Leserbeitrag von Bert Sander (Stadtrat / WVL): Und nächtlich grüßt DHL – Zum Beitrag von Carsten Schulz „Und nächtlich grüßt das Murmeltier …“

Sehr geehrter Herr Schulze, ich verstehe bereits die Überschrift Ihres Artikels nicht: Klar, Sie spielen mit dieser auf die US-amerikanische Filmkomödie "Und täglich grüßt das Murmeltier" von 1993 an. Die Komödie handelt von dem Läuterungsprozess des so arroganten wie auch zynischen TV-Wetteransagers Phil Connors, dem es davor graut, seiner alljährlichen Verpflichtung nachzukommen, nämlich vom 2. Februar als dem Tag des Murmeltiers zu berichten. Conners sitzt in der Zeitschleife fest, muss wieder und wieder das Immergleiche berichten bzw. durchleben.
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Lieber Herr Schulze, auf was bezieht sich nun Ihre Überschrift „Und nächtlich grüßt das Murmeltier“? Wollen Sie damit etwa sagen: „Und nächtlich grüßt/weckt DHL & Co. Leipziger Bürger“? Ich denke, so ich die Tendenz Ihres Beitrags betrachte, wohl nicht, ich befürchte vielmehr, Sie spielen damit auf die immer wiederkehrenden, sich verzweifelnd wiederholenden Klagen der Flughafen-Anrainer an.

Zunächst, sie meinen am Ende Ihres Artikels, dass sich „keiner trauen [außer Ihnen selbstverständlich][würde], belastbare echte Argumente auf den Tisch zu legen. Stattdessen schwingen Vorwurf und Unverständnis oder Starrsinn mit“. Ich frage Sie, waren Sie jemals z.B. bei den Sitzungen des Flughafenforums anwesend, wissen Sie von den sehr wohl qualifizierten Diskussionen, die in den Sitzungen der entsprechenden Bürgerinitiativen geführt werden? Glauben Sie mir bitte, die beteiligten Bürger können alle bis sechse zählen, können lesen – und sie lesen nicht etwa nur, um nicht denken zu müssen.

So etwa haben selbst die Bürgerinitiativen schon lange geschnallt, dass das „verbesserte Anflugverfahren mit steilerem Landewinkel (CDA)“, worauf Sie richtigerweise, jedoch leider in recht belehrender Art hinweisen, „auch nur ein Papiertiger“ ist.

Zum Thema „Bahnverteilung“ geben Sie den Bescheid, dass „Auswahl der Bahnen in der Summe keine lärmreduzierende Auswirkung, die in irgendeiner Form spürbar für Anrainer ist“ leisten würde. Wenn das so ist, stellt sich allerdings die Frage, warum nach der öffentlichen Auslegung der Planfeststellung 2004 eventuelle Bürgereinwände bezüglich der Lärmbelastung mit dem Hinweis auf die „Auflage zur Gleichverteilung der Flugbewegungen auf beide Start- und Landebahnen“ (laut Urteil des BVerWG vom 9.11.2006 zur „Empfehlung“ heruntergestuft) abgewiesen wurden. Man fragt sich zudem, warum technisch versierte Experten erst heute darauf hinweisen, dass die 50/50 Verteilung nichts an Lärmentlastung bringen wird, warum eigentlich wurde das nicht bereits 2004 offengelegt – oder anders gefragt: Erfüllt der Planfeststellungsbeschluss von 2004 den Tatbestand einer bewussten und somit arglistigen Täuschung des Bürgers?
Und weiter schreiben Sie: „Die Gleichverteilung wurde außerdem über den Gesamtzeitraum planfestgestellt, schließt also die Tageszeit mit ein und wird somit auch eingehalten.“ Selbst dann, wenn am Tage der Verkehr allein über die Nordbahn und der Nachtverkehr ausschließlich über die Südbahn abgewickelt werden würde, wäre damit der im Planfeststellungsverfahren in Aussicht gestellten Gleichverteilung von 50/50 noch lange nicht entsprochen. Das Planfeststellungsverfahren spricht – so zumindest meine Interpretation – von einer 50/50 Verteilung sowohl am Tag als auch in der Nacht – von einer Gleichverteilung nach dieser Maßgabe kann nun aber beim besten Willen keine Rede sein. Die ganze Diskussion um die Bahnverteilung ist allerdings sehr lehrreich, denn sie zeigt vor allem eines, dass nämlich wirtschaftliche Erwägungen heute gerne in Sicherheitsbedenken umgemünzt werden.

Weiter: Sie schreiben, das die Behauptung, „die Südbahn [sei] nachts die lauteste Lärmquelle im Land“, eine „dimensionslose These“ darstelle. „Anwohner der mitten durch Ortschaften verlaufenden Eisenbahnstrecke Karlsruhe – Basel werden da ganz anderer Meinung sein, wenn Güterzüge im Blockabstand direkt vor der Haustür verkehren.“ Der Hinweis, dass es anderswo auch schlimm ist, ist kein redliches, eher ein zynisches, jedenfalls kein hinreichendes Argument gegen die Klagen der Flughafenanrainer. Wollen Sie mit Ihrer „Klarstellung“ gar behaupten, dass die Bürger einfach nur an Übertreibung, Sinnesstörungen oder Phantomschmerzen leiden.

Zu guter Letzt, mit Ihrer Generalabrechnung, dass „die Flugrouten-Debatte stets nach dem St. Florians-Prinzip ausgerichtet“ wäre, denunzieren Sie einfach mal alle Bemühungen um aktiven Lärmschutz bzw. stellen die engagierten Bürger, die in dem übergreifenden Netzwerk „Zukunft Leipzig“ für eine Gleichverteilung des Lärms kämpfen, als nur zynische Egozentriker hin.

Lieber Herr Schulze, noch eine Frage bei dieser Gelegenheit: Verdanken wir Ihnen den jährlich wiederkehrenden / „täglich von der Wand grüßenden“ Flughafenkalender „LEJ Flughafen Leipzig-Halle 2012“ (Konzept, Text & Fotos: Carsten Schulze)? – in diesem Zusammenhang allerdings passt dann das von Ihnen strapazierte Bild „Und täglich grüßt das Murmeltier“.

Zum Leserbeitrag von Carsten Schulze vom 13. November 2012 auf L-IZ.de
Leserbeitrag von Carsten Schulze zum Flughafen Leipzig/Halle: Und nächtlich grüßt das Murmeltier …

Zum Leserbrief vom 14. November 2012 auf L-IZ.de

Zum Leserbeitrag von Carsten Schulze zum Flughafen Leipzig/Halle: Und nächtlich grüßt das Murmeltier …


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