Wie eine heiße Kartoffel hatten sich beide Kontrahenten im Vorfeld gegenseitig die Favoritenrolle zugeworfen. Folgerichtig ging es am Samstagabend im ausverkauften Sportzentrum Ösch auch denkbar knapp zu. Hatte Rekordmeister HCL zur Halbzeit noch mit 12:14 die Nase vorn, gerieten die Gäste im zweiten Durchgang immer wieder ins Hintertreffen. Erst ein Schlussspurt in den letzten fünf Minuten sicherte den wichtigen Auswärtssieg.

Der HC Leipzig reiste mit dem frischen Erfolgserlebnis der gewonnenen Champions-League-Quali nach Metzingen. Allerdings hatte sich der Kader durch den zusätzlichen Ausfall von Helena Hertlein weiter dezimiert. Als Verstärkung für die Linksaußen-Position holte Trainer Norman Rentsch deshalb die Juniorin Lisa-Marie Ostwald ins Team.
In ausverkauftem Haus konnten die Gäste aus Leipzig anfangs vorlegen und führten nach zehn Minuten beim 3:5 erstmals mit zwei Toren. Immer wieder stand ihnen allerdings der Pfosten im Weg, so dass es weiterhin eng blieb (5:5/ 13.). Nachdem es bis zum Stand von 9:9 immer an Metzingen war, einem Rückstand hinterher zu laufen, wendeten die Baden-Württemberger mit dem 10:9 (24.) durch Marlene Zapf das Blatt – zumindest vorerst. Denn zur Halbzeit hieß es wieder 12:14 für den HCL.

Das klang zwar gut, doch in der zweiten Hälfte sollte das Team von Norman Rentsch noch einmal richtig um die Punkte zittern müssen. Denn mit dem 17:16 (36.) durch Julia Behnke schienen die Metzinger auf die Siegerstraße eingebogen zu sein. Mitte der zweiten Halbzeit distanzierten sie den HC Leipzig sogar um drei Tore (20:17/ 21:18), soweit waren beide Mannschaften an diesem Tag noch nie auseinander.

Doch eines hatte das legendäre Quali-Finale gegen Budapest die Leipziger Handballerinnen gelehrt: Niemals aufzugeben. HCL-Kapitänin Karolina Kudlacz ging mit gutem Beispiel voran. Ihr gelangen drei Treffer in Folge, womit sie ihr Team mit 23:23 (54.) erstmals wieder auf Augenhöhe brachte.

Die letzten fünf Spielminuten boten beste Handball-Unterhaltung. Ein verdeckter Wurf von Maura Visser bescherte den Blau-Gelben mit dem 24:25 (57.) endlich wieder eine Führung, die Anne Hubinger sogar noch ausbeuate (24:26/ 59.). War das bereits die Entscheidung? Metzingen reagierte mit einer Auszeit – und prompt klingelte es im HCL-Kasten. Shenia Minevskaja traf mit ihrem zehnten Tor des Tages zum 25:26-Anschluss, und auf der Uhr stand noch eine Minute.

Leipzig hätte mit seinem letzten Angriff alles klar machen können, doch der Ball ging verloren. Metzingen wollte unbedingt den Ausgleich – und bekam zehn Sekunden vor Schluss noch einen Freiwurf zugesprochen. Doch Katja Schülke – die eine überragende Partie zwischen den Pfosten ablieferte – entschärfte den Wurf von Cassandra Engel. Der HCL-Sieg war perfekt.
TuS Metzingen vs. HC Leipzig 25:26 (12:14)
1. Bundesliga, 4. Spieltag

TuS Metzingen: Jankovic, Lengyel – Engel (2), Leibssle-Balogh, Covic, Kubasta, Stefani, Loerper (3/2), Minevskaja (10/1), Zapf (5), Großmann, Beddies (1), Temes, Behnke (4). Trainer: Alexander Job.
HC Leipzig: Schülke, Roth – Visser (7/1), Mazzucco (1), A.Müller (1), Schulze (4/1), Kudlacz (8/1), Hubinger (5), Ioneac, Urbicht, Rösike, Ostwald. Trainer: Norman Rentsch.

Schiedsrichter: Philipp Dinges/ Daniel Kirsch. Zwei-Minuten-Strafen: Metzingen 2x (Engel, Minevskaja), HCL 4x (Visser, Schulze, Kudlacz, Rösike). Siebenmeter: Metzingen 3/4 (Loerper 2/2, Minevskaja 1/2), HCL 3/5 (Visser 1/2, Schulze 1/1, Kudlacz 1/2). Zuschauer: 745 (ausverkauft) im Sportzentrum Ösch, Metzingen.

Alle Ergebnisse und die aktuelle Tabelle:
www.hbf-info.de

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