Laura Stellbrink appelliert an Sachsens Frauen, sich stärker in die Politik einzubringen

Für alle LeserAlte Männer machen alte Männerpolitik. Und sie schüren mit ihrer alten Politik auch wieder die alten Vorurteile gegen Schwächere. Auch gegen Frauen. Das macht die gegenwärtigen Veränderungen im Wählerverhalten so seltsam vorgestrig. Wo bleiben die Frauen, fragt sich deshalb Laura Stellbrink. Die Chemnitzerin ist Mitglied im Landesvorstand der SPD. Und 100 Jahre Frauenwahlrecht sollten Frauen eigentlich ermutigen, Flagge zu zeigen.
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Sie hatten lange darum gekämpft, endlich wählen zu können. Es war eines der zentralen Ziele jener alten SPD, die Emanzipation noch als zentrales Wahlkampfthema begriff. Und mit der Gründung der Republik am 9. November 1918 kam auch endlich das Frauenwahlrecht.

Seit 100 Jahren können Frauen wählen und gewählt werden. Was heute normal erscheint, wurde hart erkämpft. Und trotzdem feiert mit der AfD eine Partei Erfolge, die mit mehr Emanzipation überhaupt nichts am Hut hat. Uralte Rollenbilder werden wieder hervorgekramt, uralte Macho-Verhaltensweisen gelten auf einmal wieder als politiktauglich. Und das mit einer Partei, die schon beim normalen Anblick von alten, grimmigen Männern dominiert wird, denen man nicht im Traum das Wort alternativ zugestehen würde.

Für Laura Stellbrink, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen in Sachsen (ASF), ein Unding. So kann Zukunft nicht aussehen. Auch nicht in Sachsen.

Und deshalb appelliert sie an die sächsischen Frauen, sich nicht schon wieder von alten weißen Männern hinter den Ofen führen zu lassen. Denn die Lösungen dieser Männer sind nun einmal auch wieder nur die alten – die auch Männern nicht guttun. Auch jenen Männern nicht, die mit einer offenen und vielstimmigen Gesellschaft so überfordert sind. Und wohl auch überfordert sind, wenn Frauen einen anderen Umgang miteinander fordern.

Mehrfach hat ja Margarete Stokowski in ihrer „Spiegel“-Kolumne als mögliche Erklärung für den Aufstieg der Rechtsradikalen angeboten, das als letzten Aufstand überforderter Männer mit alten Wertvorstellungen zu begreifen, die sich als Verlierer der Moderne begreifen und so gern die alten, starren Gesellschaftsmuster aus Kaisers Zeiten zurückhätten, wo Frauen noch gehorchten, sich um Heim und Kinder kümmerten und Männer am Familientisch keinen Widerspruch dulden mussten.

Eine dekretierte Einfachheit also, die eben nicht nur Ausländern, Homosexuellen und anderen Minderheiten das Wort entziehen möchte, sondern letztlich auch den Frauen. Zumindest denen, die einen eigenen Kopf haben und sich von griesgrämigen Männern nicht alles gefallen lassen.

Und in Sachsen haben sie damit augenscheinlich besonders viel Erfolg, weil der Boden von einer reformunwilligen Staatspartei schon länger bereitet wurde. Denn wer Probleme nicht lösen will und mit den Bürgern nicht kommunizieren möchte, der spielt den strengen Familienpatriarchen und setzt auf „Sicherheit und Ordnung“ oder spielt – wie der alte BfV-Chef Maaßen, der Noch-Innenminister Seehofer oder der neue BAMF-Chef Sommer-  den „Hardliner“. Setzt also auf das Drohung-und-Strafe-Prinzip, statt konstruktive Lösungen mit den Betroffenen gemeinsam zu suchen. Es ist das alte Chef-Prinzip, das so gern am Erstarrten festhält.

Das hat mit Zukunftsgestaltung nichts zu tun. Und Sachsen braucht endlich wirklich aufmerksame Zukunftsgestalter. Männer wie Frauen.

„Wir leben in einem Bundesland, in dem eine kleine Minderheit versucht, die Themen in Sachsen zu dominieren. Rechte Gruppierungen marodieren über die Straßen, zeigen den Hitlergruß und machen Jagd auf Menschen, die anders denken oder aussehen. Was ich dabei kaum sehe, sind Frauen. Die AfD ist eine Männerpartei, sie wird von Männern gewählt, von Männern geleitet. Dies ist auch kaum verwunderlich, vertritt die sogenannte Alternative doch eine Politik, die uns in puncto Emanzipation ins Mittelalter zurückbefördern würde“, sagt die Chemnitzerin.

Der in der sächsischen Politik eindeutig die weiblichen Stimmen fehlen.

„Sachsen braucht insbesondere deshalb eine laute Stimme der Frauen. Doch zu wenige Frauen sind politisch aktiv“, stellt Stellbrink fest. „Sie sind kaum gewerkschaftlich gebunden. Sie finden sich seltener in gesellschaftlichen und politischen Bewegungen. Gerade jetzt brauchen wir jedoch ihre Stimmen, um unsere Interessen zu bewahren und verteidigen. Wir brauchen im Kampf für die Demokratie eine aktive und laute Zivilgesellschaft. Es reicht daher nicht, dass die Frauen weiterhin vornehmlich nur ihr Wahlrecht nutzen, sondern sie müssen sich auch aktiv einmischen.

Ich möchte die Frauen dazu ermuntern, sich insbesondere im nächsten Jahr einzubringen. Sie müssen für ihre Rechte kämpfen, die ihnen die AfD gerne nehmen würde. Ich glaube sogar, die Frauen haben eine Schlüsselrolle in unserem Sachsen, um eine rechte Mehrheit in unserem Land zu verhindern. Diese würde unser Leben und das unserer Kinder und Enkel definitiv schlechter machen. Frauen mischt Euch ein, es ist auch Euer Land!“

Beim Lichtfest 2018 zeigten Eva Meitner und das Freie Orchester Leipzig, was Frauen können, wenn sie dürfen

EmanzipationFrauenwahlrecht
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