Carsten Schulze vom Fahrgastverband Pro Bahn e.V. ärgert ein paar Zeitgenossen ja gerne. Er macht das, was immer die üblichen Alltäglichkeiten stört: Er nennt die Dinge, die die Nutzer der Bahn und der Bahn-Infrastrukturen stören, beim Namen. Jüngst die irreführende Benennung der S-Bahn-Station "MDR". Jetzt hat er sich die Rückseite des Bayerischen Bahnhofs angeschaut.

Dass zum großen Start des S-Bahn-Netzes Mitteldeutschland im Dezember 2013 nicht alles fertig geworden ist, hat sich ja herumgesprochen. Da und dort hat man auch Dinge eingespart, die für ein öffentliches Infrastrukturprojekt unabdingbar sein sollten. Wie den barrierefreien Zugang zu einigen S-Bahn-Stationen wie in Markkleeberg-Großstädteln.

Aber auch die S-Bahnstationen am City-Tunnel Leipzig sind noch nicht alle fertig eingebunden. Das trifft insbesondere auf den Bayrischen Bahnhof zu, wo seit März zumindest die Erdarbeiten im Stationsvorfeld in Gang sind. Hinterm Bahnhof aber sieht es aus wie – eben hinterm Bahnhof.

Die neue S?Bahnstation “Leipzig – Bayerischer Bahnhof” hat zwei Zugänge, einen nördlichen direkt an den Straßenbahnstationen am Bayrischen Platz und einen südlichen Aufgang in Höhe des früheren Empfangsgebäudes. Der südliche Zugang bindet die angrenzenden Wohnviertel mittels kurzer Fußwege direkt an. Künftig soll er auch mal das neue Wohngebiet anschließen, das auf der Brache des ehemaligen Bahnhofsgeländes entsteht. Das ist noch Zukunftsmusik. Und wenn die Dinge auf sich warten lassen, baut man eben einen Zaun.Die südliche Anbindung der S-Bahn-Station wurde bisher auch nur einseitig hergestellt. Ein asphaltierter Fußweg führt zur Straße des 18. Oktober.

“Der Weg wurde aus nicht nachvollziehbaren Gründen eingezäunt”, stellt Carsten Schulze fest. “Weder ändert sich der Grundstückseigentümer (es ist eine Bahnanlage), noch gibt es Gräben, Böschungen oder andere Hindernisse. Alle Fahrgäste aus Richtung Südvorstadt, Restaurantbesucher und auch die Nutzer der Schulen / Schwimmhalle Tarostraße werden zu Umwegen genötigt.”

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Denn eine Wegeanbindung zur Kohlenstraße fehlt genauso wie eine zum Dösner Weg. Es wirkt ein wenig so, als habe Leipzigs Stadtverwaltung das Thema “Anschluss an die S-Bahn-Stationen” ganz den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB) überlassen. Die haben auch an etlichen Stellen die Übergänge kürzer und besser gemacht. Aber dass viele S-Bahn-Nutzer auch zu Fuß kommen können, scheint weder Bahn noch Stadt irgendwie sinnfällig zu sein.

“Das Hindernis muss umgehend beseitigt werden, deshalb fordert Pro Bahn als Sofortmaßnahme die Öffnung des eingebauten Tores und kurzfristig die vollständige Beseitigung des Zaunes, damit Fahrgäste die Station direkt erreichen können”, erklärt Carsten Schulze im Namen des Pro Bahn e.V. “Aus dem übrigen Areal der ehemaligen Bahnanlagen wird nach der Umgestaltung eine umfangreiche Grünanlage. Deren Ränder zur Südvorstadt hin (Kohlenstraße) sollen ergänzend bebaut werden. Bedeutung und Potenzial werden somit deutlich ansteigen.”

Sein Fazit zu diesem neuerlichen Schildbürgerstreich: “Es ist unverantwortlich, die hohen Investitionen in das neue S?Bahnnetz an den zentralen Stellen derart unbrauchbar abzuwerten.”

www.pro-bahn.de/mitteldeutschland

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