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Mit einem Fokus auf fünf herausragende Compagnien aus der kanadischen Provinz Quebec richtet die diesjährige Festivalausgabe den Blick auf eine der faszinierendsten Tanzszenen weltweit. Schon der Eröffnungsabend zeigt drei Gastspiele mit ganz unterschiedlichen künstlerischen Positionen: Manuel Roque kommt nach seinem Erfolg im vergangenen Jahr mit der Welturaufführung von „Sweet Rodeo“ zurück nach Leipzig.
Zur Festivaleröffnung präsentiert die legendäre Choreografin Marie Chouinard einen kontrastreichen Abend: In „Magnificat“ trifft ihre prachtvolle Bildsprache auf Bachs Leipziger Meisterwerk, in „Henri Michaux: Mouvements“ verwandelt sie Körper zu lebendiger Kalligrafie.
Athena Lucie Assamba, eine aufstrebende Künstlerin aus Montréal mit kamerunischen Wurzeln, verbindet in der Europapremiere „Nkul Nnam“ (Die Trommel des Dorfes) afrikanische Tanztraditionen mit der Energie der Ravekultur.
Hip-Hop und Streetdance erobern die Bühne
Zugleich wird eine internationale künstlerische Entwicklung so deutlich sichtbar wie nie zuvor: Hip-Hop-, Streetdance- und Clubkulturen verändern weltweit die Tanzlandschaft – man kann ohne Übertreibung von einer künstlerischen Revolution sprechen. Was auf Straßen, Plätzen und in Clubs begann, hat längst die internationalen Bühnen erobert.
Und so auch das Festivalprogramm der euro-scene Leipzig: „In my Body“ vereint mehrere Generationen von Stars der Quebecer Hip-Hop-Szene – der älteste unter ihnen ist bereits im Vorprogramm von James Brown aufgetreten. Ein weiteres Highlight ist „Trailer Park“, das der deutsche Choreograf Moritz Ostruschnjak für das weltweit gefragte Ensemble von tanzmainz geschaffen hat: Aus kurzen Videoclips, viralen Gesten und Choreografien aus dem Netz entsteht eine mitreißende Tanzperformance.
Liam Francis gilt als Erneuerer der britischen Tanzszene: Mit „Dual till the Death & A Body of Rumours“ zeigt er psychologisch packendes Tanztheater. Und zum Festivalabschluss verhandelt „2par2“ von Alexandra ‚Spicey‘ Landé, Schlüsselfigur der Hip-Hop-Tanzszene in Québec, mit ihrem zehnköpfigen Ensemble das Spiel von Liebe, Streit und sozialen Etiketten.
Theaterstücke über Heimatverlust und Neuanfang
Die Frage nach Heimat, Identität und Zugehörigkeit zieht sich wie ein roter Faden durch das Festivalprogramm. Mehrere Theaterproduktionen verhandeln die Erfahrungen von Flucht, Vertreibung und Exil. Die Stücke „The Child“ von Afsaneh Mahian (Iran), „Übungen für eine mögliche Rückkehr“ der syrischen Exiltheatergruppe Collective Ma’louba sowie „Campobello“ von Eva-Maria Bertschy (Schweiz) erzählen von Menschen, die fliehen mussten, nach Jahren im Exil über Rückkehr nachdenken oder versuchen, sich in der Ferne ein neues Leben aufzubauen.
Dabei geht es weniger um geopolitische Konflikte als um deren unmittelbare Folgen für das Leben der Menschen – um entwurzelte Biografien, verlorene Gewissheiten und die Suche nach einem Ort, an dem man wieder zu Hause sein kann.
Die euro-scene Leipzig findet vom 3. bis 8. November 2026 statt.
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