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Der Bischof geht: Landeskirchenleitung Sachsen nimmt Rücktritt Rentzings an

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    Per 31. Oktober 2019 wird Dr. Carsten Rentzing nicht mehr Bischof der Evangelischen Landeskirche Sachsens sein. Am heutigen 21. Oktober erklärte der Landeskirchenvorstand Sachsens in einer Pressekonferenz, hierin „Einvernehmen mit dem Wunsch“ Rentzings vom 11. Oktober herzustellen und seinen Rücktritt anzunehmen. Dabei schilderten die Anwesenden um Synoden-Präsidenten Otto Guse nähere Einzelheiten zu den Absprachen mit Rentzing und die Neuwahl im Jahr 2020.

    Otto Guse, Präsident der sächsischen Landessynode, übernahm am heutigen Tag die Hauptbotschaft zur näheren Zukunft der Evangelischen Landeskirche Sachsens. Und gab auf einer live vom MDR übertragenen Pressekonferenz das Ende Carsten Rentzings als Bischof der Kirche bekannt. „Ich muss das Wort eines Landesbischofs respektieren“, so Guse, „ich kann ihn nicht zwingen, gegen seinen Willen Landesbischof zu sein“.

    Ein weiteres Erklären abzuwarten, erschien nicht mehr hilfreich, da man sich ja in der Trennung einig sei. Das letzte Mal habe man sich dazu am Samstag unterhalten, er befinde sich weiterhin im Urlaub.

    Die weitere Zukunft für Rentzing ist offen, doch die Landeskirchleitung will mit ihm sprechen, welche Rolle und Funktion er zukünftig in Sachsen übernehmen möchte. Gesundheitlich ginge es ihm soweit gut. Das einzige was Rentzing derzeitig angekündigt habe, ist eine weitere Erklärung seinerseits bei der Herbsttagung der Landessynode am 15. November 2019, dann bereits nicht mehr als Landesbischof.

    Damit bleibt das Interview der L-IZ.de vom 2. Oktober 2019 (veröffentlicht am 6.10.2019) auch weiterhin die letzte große Wortmeldung von Carsten Rentzing als Landesbischof zu sich, seinen Ansichten heute und die Vergangenheit.

    Im weiteren Verlauf würde am 2. November eine erweiterte Landessitzung der Synode stattfinden. Dann werden laut Otto Guse zwei Fragen zu klären sein. „Wie gehen wir in Zukunft mit den Personen im Amt um. Ob hierbei Petitionen sinnvoll sind“, wird man klären müssen. Eine weitere Frage sah Guse in der Auseinandersetzung, „was ist rechtsextrem und was ist ein wertekonservativer Christ.“ Dabei spielte er auf die Bergpredigt als möglichen Maßstab für die Zukunft an.

    Die Neuwahl des Landesbischofs oder der Landesbischöfin soll am 29. Februar 2020 und 1. März 2020 stattfinden, dazu gäbe es bereits einen Terminplan. Auf die alten Texte Rentzings und seine Verbindungen bis heute gefragt, kündigte Otto Guse an, dass man die kommenden Kandidaten „durchleuchten“ würde, „soweit uns das möglich ist“. Man sei schließlich kein „Staatsschutz“, so Guse.

    Inhaltliches in Rückschau und Vorausblick

    Die AfD bezeichnete die Landeskirchenführung in Person von Otto Guse als „zugelassene Partei“, dennoch müsse man darüber reden, wie man aus kirchlicher Sicht mit ihrer Position umgehe. So zum Beispiel mit der Forderung „Grenzen zu“, wo man sich doch fragen müsse, wie man das realisieren möchte – auf Kinder schießen?

    Zur Bezeichnung der früheren „Fragmente“-Texte durch die Landeskirche als „demokratiefeindlich und nationalistisch“ klärte Guse auf, dass alle Formulierungen dabei sogar mit Rentzing abgestimmt gewesen seien. Auch hierin stimme also Rentzing mit der Bewertung der Landeskirche zu seinen eigenen „Fragmente“-Texten aus 1990 und 1991 überein. „Der Landesbischof hat mir persönlich gesagt, er schämt sich dafür“, so Guse dazu abschließend.

    Die dubiose Unterstützer-Onlinepetition von „Citizen Go“ fand der Präsident ebenfalls sehr fragwürdig. Er habe selbst prüfen lassen, dass man da mehrfach unterzeichnen konnte, was möglich war. Gleichzeitig berichtete er, dass er von realen Unterzeichnern der Petition angesprochen worden sei – welche aber überrascht reagierten, als er denen erklärte, dass es Rentzings Wunsch sei, aus dem Bischofsamt zu scheiden.

    Im Übrigen habe Guse selten so einen großartigen Landesbischof wie Carsten Rentzing erlebt. „Ich würde mich jederzeit unter seine Kanzel setzen, wenn er das Wort auslegt.“, lobte Guse das Wirken des scheidenden Landesbischofs während der Pressekonferenz.

    Ideen jedoch, wie die Einheit der Landeskirche nach den öffentlichen Debatten und tiefgehenden Fragen der letzten Wochen wieder herzustellen sei, habe er derzeit noch nicht. Da ging es ihm heute ähnlich, wie seinen Begleitern Thilo Daniel und Landeskirchenamts-Präsident Hans-Peter Vollbach. Eine Person allein kann dies wohl auch nicht schaffen.

    Zur offiziellen Pressemitteilung der Evangelischen Landeskirche Sachsen vom 21. Oktober 2019

    Nachtrag: Wie das Kirchenblatt „Der Sonntag“ berichtet, haben heute parallel zur Pressekonferenz „vor dem Dresdner Landeskirchenamt rund 100 Menschen für den Verbleib des evangelischen Theologen im Amt demonstriert.“ Initiiert habe die als „Mahnwache“ bezeichnete Versammlung der Dresdner Rechtsanwalt Christoph von Mohl.

    In der offiziellen Pressemeldung der Landeskirche Sachsen heißt es hingegen: „Vor dem Hintergrund seiner Erklärung an die Kirchenleitung wurde in diesem Gespräch noch einmal ausdrücklich nachgefragt, ob er damit seine Rücktrittserklärung zurücknehmen will, was der Landesbischof eindeutig verneint hat.“

    Diese Erklärung wurde heute auch auf der Mahnwache verlesen.

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