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Ein Filmfest, das die Welt schon über den Eisernen Vorhang hinweg nach Leipzig holte, startet heute Abend erneut. Dafür kappen die LVB baubedingt eine Bimmel-Verbindung. In der Runden Ecke gibt’s zu erfahren, ob in der einstigen Nachbarschaft wirklich nur nette Leute wohnten – und für künftige Star-Geiger hält die Musikhochschule heute eine Bühne frei.
Finanzamt statt Feuerland
Mit dem Ende der Herbstferien nehmen die Besucherströme am Leipziger Zoo mit seiner neu eröffneten Südamerika-Anlage „Feuerland“ wieder etwas ab. Und damit endet auch eine für viele liebgewordene Anreisemöglichkeit: Die Nutzung der Straßenbahn-Baulinie 38. Die fährt ab heute wieder auf einem direkteren Weg zwischen Chausseehaus und Hauptbahnhof. Die seit dem 12. Oktober bestehende Umleitung über die Haltestellen Michaelisstraße, Zoo und Goerdelerring entfällt. Damit endet nach zwei Wochen auch der vorübergehende Halt der Linie 38 am Zoo.
Stattdessen bedienen die Straßenbahnen wieder den Wilhelm-Liebknecht-Platz (Finanzamt) und erreichen den Hauptbahnhof über die Steige A und B. Bis gestern hatte die Baulinie die Steige C und D genutzt. Hintergrund der Änderung sind umfangreiche Gleisbauarbeiten im Leipziger Zentrum, die seit dem 12. Oktober den Straßenbahnverkehr beeinträchtigen. Insbesondere die Sperrung der Gleise A und B am Hauptbahnhof machte die bisherige Umleitung erforderlich. Die neue Linienführung soll bis einschließlich 8. November gelten.

Parallel dazu beginnt heute eine weitere Bauphase am Georgiring zwischen Hofmeisterstraße und Schützenstraße. Die dortigen Arbeiten gehören zum umfangreicheren Bauprogramm der LVB, das auch den Augustusplatz und den Hauptbahnhof umfasst. Bereits seit dem 12. Oktober wird außerdem an den Gleiskurven zwischen Augustusplatz und Grimmaischem Steinweg gearbeitet. Die Straßenbahnverbindung zwischen Roßplatz und Augustusplatz ist deshalb bis zum 8. November unterbrochen, wovon insbesondere die Linien 8 und 10 betroffen sind. Die LVB informieren regelmäßig auf ihrer offiziellen Baustellenseite über aktuelle Umleitungen.
Mit sogenannten Baulinien halten die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) den Straßenbahnverkehr auch bei größeren Gleisbauarbeiten aufrecht. Dafür verbinden sie weiterhin befahrbare Streckenabschnitte verschiedener regulärer Linien zu vorübergehenden Ersatzverbindungen. So bleiben möglichst viele Direktverbindungen erhalten und Fahrgästen werden zusätzliche Umstiege erspart. Zugleich können vorhandene Gleise genutzt werden, ohne überall Ersatzbusse einsetzen zu müssen. Je nach Baufortschritt ändern sich die Streckenführungen dieser Baulinien, weshalb sie keinen dauerhaft festen Linienweg haben.

Die Welt auf Leipzigs Leinwänden
Als dieses Festival ins Leben gerufen wurde, waren der Volksaufstand des 17. Juni gerade zwei Jahre her und Hoffnungen auf Reformen zerschlagen. Die Enge der Diktatur zeigte sich zementiert, noch bevor sie 1961 aus Steinen gemauert wurde. Und doch entstand vor 71 Jahren etwas, das neben der Leipziger Messe einen Hauch von Welt in die Stadt holte: 1955 als „Leipziger Kultur- und Dokumentarfilmwoche“ gegründet, entwickelte sich dieses Filmfestival während des Kalten Krieges zu einem außergewöhnlichen Ort internationaler Begegnungen.
In der DDR, deren Grenzen den kulturellen Austausch mit dem Westen stark einschränkten, bot es Einblicke in andere Gesellschaften und politische Wirklichkeiten. Filmer aus Ost und West, aus Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas kamen in Leipzig zusammen, wo sonst nur wirtschaftlicher Austausch während der Messezeiten dieses Flair verbreitete. Seit Mitte der 1960er Jahre gehörte die Dokumentar- und Kurzfilmwoche zu den weltweit wichtigsten Veranstaltungen ihrer Art und war zugleich die größte internationale Kulturveranstaltung der DDR.
Auch wenn das Programm staatlicher Kontrolle und ideologischen Vorgaben unterworfen blieb, entstanden Freiräume für künstlerische und politische Debatten. Das 1961 eingeführte Motto „Filme der Welt – Für den Frieden der Welt“ und die seit 1962 verwendete Friedenstaube von Pablo Picasso wurden zu Symbolen dieses Anspruchs.
Nach der Wiedervereinigung behauptete das Festival seine internationale Bedeutung und entwickelte sich mit eigenen Animationsfilmwettbewerben, Branchenveranstaltungen und digitalen Kunstformen weiter. Heute nun beginnt die 69. Ausgabe von DOK Leipzig (es gab zwei Pausen), die bis zum 1. November insgesamt 217 Filme aus 61 Ländern präsentiert. Darunter sind 30 Weltpremieren und 29 Debütfilme. In vier Wettbewerben konkurrieren 76 Filme um die Goldenen und Silbernen Tauben. Die Preisverleihung findet am Samstag, 31. Oktober, um 20 Uhr in der Schaubühne Lindenfels statt.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auf Mittel- und Osteuropa. Die neue Sektion „Fokus Ost“, kuratiert von Grit Lemke („Gundermann Revier“), umfasst zehn Dokumentarfilme, darunter acht Weltpremieren. Eröffnet wird das Festival mit „Guten Abend, du Schöne“ von Ina Borrmann. Der Film begegnet Frauen wieder, die bereits in Maxie Wanders 1977 erschienenem Buch „Guten Morgen, du Schöne“ über ihr Leben berichtet hatten. Die offizielle Eröffnungsfeier gibt´s heute im Schauspielhaus.
Zu den weiteren bemerkenswerten Produktionen gehört „Bára – Diary of a Rockstar“ der tschechischen Regisseurin Helena Třeštíková, die über 50 Jahre hinweg das Leben der Rocksängerin Bára Basiková dokumentierte. Neben den Filmvorführungen bietet das Festival internationale Fachgespräche und Begegnungen mit Regisseuren Eintrittskarten kosten regulär zehn Euro, ermäßigt acht Euro, Kinder- und Jugendvorstellungen fünf Euro. Dauerkarten sind für 80 beziehungsweise 50 Euro erhältlich. Tickets können über die offizielle Internetseite dok-leipzig.de sowie ab Festivalbeginn an den beteiligten Kinokassen und im Festivalzentrum im Museum der bildenden Künste erworben werden.
Das vollständige Programm und sämtliche Vorführzeiten sind HIER ONLINE zusammengefasst. Einzelne Filme sind zudem über DOK Stream für fünf Euro online abrufbar.

Die Zimmer der anderen
Die Stasi-Krake griff überall um sich. In Klassenräumen, Büros, in Arbeitskollektiven, Reisebussen, Eckkneipen, Gottesdiensten und Familien. Und selbst die Zimmer hinter der Nachbartür konnten in den Abgrund der DDR-Repression führen. Mehr als 1.000 geheime Wohnungen und andere Objekte nutzte die Staatssicherheit in Leipzig für Überwachung, Treffen mit Informanten und nachrichtendienstliche Operationen.
Wie weit dieses Netz über die Stadt verteilt war, zeigt ein Forschungsprojekt des Bürgerkomitees Leipzig. Die Ergebnisse werden heute um 19 Uhr im ehemaligen Stasi-Kinosaal am Goerdelerring 20, vierte Etage, vorgestellt. Unter dem Titel „Topografie der Macht: Die konspirativen Wohnungen und Objekte des Ministeriums für Staatssicherheit in Leipzig“ werden anhand konkreter Adressen und historischer Akten die Strukturen des DDR-Geheimdienstes erläutert. Anschließend besteht Gelegenheit zum Gespräch.
Die Forschungen begannen nach der Besetzung der Leipziger Stasi-Bezirksverwaltung am 4. Dezember 1989. Bereits 1990 dokumentierte das Bürgerkomitee rund 350 geheime Standorte, bis 2018 waren 450 bekannt. Eine systematische Aktenauswertung ergab schließlich 1.062 konspirative Wohnungen und Objekte, die im Herbst 1989 genutzt wurden. Seither kamen weitere Erkenntnisse hinzu. Die Einrichtungen reichten von einzelnen Zimmern in Privatwohnungen bis zu ganzen Einfamilienhäusern.
Dort trafen Offiziere der Staatssicherheit ihre Inoffiziellen Mitarbeiter, nahmen Berichte entgegen oder organisierten verdeckte Überwachungsmaßnahmen. Eine besondere Rolle spielte Leipzig als internationale Messestadt. Die Frühjahrs- und Herbstmessen boten zahlreiche Gelegenheiten zur Auslandsspionage. Neben den örtlichen Dienststellen nutzten auch die Hauptverwaltung Aufklärung und andere Stasi-Einheiten geheime Objekte in Leipzig.
Ein 2019 erstmals veröffentlichter und inzwischen erweiterter digitaler Stadtplan dokumentiert die aktualisierten Standorte. Die heutige Präsentation gehört zum Begleitprogramm der Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ im Umfeld des Jahrestags der Friedlichen Revolution.

Der dem Anfang innewohnende Zauber
Ja, vielleicht reicht es noch nicht für den ersten Plattenvertrag. Doch nicht jede künstlerische Idee muss bereits ausgereift sein, um vor Publikum bestehen zu können. An der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig bekommen heute auch „unfertige“ Arbeiten ihren Platz auf der Bühne. Um 19:30 Uhr beginnt in der Blackbox am Dittrichring 21 eine „Open Stage“, ein vom Studierendenrat organisiertes Veranstaltungsformat, das bewusst auf die üblichen Erwartungen an ein professionelles Konzert verzichtet.
Unter dem Motto „Scheitern mit Bier und Apfelschorle – offen für alle fertigen und unfertigen Performances aus allen Fachrichtungen“ können künstlerische Beiträge unterschiedlicher Disziplinen vorgestellt und erprobt werden. Dabei steht weniger die perfekte Darbietung als vielmehr die Möglichkeit im Mittelpunkt, neue Ideen auszuprobieren, ungewöhnliche Ausdrucksformen zu erkunden und sich über Fachgrenzen hinweg auszutauschen.
Das Format ergänzt die regulären Konzerte und Aufführungen der Hochschule um eine bewusst informelle Plattform, auf der auch Arbeiten in einem frühen Entwicklungsstadium öffentlich präsentiert werden können.
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