Zumindest das Sächsische Umweltministerium nimmt das Thema Klimaveränderung in Sachsen seit ein paar Jahren ernst. Dazu waren die Flutereignisse von 2002 und 2013 zu deutlich in ihrer Sprache. Aber um belastbare Zukunftsprognosen zu bekommen, gibt es regelmäßig Studien in Auftrag. Die jüngste lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Die Sachsen müssen sich auf mehr Starkregen im Sommer und Trockenphasen im Frühjahr einstellen.

Das ist das Ergebnis von Forschungsarbeiten der TU Dresden, die Umweltminister Frank Kupfer am Dienstag, 5. August, gemeinsam mit Professor Christian Bernhofer vom Institut für Hydrologie und Meteorologie der TU vorgestellt hat.

“Die Ergebnisse sind nicht nur für die Analyse der regionalen Auswirkungen des Klimawandels auf Sachsen erforderlich, sie sind vor allem wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung unserer Anpassungsstrategien”, betonte der Minister. “Für die Landwirtschaft bedeutet diese Entwicklung beispielsweise, dass gerade in der Wachstumsperiode Niederschläge ausbleiben – dann, wenn sie gebraucht werden”.

Aber er benannte auch ein Problem, bei dem er sich seit Jahren wie ein Rufer in der Wüste vorkommen muss: den zunehmenden Verlust wertvoller Böden, die mit jedem stärkeren Regen in die Flüsse gespült werden.

“Lokale Starkregen im Sommer führen aber ebenfalls zu Problemen, sei es durch Erosion wertvollen Ackerbodens in der Landwirtschaft, durch Überstau in städtischen Kanalnetzen oder durch Hochwasser kleinerer Gewässer”, benannte Frank Kupfer mehrere Aspekte dieser veränderten Witterung. Auch die Tendenz zum häufigeren Wechsel von Trockenperioden und Starkregen im Sommer erhöhe die Risiken in Land-, Forst- und Wasserwirtschaft. “Wir werden die jetzt vorliegenden neuen Erkenntnisse deshalb nutzen, um gemeinsam mit regionalen Entscheidungsträgern und Akteuren in Sachsen die notwendigen Konsequenzen daraus abzuleiten.”Da kann man gespannt sein. Denn auf der Tagesordnung stehen diese Themen alle seit Jahren. Doch das sächsische Umweltministerium ist auch gleichzeitig Landwirtschaftsministerium und damit sitzt die starke Lobby der großen und stark intensivierten Agrar-Betriebe dem Minister quasi auf dem Schoß. Diese Lobby hat auch beste Verbindungen in die größte Koalition des Landtages. Und sie hat nicht nur das 2002 angedachte Programm, die in den Flussauen angelegten Agrarflächen wieder für Überflutungen zu öffnen, ausgebremst, sie wehrt sich auch gegen jede Strategie des Feldumbaus. Und das nicht nur bei der Anlage von erosionshemmenden Grünstreifen, sondern auch beim Schutz wichtiger Fluchträume für Flora und Fauna. Es wird konsequent alles untergepflügt, was die Erträge zu schmälern droht. Dass man dabei den kostbaren Acker selbst verliert, passt nicht ins kurzfristige Denken der Betroffenen.

Die Ergebnisse der Studie bestätigen zum einen auch die bisherigen Erkenntnisse zum Temperaturanstieg. Danach ist die Jahresmitteltemperatur in Sachsen in den letzten 30 Jahren im Vergleich zum Zeitraum 1961 bis 1990 um 0,6 Grad gestiegen. Die Zahl der Sommertage mit Temperaturen über 25 °C hat um 17 Prozent zugenommen, gleichzeitig nahm die Zahl der Frosttage mit Temperaturen unter 0 °C um 3 Prozent ab.

Zum anderen liegen nun erstmals Aussagen zur Auftrittswahrscheinlichkeit und zur Intensität von Starkregen in Sachsen vor. Danach haben Starkregen im besagten Zeitraum um 8 Prozent zugenommen, ihre Intensität – gemessen in Millimeter je (Regen-)Ereignis – hat sich um 10 Prozent erhöht. Es kommt also bei solch einem Ereignis in kurzer Zeit deutlich mehr Wasser herunter, das dann – wie in den letzten Tagen auch in Leipzig mehrfach erlebt – zu überlaufenden Kanälen und überschwemmten Straßen führt.

Interessant ist aus Sicht des Ministeriums vor allem ein Blick auf die Entwicklung der Niederschläge in der sogenannten Vegetationsperiode I (VG I, April bis Juni) bzw. VG II (Juli bis September). In den wichtigen Wachstumsmonaten April bis Juni sind in den letzten 30 Jahren im Vergleich zu 1961 bis 1990 nicht nur die Niederschläge um 12 Prozent zurückgegangen, sondern auch die Starkregen um etwa 15 Prozent. Zugleich nahmen die Niederschläge in der darauf folgenden Vegetationsperiode von Juli bis September um 12 Prozent zu, die Starkregen im gleichen Zeitraum um rund 18 Prozent.

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