Es wurde bei den Handballerinnen des HC Leipzig durchaus schon ausgelassener gefeiert als nach dem knappen Sieg gegen Blomberg-Lippe am Samstag. Denn trotz mehrmaliger Sieben-Tore-Führung wären den Blau-Gelben in den letzten Spielminuten fast noch wichtige Punkte flöten gegangen. So kann der HCL weiter auf den Titel hoffen und liegt drei Spieltage vor Saisonende mit dem Thüringer HC und Metzingen gleichauf.

Was für ein packender Endspurt um die Deutsche Handballmeisterschaft der Frauen! Erst am letzten Spieltag wird sich entscheiden, welcher der drei Titelkandidaten die begehrte Trophäe in die Luft recken darf. Ausrutscher darf sich in diesem engen Kopf-an-Kopf-Rennen keiner mehr erlauben. Und doch wäre dem HCL gegen das Mittelfeld-Team aus Blomberg-Lippe fast ein solcher widerfahren.

Auch ohne die angeschlagene Kapitänin Karolina Kudlacz-Gloc (leichter Muskelfaserriss) hatten die Leipzigerinnen vor 1.984 Zuschauern das Geschehen in der Arena zunächst im Griff. Nach ausgeglichener Anfangsphase (4:4/ 8.) sorgte der HCL mit einer Fünfer-Serie und daraus resultierender 9:4-Führung (14.) für ruhiges Fahrwasser.

Der Vorsprung wuchs sogar weiter – beim 13:6 (19.) waren es erstmals sieben Tore Plus. Diese Differenz verteidigten die Gastgeberinnen mit 14:7 (21.) und 16:9 (24.) erfolgreich. Als sich die Ersten vermutlich bereits fragten, wann es denn nun zweistellig werden würde, knirschte es plötzlich im Getriebe. Vorn wollte kein Ball mehr im Netz zappeln, hinten jedoch machte Blomberg vier am Stück rein und verkürzte auf 16:13 (28.).

Abwehraktion des HCL-Blocks bei einem Wurf von Gisa Klaunig. Foto: Jan Kaefer
Abwehraktion des HCL-Blocks bei einem Wurf von Gisa Klaunig. Foto: Jan Kaefer

Der Spuk schien vorbei, als Franziska Mietzner das Ergebnis innerhalb einer Minute durch zwei Tore wieder gerade rückte und damit für einen in dieser Höhe auch leistungsgerechten 18:13-Halbzeitstand sorgte. Als dann nach Wiederbeginn zunächst Saskia Lang (20:13/ 33.) und später Shenia Minevskaja (24:17/ 42.) den “alten” Sieben-Tore-Vorsprung wieder hergestellt hatten, vermutete wohl niemand, dass Leipzig in den letzten Minuten der Partie noch einmal um den Sieg zittern würde.

“Wir haben es einfach verpasst, den Vorsprung immer weiter auszubauen. Wir waren zu unkonzentriert und haben zu einfache Fehler im Angriff gemacht. Dadurch hat sich Blomberg mit seiner jungen, kämpferischen Truppe wieder herangekämpft”, fasste Shenia Minevskaja das Geschehen der Schlussphase zusammen. Denn in der 51. Minute waren die Gäste dem HCL bereits mit 25:23 auf die Pelle gerückt und spürten, dass hier vielleicht doch noch etwas mitzunehmen wäre.

Beim Wurf von Luisa Schulze können die beiden Blombergerinnen Laura Rüffieux (li.) und Alicia Stolle nur hinterher schauen. Foto: Jan Kaefer
Beim Wurf von Luisa Schulze können die beiden Blombergerinnen Laura Rüffieux (li.) und Alicia Stolle nur hinterher schauen. Foto: Jan Kaefer

Wie nervös Leipzig diese Aufholejagd – und die ein oder andere Schiedsrichterentscheidung – gemacht hatte, war unter anderem an der Tatsache abzulesen, dass selbst Nationaltorhüterin Katja Kramarczyk kurzzeitig ihre gewohnte Souveränität verlor, wegen Ballwegschlagens eine Zwei-Minuten-Strafe kassierte und auf ihrem Weg zur Strafbank das Publikum energisch zu lautstärkerer Unterstützung animierte.

Dass sich Michelle Urbicht 90 Sekunden vor dem Ende eine ebenfalls überflüssige Zwei-Minuten-Strafe einhandelte und daraufhin Blomberg-Lippe den 28:27-Anschlusstreffer (59.) erzielte, machte den Leipziger Puls nicht niedriger. Ein weiteres Tor durch Saskia Lang linderte nur für wenige Momente, denn 44 Sekunden vor der Schlusssirene war Blomberg wieder auf 29:28 ran.

Mit kompletter Manndeckung versuchten die Ostwestfalen in Überzahl nun, dem HCL in letzter Sekunde Ball und Punkt abzujagen. Den Schlusspunkt aber setzte Saskia Lang, deren Tor zum 30:28-Endstand einen großen Esslöffel Herztropfen ersetzte. Der Schrecken war den blau-gelben Akteuren dennoch anzusehen, der Jubel fiel entsprechend gedämpft aus.

Gedämpfter Siegesjubel der HCL-Spielerinnen nach dem Abpfiff. Foto: Jan Kaefer
Gedämpfter Siegesjubel der HCL-Spielerinnen nach dem Abpfiff. Foto: Jan Kaefer

“Klar ist das nicht unser Wunschergebnis, wir wollten definitv noch ein paar Tore mehr haben”, gab Minevskaja mit Blick auf das möglicherweise meisterschaftsentscheidende Torverhältnis zu. Gegenüber Metzingen müsste der HCL noch 20 Tore aufholen, zu Thüringen sind es bereits 34 Treffer Abstand. In den letzten drei Spielen wird das kaum zu stemmen sein.

Leipzig ist daher auf Schützenhilfe angewiesen, denn Metzingen muss irgendwo noch einen Punkt liegen lassen. Dann ist für den HCL der Weg zum Meistertitel frei – vorausgesetzt sie gewinnen ihre restlichen Spiele gegen Celle (A/ 30. April), gegen Göppingen (H/ 7. Mai) – und zu guter Letzt gegen den Thüringer HC (A/ 14. Mai).

Shenia Minevskaja war mit sieben Toren die treffsicherste Werferin der Partie. Foto: Jan Kaefer
Shenia Minevskaja war mit sieben Toren die treffsicherste Werferin der Partie. Foto: Jan Kaefer

Die Statistik zum Spiel

HC Leipzig vs. HSG Blomberg-Lippe 30:28 (18:13)
Handball, 1. Bundesliga (Frauen), 23. Spieltag

HC Leipzig: Kramarczyk, Kurzke – Mazzucco (5), Mietzner (2), Hertlein, Schulze (1), Kudlacz-Gloc, Hubinger (6), Lang (6), Diehl, Reimer, Minevskaja (7/2), Urbicht (3). Trainer: Norman Rentsch.
HSG Blomberg-Lippe: Monz, Veith – Rüffieux (4), Klaunig (6), F.Müller, Pavlovic (5/3), Buklarewicz (4), Pichlmeier, Bormann-Rajes (4), Großheim (1), Stolle (4), Cardoso de Castro. Trainer: André Fuhr.

Schiedsrichter: Ramesh Thiyagarajah/ Suresh Thiyagarajah. Zwei-Minuten-Strafen: HCL 5x (Kramarczyk, Lang, Urbicht, 2x Hubinger), Blomberg 1x (Stolle). Siebenmeter: HCL 2/2 (Minevskaja 2/2), Blomberg 5/3 (Pavlovic 4/3, F.Müller 1/0). Zuschauer: 1.984 in der Arena Leipzig.

Mehr Infos zur Frauen-Bundesliga:
www.hbf-info.de

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