Leipzig will die Nonnenstraße in Plagwitz zur Fahrradstraße machen. Weil die Karlbrücke in der Industriestraße später fertig wird als geplant, verschiebt sich der Termin auf das zweite Halbjahr 2026. Der Ökolöwe e.V. begrüßt den Plan grundsätzlich – mahnt aber: Ohne bauliche Umgestaltung bleibt die Maßnahme wirkungslos. Das zeigte auch schon eine Einwohneranfrage, die im Februar vom Mobilitäts- und Tiefbauamt (MTA) beantwortet wurde.

„Ich pendle täglich zu unterschiedlichen Zeiten durch die Nonnenstraße im Abschnitt zwischen Industriestraße und Ernst-Mey-Straße. In diesem Bereich befinden sich unter anderem ein Pflegeheim, das Landesamt für Schule und Bildung, ein Supermarkt, zahlreiche weitere Geschäfte, Büros und ein Museum. Entsprechend herrscht tagsüber sowohl reger Fußgängerverkehr als auch intensiver Liefer- und Dienstleistungsverkehr“, beschrieb der Einwohner, der die Anfrage gestellt hatte, das, was er täglich in der Nonnenstraße vorfand.

„In dem genannten Abschnitt ist das Parken abschnittsweise nur auf jeweils einer Straßenseite zulässig. Reguläre Stellflächen für Lieferverkehr sind in diesem Bereich nicht vorhanden, obwohl dieser für die Versorgung der Einrichtungen, die Funktionsfähigkeit der ansässigen Betriebe sowie die lokale Wirtschaft unverzichtbar ist.

Nahezu täglich beobachte ich, dass mehrere Kraftfahrzeuge auf dem Gehweg abgestellt werden. In den meisten Fällen handelt es sich um Lieferfahrzeuge oder Fahrzeuge von Handwerkern und Dienstleistern. Diese Fahrzeuge behindern regelmäßig den Fußverkehr, insbesondere mobilitätseingeschränkte Personen, Eltern mit Kinderwagen sowie Bewohner und Besucher des Pflegeheims.

Das Parken auf dem Gehweg stellt eine Ordnungswidrigkeit dar und wird gemäß aktuellem Bußgeldkatalog mit 55 Euro geahndet. Bei Behinderung beträgt das Bußgeld 70 Euro und es wird ein Punkt im Fahreignungsregister eingetragen. Seit der Reform des Bußgeldkatalogs im Jahr 2021 wurden diese Strafen ausdrücklich erhöht, um schwächere Verkehrsteilnehmer besser zu schützen.

Im Januar 2025 informierte die Stadtverwaltung im Rahmen einer Veranstaltung im Westkreuz über die geplante Ausweisung der Nonnenstraße als Fahrradstraße. In diesem Zusammenhang äußerten Bürger den Hinweis auf die Einrichtung von Lieferzonen.“

Beschilderung, Markierung, Straßenraumumgestaltung

Wie das geändert werden soll, beschrieb das MTA so: „Die Anordnung der Fahrradstraßenregelung erfolgte auf Grundlage des sächsischen Planungsleitfadens zur Errichtung von Fahrradstraßen. Der Vorrang des Radverkehrs wird durch eine eindeutige Ausweisung als Fahrradstraße, entsprechende Beschilderung und Markierung und eine auf den Radverkehr ausgerichtete Straßenraumgestaltung deutlich gemacht. Fußgänger werden durch klar abgegrenzte und funktionsfähige Gehwege sowie eine übersichtliche und verkehrsberuhigte Gestaltung insbesondere an Kreuzungen geschützt. Die Andienung wird, wie bereits im Bestand, auf der südlichen Fahrbahnseite über ein eingeschränktes Haltverbot zugelassen.“

Aber der anfragende Bürger befürchtete, dass doch wieder auf den schmalen Gehwegen geparkt wird. Was tun?

Da äußerte das MTA eine nicht gerade kleine Verunsicherung: „Gehwege sind ihrer Zweckbestimmung nach und so in der StVO geregelt, den Fußgängern zur Fortbewegung und dem Aufenthalt vorbehalten. Das Befahren stellt eine Ordnungswidrigkeit dar, die nur von der Polizei, bzw. das Parken selbst vom Ordnungsamt, geahndet bzw. unterbunden werden kann. Das Ordnungsamt kontrolliert das im Rahmen seiner personellen Kapazitäten. Eine vollständige Verhinderung illegalen Parkens ist jedoch nicht bzw. wäre nur mit erheblichem baulichem Aufwand möglich, für den es u.a. keine finanziellen Kapazitäten gibt.“

Und so ist auch die Sicht des Leipziger Ökolöwen auf die Pläne für die Fahrradstraße sehr skeptisch.

Schilder allein reichen nicht

„Leipzigs Fahrradstraßen sind oft nur Schilder am Straßenrand – sie machen den Verkehr weder für Menschen auf dem Rad noch für Autofahrende sicherer. Die Nonnenstraße darf kein weiteres Alibi-Projekt werden“, betont Ökolöwen-Sprecher Matthias Uhlig. „Fahrradstraßen brauchen klare Farbmarkierungen, sichere Abstände zu parkenden Autos und vor allem Maßnahmen, die den Autodurchgangsverkehr wirksam eindämmen.“

Für eine echte Fahrradstraße fordert der Ökolöwe fünf Punkte verbindlich:

Auffällige Fahrbahnmarkierungen und klar erkennbare Bereiche für den Radverkehr

Sicherheitsstreifen von mindestens 75 cm zu parkenden Autos gegen Dooring-Unfälle 

Diagonalsperre auf Höhe der Ernst-Mey-Straße zur Reduzierung des Durchgangsverkehrs

Verschwenkte Fahrbahn und versetzte Park- und Lieferzonen im westlichen Abschnitt bis zur Einmündung Weißenfelser Straße

Blau-grüne Infrastruktur mit Straßenbäumen, Pflanzbeeten und wasserdurchlässigem Belag

„Leipzig hat aktuell nur 7,8 Kilometer Fahrradstraßen – bis 2030 sollen es laut Radverkehrsentwicklungsplan 71 Kilometer werden. Die Nonnenstraße ist ein entscheidender Prüfstein dafür, wie ernst es die Stadt mit diesem Ziel meint“, hebt Uhlig hervor.

Der Ökolöwe fordert die Stadtverwaltung deshalb auf, die Verzögerung als Chance zu nutzen und die Nonnenstraße zu einem Vorbildprojekt zu machen – so wie es viele Städte im In- und Ausland bereits erfolgreich vorgemacht haben.

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Es gibt 4 Kommentare

Fahrradstraße finde ich ok. Um Schleichverkehr zu reduzieren fände ich darüberhinaus eine Durchfahrtsbeschränkung für PKW sinnvoll, aber nicht in der Form von Verschwenkungen und/oder Diagonalsperren – das kostet viel Geld, sieht furchtbar aus, und ist auf dem schmalen Verkehrsraum nicht sinnvoll zu realisieren.

Ich nutze die Straße vorwiegend zu Fuß, seltener mit dem Rad oder Auto. Durchgehende Vorfahrt für die Nonnenstraße halte ich als Fußgänger für gefährlich, e-Lastenradler zB sausen da oft schnell entlang. Als Fussgänger muss ich oft die Fahrbahn benutzen, da der Gehweg zwischen ALDI und Industriestrasse zugeparkt wird, zB Krankentransporte oder Lieferdienste.
Kann man nicht zB an der Karl-Heine-Strasse-Einmündung das Linksabbiegen untersagen? Dann wäre zB dieser Schleichverkehr raus. Oder die Brücke für KFZ eine Richtung sperren.

Schön, dass dort endlich eine Fahrradstraße ausgewiesen wird, aber es bleibt wirklich zu hoffen, dass es über die reine Beschilderung hinausgeht. Gerade die angesprochenen Lieferzonen würden das Gehwegparken gut reduzieren. Aber mit den Gehwegnasen wurde ein guter Anfang schon gemacht. Und bitte die nördlich der Industriestraße durchgehende Bevorrechtigung der Nonnenstraße so beibehalten! Je weniger Bremsvorgänge, desto entspannter und zügiger das Radeln.
Die Diagonalsperre wäre verkehrstechnisch sehr sinnvoll Abkürzung über die Nonnenstraße (statt Erich-Zeigner-Allee + Karl-Heine-Straße) zu schließen und damit den Durchgangverkehr zu verringern. Außerdem ist die Kreuzung der Hauptblockadepunkt auf der Strecke.

Diagonalsperren verhindern nicht nur den Durchgangsverkehr, sondern behindern auch den Rettungsverkehr. Ich sehe schon wie sich die Fahrer der Feuerwehr an der Kreuzung Nonnenstraße und Ernst-Mey-Straße abmühen. Die ist ja auch so groß, das da ein Leiterwagen nur mit der Hälfte der Kreuzungsfläche auskommt.

Diagonalsperre an der Kreuzung zur Ernst-Mey-Straße? Das wird im Leben nicht passieren: “Der Ökolöwe” will gleich noch die Polizei drangsalieren? Superidee!

Was bitte haben auf dem Fußweg regelwidrig abgestellte PKW damit zu tun, eine Fahrradstraße ausweisen zu wollen? Fahrbahnverschwenkung? Was soll das? Schon die für eine Unsumme verschlimmbesserte Einmündung der Nonnenstraße in die Erich-Zeigner-Allee ist und bleibt sinnlos – für alle VerkehrsteilnehmerInnen.

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