Eigenen VPN-Server einrichten – so funktioniert es mit Linux, OpenVPN und WireGuard
Ein eigener VPN-Server bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Internetverbindungen selbst zu verwalten und vertrauliche Daten besser zu schützen. Gerade wenn zahlreiche Mitarbeiter von unterschiedlichen Standorten aus auf das Firmennetzwerk zugreifen, kann eine selbst betriebene VPN-Lösung interessant sein. Schließlich bleiben die Daten dabei unter der eigenen Kontrolle und müssen nicht zwangsläufig über die Infrastruktur eines externen Anbieters laufen.
Allerdings ist die Einrichtung eines eigenen VPN-Servers mit etwas technischem Aufwand verbunden. Neben der passenden Hardware spielen das Betriebssystem, das verwendete VPN-Protokoll und die Netzwerkkonfiguration eine wichtige Rolle. Wir zeigen, welche Möglichkeiten es gibt, worauf Sie bei der Auswahl achten sollten und wie Sie einen VPN-Server mit OpenVPN oder WireGuard selbst einrichten können.
Was ein VPN leistet und wo seine Grenzen liegen
Ein Virtual Private Network, kurz VPN, stellt eine verschlüsselte Verbindung zwischen einem Endgerät und einem VPN-Server her. Die übertragenen Daten werden dabei durch einen geschützten Tunnel geleitet. Außenstehende können den Datenverkehr dadurch deutlich schwerer einsehen oder einzelnen Geräten zuordnen.
Das ist insbesondere dann hilfreich, wenn Mitarbeiter von unterwegs auf interne Unternehmenssysteme zugreifen oder öffentliche WLAN-Netzwerke nutzen. Ein VPN kann außerdem verhindern, dass der lokale Netzwerkbetreiber den Inhalt der verschlüsselten Verbindung ohne Weiteres mitlesen kann.
Allerdings sollte man die Möglichkeiten dieser Technologie nicht überschätzen. Ein VPN sorgt nicht automatisch für vollständige Anonymität. Der Betreiber des VPN-Servers kann unter Umständen Verbindungsdaten und IP-Adressen einsehen. Auch Webseiten, bei denen Nutzer angemeldet sind, können weiterhin persönliche Informationen erfassen.
Ebenso wenig schützt ein VPN vor Schadsoftware, betrügerischen Webseiten oder Phishing-Mails. Wer beispielsweise einen infizierten E-Mail-Anhang öffnet, ist trotz aktiver VPN-Verbindung weiterhin gefährdet. Ein VPN sollte deshalb immer Teil eines umfassenderen Sicherheitskonzepts sein, zu dem auch aktuelle Betriebssysteme, eine Firewall und ein zuverlässiger Virenschutz gehören.
Öffentlicher VPN-Dienst oder eigener Server
Ob sich ein eigener VPN-Server lohnt, hängt vor allem von der Größe des Unternehmens und den vorhandenen technischen Ressourcen ab.
Kleinere Betriebe und viele mittelständische Unternehmen kommen häufig mit einem kommerziellen VPN-Anbieter aus. Die monatlichen Gebühren sind überschaubar, und um die technische Infrastruktur sowie deren Wartung kümmert sich der Dienstleister. Eine eigene Serverumgebung aufzubauen, wäre für eine überschaubare Zahl von Nutzern häufig mit unverhältnismäßig viel Aufwand verbunden.
Bei größeren Unternehmen sieht die Situation anders aus. Wer bereits über eine eigene IT-Abteilung und entsprechende Hardware verfügt, kann einen VPN-Server direkt in die bestehende Infrastruktur integrieren. Dadurch lassen sich die laufenden Kosten unter Umständen reduzieren. Gleichzeitig behalten Administratoren die Kontrolle über die Konfiguration und die gespeicherten Verbindungsdaten.
| Kriterium | Externer VPN-Dienst | Eigener VPN-Server |
|---|---|---|
| Einrichtung | Meist unkompliziert | Technisches Fachwissen erforderlich |
| Laufende Kosten | Regelmäßige Gebühren | Strom, Hardware und Wartung |
| Datenkontrolle | Abhängig vom Anbieter | Weitgehend in eigener Hand |
| Wartung | Überwiegend durch den Anbieter | Durch eigene Administratoren |
| Anpassungsmöglichkeiten | Vom jeweiligen Tarif abhängig | Umfangreich konfigurierbar |
| Integration ins Firmennetzwerk | Je nach Dienst eingeschränkt | Direkt in die Infrastruktur integrierbar |
| Geeignet für | Privatnutzer und kleinere Unternehmen | Unternehmen mit eigener IT-Abteilung |
Ein selbst betriebener VPN-Server ist allerdings nicht automatisch günstiger oder sicherer. Die Kosten für Hardware, Strom, regelmäßige Updates und die Administration müssen ebenfalls berücksichtigt werden. Auch die Verantwortung für die Absicherung liegt vollständig beim Betreiber.
Welche Möglichkeiten es für einen eigenen VPN-Server gibt
Für die Einrichtung eines eigenen VPN-Servers stehen unterschiedliche Lösungen zur Verfügung. Welche davon infrage kommt, hängt davon ab, ob Sie beispielsweise von unterwegs auf Ihr Heimnetzwerk zugreifen oder eine größere Unternehmensumgebung absichern möchten.
VPN über eine FRITZ!Box einrichten
Wer lediglich eine sichere Verbindung zum heimischen Netzwerk benötigt, kann dafür häufig die bereits vorhandene FRITZ!Box verwenden. Viele Modelle bieten integrierte VPN-Funktionen, sodass keine zusätzliche Serverhardware angeschafft werden muss.
Die Konfiguration erfolgt über die Benutzeroberfläche des Routers. Je nach Modell und Firmware lassen sich VPN-Verbindungen direkt einrichten und anschließend mit den entsprechenden Endgeräten nutzen.
Für den Fernzugriff auf einen Heimcomputer, ein NAS oder andere Geräte im eigenen Netzwerk reicht diese Lösung häufig aus. Bei umfangreichen Unternehmensnetzwerken können die verfügbaren Verwaltungs- und Konfigurationsmöglichkeiten dagegen zu eingeschränkt sein.
Einen Raspberry Pi als VPN-Server nutzen
Eine weitere Möglichkeit ist ein Raspberry Pi. Der kompakte Einplatinencomputer benötigt vergleichsweise wenig Strom und kann dauerhaft als VPN-Server betrieben werden.
Damit eignet er sich beispielsweise für den sicheren Fernzugriff auf das eigene Heimnetzwerk. Auch für kleinere Projekte kann ein Raspberry Pi eine interessante Alternative zu einem herkömmlichen Server sein.
Vor der Einrichtung sollten Sie allerdings prüfen, ob die Leistung des jeweiligen Modells für die gewünschte Anzahl an Verbindungen ausreicht. Insbesondere bei mehreren gleichzeitigen Nutzern können die verfügbare Rechenleistung und die Netzwerkgeschwindigkeit eine Rolle spielen.
Einen VPN-Server mit Linux betreiben
Für Unternehmen, die möglichst viel Kontrolle über ihre VPN-Infrastruktur benötigen, bietet sich ein Linux-Server an. Zahlreiche freie VPN-Lösungen lassen sich auf diesem Betriebssystem installieren und an individuelle Anforderungen anpassen.
Ein wesentlicher Vorteil ist der offene Quellcode vieler Linux-Anwendungen. Dadurch können Entwickler und Sicherheitsforscher den Programmcode untersuchen und mögliche Schwachstellen melden. Die tatsächliche Sicherheit hängt allerdings auch von der Qualität der Software, ihrer Konfiguration und der regelmäßigen Pflege ab.
Linux bietet darüber hinaus zahlreiche Möglichkeiten, einen VPN-Server in bestehende Sicherheitskonzepte einzubinden. Administratoren können beispielsweise Zugriffsrechte, Firewall-Regeln und die Netzwerkarchitektur an die eigenen Anforderungen anpassen.
Ein möglicher Nachteil ist der Stromverbrauch. Ein herkömmlicher Server benötigt im Dauerbetrieb in der Regel mehr Energie als ein Raspberry Pi. Wer einen eigenen VPN-Server rund um die Uhr betreiben möchte, sollte deshalb auch auf die Energieeffizienz der Hardware achten.
OpenVPN oder WireGuard – welches Protokoll kommt infrage?
Bei der Auswahl der VPN-Software spielen insbesondere OpenVPN und WireGuard eine wichtige Rolle. Beide ermöglichen verschlüsselte Verbindungen, unterscheiden sich jedoch hinsichtlich ihrer technischen Umsetzung und ihrer Systemanforderungen.
| Eigenschaft | OpenVPN | WireGuard |
|---|---|---|
| Geschwindigkeit | Abhängig von der Konfiguration, häufig langsamer | Auf hohe Geschwindigkeit ausgelegt |
| Codebasis | Umfangreicher | Vergleichsweise klein |
| Kompatibilität | Sehr breit | Auf vielen aktuellen Plattformen verfügbar |
| Konfiguration | Umfangreich | Relativ übersichtlich |
| Verschlüsselung | Unterstützt verschiedene kryptografische Verfahren | Verwendet eine festgelegte Auswahl moderner Verfahren |
| Linux-Unterstützung | Umfangreich | Direkt in den Linux-Kernel integriert |
| Typische Verwendung | Unterschiedliche Geräte und komplexere Umgebungen | Leistungsfähige, schlanke VPN-Verbindungen |
OpenVPN im Überblick
OpenVPN gehört zu den etablierten VPN-Protokollen und wird bereits seit vielen Jahren eingesetzt. Die Software unterstützt zahlreiche Betriebssysteme und bietet umfangreiche Konfigurationsmöglichkeiten.
Zu den wesentlichen Eigenschaften gehören die stabile Funktionsweise, die Unterstützung verschiedener kryptografischer Verfahren und die Möglichkeit, unterschiedliche Netzwerkanforderungen abzubilden. Auch unabhängige Sicherheitsprüfungen haben zur Verbreitung der Software beigetragen.
Die umfangreiche technische Umsetzung hat allerdings ihren Preis. Im Vergleich zu WireGuard kann OpenVPN mehr Rechenleistung benötigen und bei bestimmten Konfigurationen eine geringere Übertragungsgeschwindigkeit erreichen.
WireGuard im Überblick
WireGuard verfolgt einen anderen Ansatz. Das Protokoll wurde bewusst schlank gehalten und verwendet eine vergleichsweise kleine Codebasis. Das erleichtert die Überprüfung des Programmcodes und kann die Wartung vereinfachen.
Aufgrund seiner effizienten Umsetzung erreicht WireGuard häufig hohe Übertragungsgeschwindigkeiten. Die Integration in den Linux-Kernel trägt zusätzlich zu einer effizienten Verarbeitung des Datenverkehrs bei. Auch bei mobilen Verbindungen kann das Protokoll seine Vorteile ausspielen.
Ein weiterer Aspekt ist der geringe Ressourcenbedarf. Gerade auf kleinen Servern oder Geräten mit begrenzter Rechenleistung kann das von Vorteil sein.
Allerdings ist WireGuard nicht für jede bestehende Infrastruktur gleichermaßen geeignet. Wer auf ältere Systeme oder spezielle Funktionen angewiesen ist, sollte vorab die Kompatibilität prüfen. Außerdem unterscheidet sich die Verwaltung von WireGuard teilweise deutlich von klassischen Client-Server-Lösungen.
OpenVPN auf einem eigenen Server installieren
Für die folgende Einrichtung benötigen Sie einen Rechner mit Ubuntu, eine feste interne IP-Adresse und einen Internetanschluss, über den der Server erreichbar ist. Außerdem sollte der Router entsprechend konfiguriert werden können.
Die nachfolgende Anleitung orientiert sich an Ubuntu 20.04 und OpenVPN Access Server. Da diese Ubuntu-Version inzwischen nicht mehr regulär unterstützt wird, sollten Sie für eine neue Installation eine aktuell unterstützte Ubuntu-Version und dazu passende Installationsanweisungen verwenden.
Die Voraussetzungen für den Server schaffen
Damit sich Geräte von außerhalb mit Ihrem VPN-Server verbinden können, muss dieser unter einer dauerhaft erreichbaren Adresse angesprochen werden können.
Viele Internetanbieter vergeben dynamische IP-Adressen, die sich regelmäßig ändern. Ein Dynamic-DNS-Dienst (DynDNS) löst dieses Problem, indem er einen festen Hostnamen bereitstellt, der automatisch auf die aktuelle IP-Adresse verweist.
Vor der Installation sollten Sie daher folgende Punkte vorbereiten.
- Vergeben Sie für den VPN-Server eine feste IP-Adresse innerhalb Ihres lokalen Netzwerks.
- Richten Sie bei Bedarf einen DynDNS-Dienst ein und hinterlegen Sie dessen Zugangsdaten in Ihrem Router.
- Konfigurieren Sie eine geeignete Portweiterleitung für den VPN-Verkehr.
- Prüfen Sie, ob Ihr Internetanschluss eingehende Verbindungen zulässt.
OpenVPN verwendet standardmäßig den UDP-Port 1194. Bei OpenVPN Access Server können je nach Konfiguration weitere Ports erforderlich sein. Die benötigten Freigaben sollten Sie deshalb anhand der tatsächlich verwendeten Installation festlegen.
OpenVPN unter Ubuntu installieren
Nach der Vorbereitung des Netzwerks können Sie die Software auf dem Server installieren. Für die ursprüngliche Installation unter Ubuntu 20.04 werden zunächst die Paketquellen aktualisiert und die erforderlichen Werkzeuge eingerichtet.
Die grundlegenden Befehle lauten
sudo apt update
sudo apt install ca-certificates wget net-tools gnupg
Anschließend wird das offizielle Repository von OpenVPN Access Server eingebunden. Die dafür notwendigen Befehle unterscheiden sich je nach Ubuntu-Version. Verwenden Sie hierfür die aktuellen Installationsanweisungen des Herstellers, anstatt veraltete Repository-Schlüssel oder Installationsskripte ungeprüft zu übernehmen.
Nach dem Einrichten der Paketquelle lässt sich OpenVPN Access Server über die Paketverwaltung installieren. Bei einer unterstützten Installation kann der entsprechende Befehl beispielsweise folgendermaßen aussehen.
sudo apt update
sudo apt install openvpn-as
Nach Abschluss der Installation wird der Dienst gestartet. Die Installationsausgabe enthält die Informationen, mit denen Sie die Administrationsoberfläche aufrufen und sich erstmals anmelden können.
Die grundlegende Konfiguration vornehmen
Nach der Installation können Sie die Weboberfläche von OpenVPN Access Server über einen Browser aufrufen. Für die Anmeldung verwenden Sie die während der Installation ausgegebenen Administrationsdaten.
In der Verwaltungsoberfläche lassen sich unter anderem die Netzwerkeinstellungen anpassen. Besonders wichtig ist die öffentliche Erreichbarkeit des Servers.
Öffnen Sie dazu den Bereich „Configuration“ und anschließend „Network Settings“. Dort können Sie im Feld „Hostname or IP Address“ den Hostnamen hinterlegen, unter dem Ihr VPN-Server erreichbar sein soll.
Tragen Sie anstelle der lokalen IP-Adresse den zuvor eingerichteten DynDNS-Namen ein. Speichern Sie die Änderung anschließend über „Save Settings“.
Kontrollieren Sie danach, ob der konfigurierte Hostname korrekt aufgelöst wird und die erforderlichen Ports über Ihren Router erreichbar sind. Erst wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, können sich externe Geräte zuverlässig mit dem Server verbinden.
WireGuard auf einem Linux-Server einrichten
WireGuard lässt sich unter Linux ebenfalls mit überschaubarem Aufwand installieren. Die nachfolgende Anleitung beschreibt die grundlegenden Schritte für ein Ubuntu-System. Für produktive Server sollten Sie zusätzlich die aktuelle Dokumentation Ihrer Distribution berücksichtigen.
Das Betriebssystem vorbereiten
Aktualisieren Sie zunächst die Paketlisten und installieren Sie gegebenenfalls die erforderlichen Netzwerkwerkzeuge. Für die Firewall-Konfiguration wird im folgenden Beispiel Iptables verwendet.
sudo apt-get update
sudo apt-get install iptables -y
Danach können Sie WireGuard über die Paketverwaltung installieren.
sudo apt-get install wireguard -y
Damit ist die benötigte Software auf dem System vorhanden. Im nächsten Schritt werden die kryptografischen Schlüssel erzeugt, mit denen sich Server und Clients gegenseitig authentifizieren können.
Die Schlüssel für WireGuard erzeugen
WireGuard verwendet ein System aus privaten und öffentlichen Schlüsseln. Jeder Teilnehmer erhält ein eigenes Schlüsselpaar. Der private Schlüssel muss geheim bleiben, während der öffentliche Schlüssel für die Konfiguration der jeweiligen Gegenstelle benötigt wird.
Erzeugen Sie zunächst die beiden Schlüssel für den Server.
sudo sh -c 'umask 077; wg genkey | tee /etc/wireguard/privatekey | wg pubkey > /etc/wireguard/publickey'
Mit dem folgenden Befehl können Sie kontrollieren, ob die Dateien vorhanden sind.
sudo ls -l /etc/wireguard/
Die beiden Schlüsseldateien sollten nun im entsprechenden Verzeichnis liegen. Geben Sie den privaten Schlüssel keinesfalls an andere Personen weiter und vermeiden Sie es, ihn in öffentlich zugänglichen Konfigurationsdateien zu speichern.
Die Netzwerkschnittstelle konfigurieren
WireGuard verwendet virtuelle Netzwerkschnittstellen, über die der verschlüsselte Datenverkehr übertragen wird. Für die folgende Konfiguration wird die Schnittstelle „wg0“ angelegt.
Öffnen Sie dazu mit Nano eine neue Konfigurationsdatei.
sudo nano /etc/wireguard/wg0.conf
Fügen Sie anschließend eine grundlegende Konfiguration ein.
[Interface]
Address = 10.0.0.1/24
ListenPort = 51850
PrivateKey = PRIVATER_SCHLUESSEL
Ersetzen Sie den Platzhalter durch den tatsächlichen privaten Schlüssel des Servers. Die angegebene IP-Adresse dient als interne Adresse der WireGuard-Schnittstelle. Der Port 51850 wird in diesem Beispiel für eingehende VPN-Verbindungen verwendet.
Für den Zugriff auf das Internet müssen zusätzlich die IP-Weiterleitung und die entsprechenden Firewall- beziehungsweise NAT-Regeln eingerichtet werden. Die dafür erforderlichen Befehle hängen unter anderem von der verwendeten Netzwerkschnittstelle ab.
Wenn Ihr Server beispielsweise über „eth0“ mit dem Netzwerk verbunden ist, kann eine entsprechende Weiterleitungsregel folgendermaßen aussehen.
sudo iptables -A FORWARD -i wg0 -j ACCEPT
sudo iptables -t nat -A POSTROUTING -o eth0 -j MASQUERADE
Verwenden Sie auf Ihrem System gegebenenfalls einen anderen Schnittstellennamen. Welcher Name tatsächlich verwendet wird, können Sie mit folgendem Befehl ermitteln.
ip -br link
Speichern Sie anschließend die Konfigurationsdatei. In Nano funktioniert das über die Tastenkombination Strg und O. Mit Strg und X verlassen Sie den Editor.
Die Zugriffsrechte absichern und WireGuard starten
Bevor Sie den VPN-Server aktivieren, sollten Sie die Zugriffsrechte der Konfigurationsdatei und des privaten Schlüssels einschränken.
sudo chmod 600 /etc/wireguard/privatekey
sudo chmod 600 /etc/wireguard/wg0.conf
Damit können nur entsprechend berechtigte Benutzer auf die Dateien zugreifen.
Nun lässt sich die neu eingerichtete Schnittstelle starten.
sudo wg-quick up wg0
Wenn die Konfiguration korrekt ist, wird die virtuelle Netzwerkschnittstelle aktiviert. Den aktuellen Zustand können Sie mit diesem Befehl überprüfen.
sudo wg show
Die Ausgabe zeigt unter anderem die eingerichteten Schnittstellen und vorhandene Verbindungen. Bei einem neu eingerichteten Server werden möglicherweise noch keine aktiven Gegenstellen angezeigt.
WireGuard automatisch beim Systemstart aktivieren
Damit die VPN-Verbindung nach einem Neustart des Servers automatisch zur Verfügung steht, können Sie den zugehörigen Systemd-Dienst aktivieren.
sudo systemctl enable wg-quick@wg0.service
Der Dienst wird dadurch für den automatischen Start vorgemerkt. Mit dem folgenden Befehl lässt sich sein aktueller Status überprüfen.
sudo systemctl status wg-quick@wg0.service
Achten Sie darauf, dass der Dienst fehlerfrei gestartet wurde. Falls Probleme auftreten, können die Systemprotokolle Hinweise auf die Ursache liefern.
Die IP-Weiterleitung einschalten
Damit die angeschlossenen VPN-Clients Daten über den Server weiterleiten können, muss die IP-Weiterleitung aktiviert sein.
Öffnen Sie dafür die entsprechende Systemkonfigurationsdatei.
sudo nano /etc/sysctl.conf
Suchen Sie nach der Einstellung
net.ipv4.ip_forward=1
Falls die Zeile noch auskommentiert ist, entfernen Sie das vorangestellte Doppelkreuz. Speichern Sie anschließend die Datei.
Die Änderung können Sie direkt übernehmen, ohne das gesamte System neu starten zu müssen.
sudo sysctl -p
Kontrollieren Sie anschließend, ob die Weiterleitung tatsächlich aktiviert wurde.
sysctl net.ipv4.ip_forward
Als Ergebnis sollte der Wert „1“ erscheinen. Damit ist die grundlegende Weiterleitung für IPv4 eingeschaltet. Für einen vollständigen VPN-Betrieb müssen zusätzlich die Client-Konfigurationen, die Firewall und gegebenenfalls die DNS-Einstellungen korrekt eingerichtet sein.
Eine VPN-Verbindung unter Windows herstellen
Nachdem der Server eingerichtet wurde, können Sie die entsprechenden Endgeräte konfigurieren. Unter Windows lässt sich eine VPN-Verbindung über die Systemeinstellungen hinzufügen. Dabei ist allerdings zu beachten, dass der integrierte Windows-VPN-Client nicht direkt mit einer beliebigen WireGuard- oder OpenVPN-Konfiguration kompatibel ist.
Für WireGuard und OpenVPN sollten Sie deshalb die jeweils passende Client-Software verwenden.
WireGuard unter Windows einrichten
Laden Sie zunächst den offiziellen WireGuard-Client herunter und installieren Sie ihn auf dem Windows-Rechner.
Anschließend benötigen Sie eine passende Client-Konfiguration. Diese enthält unter anderem die interne IP-Adresse des Geräts, den privaten Schlüssel des Clients sowie den öffentlichen Schlüssel des Servers.
Eine beispielhafte Konfiguration sieht folgendermaßen aus.
[Interface]
PrivateKey = PRIVATER_CLIENT_SCHLUESSEL
Address = 10.0.0.2/24
[Peer]
PublicKey = OEFFENTLICHER_SERVER_SCHLUESSEL
Endpoint = vpn.example.com:51850
AllowedIPs = 0.0.0.0/0
PersistentKeepalive = 25
Die Platzhalter müssen durch die tatsächlichen Werte Ihrer Installation ersetzt werden. Die Einstellung „AllowedIPs“ bestimmt, welcher Datenverkehr über das VPN geleitet wird. Mit „0.0.0.0/0“ wird der gesamte IPv4-Verkehr über die VPN-Verbindung geführt. Für einen reinen Zugriff auf das Firmennetzwerk können Sie stattdessen den entsprechenden internen IP-Adressbereich verwenden.
Importieren Sie die Konfiguration in den WireGuard-Client und aktivieren Sie den Tunnel. Damit die Verbindung funktioniert, muss der öffentliche Schlüssel des Clients außerdem auf dem Server hinterlegt sein.
OpenVPN unter Windows verwenden
Bei OpenVPN benötigen Sie den passenden Client und ein vom Server bereitgestelltes Verbindungsprofil. Bei OpenVPN Access Server kann dieses Profil über die Benutzeroberfläche heruntergeladen werden.
Installieren Sie zunächst den entsprechenden Client und importieren Sie anschließend die bereitgestellte Konfigurationsdatei. Danach können Sie die Verbindung über die Programmoberfläche aktivieren.
Alternativ lassen sich unter Windows VPN-Verbindungen über „Start“, „Einstellungen“, „Netzwerk und Internet“ und „VPN“ verwalten. Der dort integrierte VPN-Client unterstützt allerdings nicht automatisch die Konfigurationsdateien von OpenVPN oder WireGuard.
Fazit zum eigenen VPN-Server
Ein selbst betriebener VPN-Server ermöglicht es Unternehmen, ihre Netzwerkverbindungen weitgehend eigenständig zu verwalten. Besonders bei einer größeren Zahl von Mitarbeitern und einer bereits vorhandenen IT-Infrastruktur kann sich diese Lösung anbieten. Sie schafft zusätzliche Möglichkeiten bei der Integration in bestehende Sicherheitskonzepte und ermöglicht eine weitreichende Kontrolle über die eigene VPN-Umgebung.
Mit Linux, OpenVPN und WireGuard stehen dafür unterschiedliche Werkzeuge zur Verfügung. OpenVPN bietet eine lange etablierte Grundlage und umfangreiche Konfigurationsmöglichkeiten. WireGuard setzt dagegen auf eine schlanke technische Umsetzung und kann dadurch insbesondere bei der Geschwindigkeit und beim Ressourcenverbrauch Vorteile bieten.
Wer lediglich von unterwegs auf sein Heimnetzwerk zugreifen möchte, benötigt allerdings nicht unbedingt einen eigenen Linux-Server. In vielen Fällen reichen die VPN-Funktionen einer FRITZ!Box oder ein Raspberry Pi vollkommen aus.
Unabhängig von der gewählten Variante sollte man den Aufwand für Einrichtung, Wartung und Absicherung nicht unterschätzen. Regelmäßige Updates, sichere Schlüssel, eine korrekt konfigurierte Firewall und die Überprüfung der Zugriffsrechte gehören zum dauerhaften Betrieb dazu. Nur wenn diese Punkte berücksichtigt werden, kann ein eigener VPN-Server langfristig einen sinnvollen Beitrag zur Sicherheit und zum Schutz vertraulicher Daten leisten.