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Jede vierte Fahrt auf Leipzigs Hauptstraßen hat dienstliche Gründe

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    Ohne Wirtschaftsverkehr funktioniert eine Großstadt wie Leipzig nicht. 2015 kochte ja im Leipziger Stadtrat der Streit hoch, was denn Wirtschaftsverkehr eigentlich ist, ob er in den „Modal Split“ der Bürger einfließt, ob er durch Straßenbahnen und Radfahrer ausgebremst wird oder nicht. Die IHK zu Leipzig wollte es nun wirklich mal in Zahlen wissen. Am Donnerstag, 15. September, hat sie Teilergebnisse ihrer Verkehrsstudie vorgestellt.

    Im Rahmen eines öffentlichen Forums wurden die ersten Zwischenergebnisse der Verkehrsstudie, die den Wirtschaftsverkehr in der Stadt Leipzig beleuchtet, vorgestellt. Die Ergebnisse zeigen, dass mit drei Viertel der untersuchten Fahrten ein erheblicher Anteil dem Wirtschafts- und Berufsverkehr zuzuordnen ist, stellt die IHK in der Summe fest. Ziel der Verkehrsstudie ist es, die Bedeutung und die Anforderungen des Wirtschaftsverkehrs nun in den Leipziger Stadtentwicklungsplan Verkehr und öffentlicher Raum (STEP 2025) einfließen zu lassen. Die IHK-Studie soll im Dezember abgeschlossen und Anfang 2017 dem Stadtparlament und damit der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

    Zur Konkretisierung der Anforderungen an einen funktionierenden Wirtschaftsverkehr hat die IHK zu Leipzig das Ingenieurbüro für Verkehrsanlagen und -systeme (IVAS) Dresden und die TCI Röhling Transport Consult International aus Waldkirch mit der Erarbeitung dieser umfassenden Verkehrsstudie beauftragt.

    Der STEP ist zwar beschlossen, enthält auch ein Kapitel zum Wirtschaftsverkehr. Aber der ist dort nicht wirklich mit Zahlen untersetzt. In Bezug auf den jüngst beschlossenen Stadtentwicklungsplan Verkehr und öffentlicher Raum (STEP 2025) kritisiert die IHK: „Darin wird nur in einem sehr begrenzten Umfang auf die Mobilitätsbelange des Wirtschaftsverkehrs eingegangen. Und eine nicht unwichtige Frage ist natürlich: Wie viel Raum bleibt dem Wirtschaftsverkehr noch, wenn das Kfz-Aufkommen in Leipzig weiter steigt?“

    „Mit den vorliegenden Daten und den Ergebnissen der Diskussion im Forum haben wir eine breite Grundlage, um im Sinne der Wirtschaft in und um Leipzig für eine zweckmäßige und zukunftsfähige Verkehrsplanung einzutreten“, sagt Dr. Thomas Hofmann, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Leipzig. „Darüber hinaus müssen weitere Faktoren wie die Bevölkerungsprognose, Pendlerzahlen und die Einzelhandelsentwicklung in das Verkehrsmodell der Stadt Leipzig eingehen.“

    Die Grundlage der ersten Meldung bieten zwei Erhebungen: Einmal wurden im Auftrag der IHK über 20.000 Verkehrsteilnehmer an sieben wichtigen Ausfallstraßen befragt. Ergänzt wurde die Erhebung durch eine Befragung von über 500 Mitgliedsunternehmen der IHK und weitere aus der Handwerkskammer.

    Die Ergebnisse der Verkehrsbefragung bestätigen die Vermutung, dass ein sehr erheblicher Anteil des täglichen Verkehrs in Leipzig wirtschaftlichen Zwecken dient.

    Über 20.500 Fahrzeugführer aller Fahrzeugklassen wurden während der Verkehrsbefragung im Juni 2016 an sieben wichtigen Leipziger Einfallstraßen zum Ausgangs- und Zielort sowie zum Zweck der Fahrt befragt. Dabei lag der Anteil dienstlicher Fahrten (Wirtschaftsverkehr) bei 27 Prozent, der des Berufsverkehrs bei 49 Prozent. Der Anteil des sonstigen privaten Verkehrs machte 24 Prozent aus. Bei drei Viertel aller Fahrten handelt es sich um Quell- und Zielverkehr (Start oder Ziel liegen in Leipzig), 15 Prozent der Fahrten hatten Start und Ziel in Leipzig (Binnenverkehr) und 10 Prozent entfielen auf den Durchgangsverkehr.

    Berufsverkehr und private Fahrten werden vom „Modal Split“ erfasst, der zum Beispiel die täglichen Wege der Leipziger zur Arbeit, zur Ausbildung oder zum Einkauf beschreibt, die reinen Wirtschaftsfahrten aber nicht. Sie kommen also obendrauf. Und sie brauchen eigenen Raum in der Stadt. Das reicht von den Lieferfahrzeugen für Geschäfte und Gastronomie über die Fahrten von Baustellenfahrzeugen und Betonmischern bis zu Handwerkereinsätzen, Hausmeisterfahrten, Pflegediensten oder auch Post und Pizza-Diensten.

    Viele von ihnen brauchen auch Entladeflächen zumeist in stark frequentierten Straßen – woran es meistens erheblich mangelt. Die Ängste der Unternehmen, bei einem zunehmend dichter genutzten Straßennetz Einbußen zu erleiden, sind also verständlich.

    Die Lösungen liegen ganz und gar nicht auf dem Tisch.

    Bei der Unternehmensbefragung wurde das Ganze dann aus Sicht derjenigen gespiegelt, die mit den gegebenen Umständen täglich umgehen müssen.

    523 Mitgliedsunternehmen der IHK zu Leipzig und 171 Mitgliedsunternehmen der Handwerkskammer zu Leipzig gaben im Rahmen der Unternehmensbefragung im Sommer 2016 Auskunft zu Fahrzeugbestand, Fahrtenanzahl, Routenwahl, Problemen und Perspektiven.

    Und deutlich wird: Auslagern aus der Stadt kann man diesen Verkehr gar nicht. Er ist das Rückgrat der städtischen Selbstversorgung. Selbst wenn man annimmt, dass sich vor allem Unternehmen an der Befragung beteiligt haben, für die Lieferverkehr in irgendeiner Form zentraler Bestandteil ihrer Arbeit ist. Die anderen Unternehmen sind dann in der Regel die Lieferadressen und zumeist zwingend auf schnelle Lieferung oder Dienstleistung angewiesen.

    Rund 53 Prozent der Unternehmen führten an, Ziele innerhalb des Innenstadtrings häufig oder sogar überwiegend anzufahren. Für Ziele im restlichen Stadtgebiet lag der Anteil sogar bei 73 Prozent. Knapp die Hälfte sehen beim Be- und Entladen große bis sehr große Probleme. Rund 90 Prozent der Befragten erwarten zukünftig ein gleichbleibendes bzw. steigendes Verkehrsaufkommen.

    Stoff genug also, über die Organisation des Wirtschaftsverkehrs in Leipzig ernsthafter nachzudenken.

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