Das Frauenwahlrecht passt prima ins Leipziger Jahr der Demokratie

Für alle LeserEr kam spät, der Antrag der Linksfraktion. Aber noch nicht zu spät. Denn er passt richtig gut ins "Jahr der Demokratie". 100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland jähren sich im Herbst. Sie waren ein Ergebnis der Novemberrevolution von 1918. 1919 durften die Frauen dann zum ersten Mal mitwählen. Das Verwaltungsdezernat hat den Antrag jetzt aufgegriffen, nur ein wenig umformuliert.

„Bei der Ausschreibung von Fördermitteln im Rahmen des Schwerpunktjahres ‚Demokratie leben – Demokratie lebt‘ wird das Thema ‚100 Jahre Frauenwahlrecht‘ berücksichtigt. Themenbezogene Anträge von Vereinen, Initiativen und Verbänden für Veranstaltungen und kulturelle Projekte können eingereicht werden“, lautet der alternative Beschlussvorschlag nun. „Zu den Anträgen ist die Stellungnahme der Gleichstellungsbeauftragten einzuholen. Eine Einzelsumme für das Thema ‚100 Jahre Frauenwahlrecht‘ wird, wie auch für keinen anderen Gruppen- und Themenbereich, nicht festgelegt.

Das auch, weil man das Frauenwahlrecht im Programm zum „Jahr der Demokratie“ ja schon mit angedacht hatte.

Und die entsprechende Vorlage Nr. VI-DS-02369 „Jahr der Demokratie – Umsetzungsbeschluss“ wird ja dem Stadtrat auch noch zum Beschluss vorgelegt. Damit werden dann auch die geplanten Programmbereiche und die Grundsätze für die Förderung von Projekten beschlossen.

„Auf das besondere geschichtliche Ereignis ‚100 Jahre Frauenwahlrecht‘ wird im Einführungstext der Beschlussvorlage explizit hingewiesen“, betont das Verwaltungsdezernat.

Erstmals wählen konnten Leipzigs Frauen dann übrigens am 19. Januar 1919, als es erstmals um die Deutsche Nationalversammlung ging. Übrigens wurde gleiche eine Woche später wieder gewählt – da war es die Leipziger Stadtverordnetenversammlung, die neu gewählt wurde, und noch eine Woche später die Sächsische Volkskammer. Von den wahlberechtigten Frauen gingen übrigens am 19. Januar zwischen 77 und 83 Prozent (nach Alterskohorten) zur Wahl. Und: Die Zahl der Wählerinnen war – kriegsbedingt – höher als die der Wähler. In Leipzig holte die USPD mit 38,6 Prozent die meisten Stimmen vor der bürgerlichen DDP (28,7 %) und der SPD (20,7 Prozent).

Trotzdem entsandte Leipzig nur männliche Abgeordnete nach Berlin. Erst 1924 wird Leipzig die erste Frau in den Reichstag entsenden: die Tabaksarbeiterin Minna Schilling (SPD). 1928 würde dann mit der Lehrerin Dr. Anna Siemsen (SPD) die zweite folgen und 1930 mit der Sängerin Margarethe Starrmann (SPD) die dritte. Man sieht schon: Wirklich ernst nahm die Frauenfrage damals vor allem die SPD.

Alle Zahlen und Namen findet man in Josef Fischers Buch „Wahlen, Wahlrecht und Gewählte in Leipzig“.

Frauenwahlrecht
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