Liga halten und eine Aufstiegshoffnung: RB-Coach Alexander Zorniger und Lok-Trainer Marco Rose im Interview

Die Voraussetzungen könnten unterschiedlicher für beide Trainer gar nicht sein. RB-Chefcoach Alexander Zorniger kann mit dem Weltkonzern Red Bull im Rücken aus dem Vollen schöpfen, verfügt über einen erstklassigen Trainer- und Betreuerstab, lässt die Seelen seiner Profis von einem Sportpsychologen streicheln und auf einem erstligareifen Trainingsgelände zum Üben antreten.Lok-Chef-Coach Marco Rose dagegen muss unter semiprofessionellen Bedingungen arbeiten, hat rund ein Zehntel des Etats von RB zur Verfügung und will trotzdem mit seinem Team in der neuen Regionalliga bestehen.
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Die L-IZ sprach mit Alexander Zorniger über die kommende Saison, den Lokalrivalen Lok Leipzig und auch mit seinem Kollegen von Lok: Marco Rose.

Für Zorniger sind Derbys immer etwas Besonderes. Erst recht, wenn es, wie bereits im dritten Spiel der anstehenden Saison gegen Lok geht: „Wer etwas anderes behauptet, der lügt. Ich sehe schon, dass es einen besonderen Reiz hat mit sämtlichen Konstellationen, die man sich nur vorstellen kann. Aber ich muss Ihnen auch ehrlich sagen, jetzt bereiten wir uns auf Union vor.“ Seinen Kollegen Marco Rose kennt er bisher nicht persönlich: „Ich wusste gar nicht, dass er aus Leipzig kommt. Aber mein Co-Trainer Tamas Bodog hat mit ihm zusammen gespielt. Ich habe auch das mit seiner Kreislaufgeschichte mitbekommen, es hat sich aber Gott sei Dank herausgestellt, dass es nicht ganz so schlimm ist. Das hat uns dann auch beruhigt.“
Mit dem Team von Lok hat Zorniger sich noch nicht wirklich auseinandergesetzt, konzentriert sich lieber auf die eigenen Stärken: „Ich kenne die Truppe noch nicht so gut, um ein faires Urteil zu fällen. Ich tue mich noch schwer damit, die Gegner einzuschätzen. Und bei so einem Derby geht es auch nicht unbedingt darum, wie man seinen Gegner einschätzt, sondern darum, wie man seine eigene Truppe auf den Platz bringt. Da geht es um Zweikämpfe, um Emotionen, um aktiv sein auf dem Platz, und das werden wir an dem Spieltag auch versuchen auf den Platz zu bringen.“

Der Schwabe ist sich bewusst, dass seine favorisierte Truppe starke Konkurrenz hat, wenn es um das RB-Ziel Nummer eins, den Aufstieg geht: „Ich schätze Zwickau relativ stark ein, dazu noch Carl-Zeiss-Jena als Absteiger, ohne dass man genau weiß, wie stark sie wirklich sind.“ Seinen eigenen Kader jedenfalls hält er für so stark, dass keine weiteren Verstärkungen nötig sind: „Im Moment nicht. Wir müssen noch sehen, wie sich das mit der U-23-Geschichte entwickelt, da sich Tom Nattermann ja verletzt hat und wir so nur noch vier U-23-Spieler im Kader haben. Da müssen wir mal schauen, aber sonst ist momentan nichts geplant. Tom fällt leider rund 8 Wochen aus, muss nach der ausgerenkten Schulter im letzten Spiel operiert werden. Da muss er durch. Ich habe ihm gesagt, dass Verletzungen zum Sport gehören.“
Einen klassischen Spielmacher hält Zorniger übrigens aufgrund seines 4-4-2-Systems für nicht nötig: „Wir spielen ohne einen expliziten Spielmacher mit der Zehn. Aber wir haben mit allen Sechsern Leute, die fähig sind, das Spiel zu gestalten.“ Mit dem Druck, der „Gejagte“ der Liga zu sein, muss sein Team umgehen können: „Die Mannschaft macht gerade einen extrem stabilen Eindruck. Es ist nichts Neues für die Mannschaft, die diese Situation jetzt das dritte Jahr hintereinander erlebt. Jedenfalls ein Großteil der Spieler. Sie sind unglaublich lernwillig und nehmen alles auf. Wir haben jetzt noch anderthalb Wochen bis zum Saisonauftakt und da werden wir willig und spritzig sein.“

Auch bei Zorniger wird Daniel Frahn wieder die Rolle des Mannschaftskapitäns übernehmen: „Und dann haben wir noch erfahrene Spieler wie Tim Sebastian, die die Hierarchie in der Mannschaft gestalten können.“ Einen Tipp für das Lokalderby gegen Lok will er nicht wagen: „Ich tippe grundsätzlich nicht, wenn es um mein eigenes Team geht. Aber ich wäre alles andere als begeistert, wenn wir nicht gewinnen.“

Auch für Zornigers Lok-Kollege Marco Rose hat das Spiel gegen RB seinen ganz eigenen Reiz: „Ein Derby ist ein Derby, wenn zwei Vereine in einer Stadt in der gleichen Liga spielen, ist das immer etwas Besonderes. Und unseren Fans ist es sehr wichtig, dass wir unseren Verein in der Stadt würdig vertreten. Das birgt schon eine gewisse Brisanz. Aber um ehrlich zu sein, ich habe mich bisher nur auf das erste Spiel gegen die Zweite von Hertha konzentriert.“
Bezüglich RB bewertet er besonders die Entscheidung, Ralf Rangnick als Sportdirektor einzuführen, als positiv für den Rivalen: „Sicher hat RB außergewöhnliche Möglichkeiten, auch finanziell. Allerdings hat das bisher auch nicht zum Erfolg geführt. Aber ich denke, dass in den letzten Wochen mit dem neuen Sportdirektor Ralf Rangnick konzeptionell gearbeitet wurde. Das war eine gute und richtige Wahl. Über kurz oder lang wird sich der Erfolg einstellen. Ob es für den Aufstieg über die Relegation reicht, wird man sehen.“

Nach der Konkurrenz in der Liga will auch Rose nicht wirklich schielen: „Das sind nicht unsere Sphären. Für uns ist jeder in der Liga ein harter Konkurrent. Ich denke, dass alle Mannschaften, die unter professionellen Bedingungen arbeiten, einen gewissen Wettbewerbsvorteil haben.“ Von den Möglichkeiten, die RB hat kann Rose nur träumen, aber eine Verstärkung im Team könnte Lok seiner Ansicht nach schon gebrauchen. Allerdings mit Einschränkungen: „Wir können keine großen Sprünge machen, weil wir auch finanziellen Zwängen unterliegen. Bis jetzt haben wir uns ganz gut verstärkt. Aber in der Offensive geht immer was.“

Der Rest ist Arbeit: „Die Jungs sind in Ordnung und wir versuchen, so professionell wie möglich zu arbeiten. Was das Team ­bisher geleistet hat, ist außergewöhnlich. Wenn der Wettkampf da ist, werden wir sehen, wie stark die Mannschaft vom Kopf her ist. Dafür haben die Jungs hart trainiert, Laufbereitschaft, Aggressivität, Disziplin und Engagement sind da. An dem Rest arbeiten wir täglich hart, sehr hart. Und das ist mit das Wichtigste.“ Auch er will sich, was die Partie gegen RB betrifft, nicht festlegen: „Ein Ergebnis tippe ich nicht. Aber ich möchte mich bei RB bedanken, dass sie das Heimrecht zu unseren Gunsten getauscht haben. Das ist sehr wichtig für uns. Wir werden als Lok Leipzig versuchen, an dem Tag unsere bestmögliche Leistung abzurufen, um RB nicht nur Paroli zu bieten, sondern auch zu gewinnen.“ Aber da die Saison natürlich nicht nur aus dem Spiel gegen RB besteht, hat Marco Rose sich noch etwas auf die Fahne geschrieben: „Jeder weiß, um was es geht. Wir wollen uns in der Liga etablieren.“

Das Derby findet am 2. September in der Red Bull Arena statt. Anpfiff ist 14 Uhr.


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