Das Jahr 1989/90 und der Sieg des Westens markiert keinesfalls das Ende der Geschichte. Es war der Anfang vieler Geschichten. Nach drei Jahrzehnten hoch kontroversen, tief emotional geführten Debatten, widmen sich junge Wissenschaftler/-innen mit frischen Perspektiven dem vielfältigen Wesen der DDR und ihren Spuren. Zwar hat deren Erforschung keinen festen Platz in der deutschen Hochschullandschaft, aber ausgeforscht ist noch lange nichts.

Um sich über erste Ergebnisse ihrer Promotions- und Habilitationsprojekte auszutauschen und neue Narrative zu erproben, treffen sich Promovierende und Postdocs der DDR-Forschung am 14. und 15. Juli 2022 auf einer selbstorganisierten Konferenz. Sie wollen dafür sorgen, dass die DDR nicht doch noch zur Fußnote der Geschichte wird.

Mit dem Zusammenbruch der staatssozialistischen Welt begann eine Zeit beschleunigten Wandels in eine unsichere und herausfordernde Zukunft. Der Prozess war zugleich tief verwurzelt in dem, was vorher war. Das Leben in der DDR sollte abrupt verschwinden. Doch die Vergangenheit blieb präsent. DDR, Bonner Republik und Ost-West-Konflikt dauerten in den 1990er-Jahren fort und veränderten sich zugleich – stets begleitet von kleineren und größeren Kontroversen in privaten Begegnungen, in Politik, Öffentlichkeit und Wissenschaft.

Vieles scheint festgefahren und ungeklärt. Doch junge Wissenschaftler/-innen – selbst nur aus Babyaugen den Fall der Mauer betrachtet – nehmen nun die Erforschung des repressiven und mobilisierenden, des ambivalenten, aber auf jeden Fall vielfältigen und lebensgestaltenden Projektes der Moderne auf. Auf einer Konferenz von und für Nachwuchswissenschaftler/-innen der vierzehn großen vom Bundesministerium für Forschung und Bildung finanzierten DDR-Forschungsverbünde tauschen sie sich über schon geschlossene und noch offene Wissenslücken aus.

Nach zwei Jahren Pandemie und einigen Erkenntnissen ohne breit gefächerte Diskussion kamen die vier wissenschaftliche Mitarbeiterinnen Ann Hipp, Jarina Kühn, Lotta Cordes und Greta Herrmannaus den Verbundprojekten Mod-Block-DDR (Universität Bremen) und Erbe ´89 (Universität Leipzig) auf die Idee. Jetzt nehmen mehr als 30 Wissenschaftler*innen aus neun DDR-Verbundprojekten teil. Es kündigen sich aufschlussreiche Diskussionen an.

Die in den Promotions- und Habilitationsprojekten behandelten Themen entsprechen dabei der Vielfalt der DDR-Gesellschaft: von Biografie und Lebensgeschichte zwischen Individuum und Gesellschaft über Psychologie als Wissenschaft, die Innovationsstärke der DDR, sowie Motiven und Folgen moderner Repression bis hin zu sozial-räumlichen Veränderungsprozessen in Realität und Verheißung.

Der Ort des wissenschaftlichen Austausches ist das Pöge-Haus in Leipzig. Zusätzlich werden die Teilnehmenden der Konferenz vermittels der Stadtführung „Keimzellen 89“ auf kaum beachtete lokale Ursprünge aufmerksam gemacht und bekommen durch den Besuch des Zeitgeschichtlichen Forums einen Ausschnitt der gegenwärtige DDR- Erinnerungslandschaft in Leipzig präsentiert.

Was? Nachwuchswissenschaftler/-innen-Konferenz der DDR-Forschung

Wann? 14.-15.07.2022

Wo? Pöge Haus, Hedwigstraße 20, 04315 Leipzig

Weitere Informationen:

Homepage des Verbundprojektes Mod-Block-DDR: https://www.uni-bremen.de/mod-block-ddr

Homepage des Verbundprojektes Erbe 89: https://www.erbe89.de/

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