Kurzer Halt an der Gohliser Mühle und ein falscher Fluss im Bett der Parthe

ReportageSchon das erste Stück der Route an der Parthe zeigt: Hier wird Abwechslung geboten. Und es ist eher schwer verständlich, warum dieses Stück weder offiziell zur Parthe-Mulde-Radroute gehören sollte, noch, warum es so schlecht ausgeschildert ist. Gut fahren (mit entsprechender Vorsicht bei schlammigen Wegen) kann man bis hierher. Hinter der Sportanlage der SG Olympia führt der Weg direkt zur Gohliser Wehrbrücke.

Das ist die Brücke, die im Verlauf der Waldstraße die Parthe überspannt. Hier ist der Schillerhain, wo seit 2009 auch wieder eine Schillerlinde steht. Der Spielplatz lädt Familien ein – falls man die Kleinen mitgenommen hat auf die Tour. Ein Wehr sucht man hier freilich vergeblich. Denn das ist verschwunden seit auch die – ha, und nun kommt’s – Pleiße 1905 bis 1913 an dieser Stelle begradigt wurde. Denn bis dahin floss die Parthe innenstadtnah direkt in die Pleiße und die Pleiße floss nach Gohlis. Vielleicht tun sich deswegen viele Leute so schwer, den Parthe-Radweg an der Weißen Elster beginnen zu lassen.

Wegweiser kurz vor der Waldstraße. Foto: Ralf Julke

Wegweiser kurz vor der Waldstraße. Foto: Ralf Julke

Die Pleiße floss durch den Zoologischen Garten nach Gohlis. Und da sie als Fluss wesentlich wasserreicher war als die Parthe, hatte sie in Gohlis auch noch die Kraft, die Gohliser Mühle anzutreiben, die mindestens seit 1390 existierte. Die Gohliser Müller waren der stärkste Wirtschaftsfaktor in Gohlis. Der alte Pleißebogen bei Gohlis aber wurde bis 1913 zugeschüttet, so dass die Mühlgebäude heute fernab von jeder Wasserverbindung an der Platnerstraße stehen. Jahrelang wurde noch die alte Sägemühle als Gaststätte „Zur Mühle“ genutzt.

Mit dem kompletten Umbau der alten Mühlengebäude zu einer Kindertagestätte kann man das nur noch erraten, wenn man es weiß.

Phantasie aber hilft an dieser Stelle, denn es hat schon was, sich die ganzen Wassermassen vorzustellen, wie sie hier zwischen den und rechts neben diesen Gebäuden als Abschlagwasser quasi die heutige Straße querten. Wenn man sich umdreht, sieht man an der Platnerstraße/Marbachstraße einen kleinen Park, der deutlich unter dem Straßenniveau liegt. Hier verbreitete sich die Pleiße, nachdem sie die Mühlenanlage durchflossen hatte, zur Mühl-Waag, einem richtigen Teich, und floss dann weiter Richtung Süden, dort entlang, wo heute die Parthe fließt.

Die wichtigsten Fakten dazu findet man auf der Website leipzig-gohlis.de, die auch eine kleine Ortschronik für Gohlis enthält.

An der Mühle vorbei führte übrigens auch der Weg von Gohlis nach Leipzig, den ein gewisser Friedrich Schiller nahm, als er im Sommer 1785 im von seinem Verleger Göschen gemieteten Sommersitz in einem alten Bauernhaus in Gohlis Urlaub machte und – möglicherweise – an der „Ode an die Freude“ und am „Don Carlos“ schrieb.

Man hat also an dieser Stelle der Route nicht nur eine Abschweifmöglichkeit zur ehemaligen Mühle (und zwei eindrucksvollen Gastronomien mit „Münster’s“ und der „Alten Drogerie“), sondern auch Gelegenheit, das Schillerhäuschen in der Menckestraße anzusteuern. Wochenends geöffnet in den Sommermonaten ab 10 Uhr.

Am Sportplatz der SG Olympia zuerst gesichtet: das Signet des Parthe-Mulde-Radweges. Foto: Ralf Julke

Am Sportplatz der SG Olympia zuerst gesichtet: das Signet des Parthe-Mulde-Radweges. Foto: Ralf Julke

Dafür sind wir natürlich zu früh an der Gohliser Wehrbrücke, die heute zumindest noch daran erinnert, dass sie vor 100 Jahren auch mal schmucke Kandelaber trug. Die Parthe fließt hier sinnfällig geradeaus. Folge der Begradigung vor 100 Jahren.

Wir fahren also keinen hübschen (Pleiße-)Bogen nach Gohlis rein, sondern drücken hier lieber den Knopf der Bedarfsampel, die den Radweg über die Waldstraße führt. Die Nutzung der Ampel kann nur empfohlen werden. Hier kommen nicht nur Autofahrer von beiden Seiten in hohem Tempo angerast, sondern auch die Straßenbahn der Linie 4 quert hier die Brücke und kreuzt zugleich die Fahrbahn. Wer lebend rüber will, wartet also lieber und stürzt sich dann auf den zweiten Teil der Strecke durchs Rosental.

 

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Foto: Ralf Julke

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Nadine Stitterich. Foto: Alexander Sens

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