollzeit berufstätigen Tagespflegepersonen ermöglicht eine Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin beziehungsweise Erzieher zu machen. Eine Abfrage unter den in der Tagespflege beschäftigten Personen hat jedoch ergeben, dass unter den Tagespflegepersonen ein hohes Interesse an einer tätigkeitsbegleitenden Ausbildung besteht. Von den 103 Personen, die an der Abfrage teilgenommen haben, zeigten mehr als 83 Prozent Interesse an einer tätigkeitsbegleitenden Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin beziehungsweise Erzieher“, erklärt er zum nun vorgelegten Antrag der SPD-Fraktion, der sich ganz auf diesen Punkt beschränkt. „Dieses Potential müssen wir besser nutzen, sowohl um dem Fachkräftemangel zu begegnen, als auch Tagespflegepersonen die Möglichkeit der Weiterbildung zu geben. Hinzu kommt, dass diese Personen durch ihre Tätigkeit Berufserfahrung und ein hohes Interesse an der Arbeit mit Kindern mitbringen und damit einer aktuellen Initiative der Bundesregierung zur Fachkräftegewinnung entsprechen, in welcher es heißt, Personen aus berufsfeld-affinen Berufen für die Tätigkeit als Erzieherin oder Erzieher zu gewinnen. Wir fordern daher ein Projekt in Zusammenarbeit mit einem Bildungsträger, bei dem die Tagespflegepersonen Weiterbildung und berufliche Tätigkeit unter einen Hut bringen können, anzubieten.“

    Dem zunehmenden Fachkräftemangel könne durch die Weiterbildung von Tagespflegepersonen teilweise begegnet werden. Nach der veröffentlichten Bertelsmann-Studie fehlen allein in Sachsen über 16.000 Erzieherinnen und Erzieher in den Kindertageseinrichtungen, wenn man den empfohlen Personalschlüssel der Stiftung nimmt. Hinzu kommen noch die vielen Altersabgänge unter den Erziehern in den nächsten Jahren. Es müssten daher weitere Anstrengungen unternommen werden, um Ausbildungsangebote zu schaffen.

    „Neben Aktivitäten gegen den Fachkräftemangel unterstützt die SPD-Fraktion auch die Forderung, den Personalschlüssel zu verbessern“, erklärte Christopher Zenker, der auch familienpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion ist, außerdem. „Wir fordern schon seit langem: In Krippen soll eine Erzieherin oder ein Erzieher für vier Kinder da sein, in Kitas für zehn Kinder, im Hort für sechzehn Kinder. Durch eine Senkung des Personalschlüssels könnte die Qualität der Betreuung deutlich verbessert werden. Hierzu muss das Land die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen schaffen.“

    Der FDP-Antrag:
    http://notes.leipzig.de/appl/laura/wp5/kais02.nsf/docid/50492882A0D7D9A6C1257C9A00293B19/$FILE/V-a-524.pdf
    Der Antrag der SPD-Fraktion als PDF zum download.

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