Die Welt ändert sich. Und mehrere Jahrzehnte lang konnte Deutschland so tun, als wäre ein Exportüberschuss dauerhaft machbar, würden die Länder der Welt einfach aus lauter Dankbarkeit deutsche Autos kaufen. Doch mit der Globalisierung hat sich das geändert. Alte Exportstrategien funktionieren nicht mehr und die schiefe Staatsfinanzierung in Deutschland wird zum Problem. Auch für die Wirtschaft. Die Konjunkturflaute auch in Leipzigs Wirtschaft kommt nicht von ungefähr. Die IHK hat jetzt die neuen Zahlen vorgelegt.
Zu ihrer jüngsten Konjunkturbefragung im Kammerbezirk Leipzig schätzt die IHK ein: „Die Situation der gewerblichen Wirtschaft im IHK-Bezirk Leipzig hat sich in den vergangenen Monaten kaum verändert. Die Lage bleibt für einen Großteil der Unternehmen angespannt und die Geschäftserwartungen lassen auch in den kommenden Monaten kaum Besserung erwarten.
Der IHK-Geschäftsklimaindex für den IHK-Bezirk Leipzig stagniert bei 105 Punkten und setzt seine Seitwärtsbewegung auf niedrigem Niveau fort. Damit werden Hoffnungen auf eine nachhaltige konjunkturelle Erholung auch diesmal wieder enttäuscht.“
Was natürlich die Frage aufwirft: Was kann eigentlich die Konjunktur in Deutschland ankurbeln? Das vor einem Jahr vom Bundestag genehmigte Sondervermögen ist es ganz offensichtlich nicht. Dazu sind die genehmigten 500 Milliarden Euro über zehn Jahre schlicht zu wenig. Und diese werden auch noch größtenteils eingesetzt, um ohnehin geplante Investitionen im Bundeshaushalt zu ersetzen.
Es ist eine im Grunde winzige Blase, die darüber hinwegtäuscht, dass im deutschen Staatshaushalt ganz andere Summen fehlen, damit der Staat überhaupt als Konjunkturmotor funktionieren kann.
An der Konjunkturbefragung der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Leipzig zum Jahresbeginn 2026 beteiligten sich 518 Unternehmen aller Branchen und Größenklassen mit ca. 28.000 Beschäftigten.
Keine spürbaren Reformen in Bund und Land
„Die Unternehmen verharren in einer konjunkturellen Hängepartie“, bewertet IHK-Präsident Kristian Kirpal die Umfrageergebnisse. Und dann wird er deutlich: „Die Regierungen auf Bundes- und Landesebene haben es bislang nicht geschafft, mit verlässlichen und entlastenden Reformen für spürbar mehr Zuversicht in den Unternehmen zu sorgen.
Die weiter steigende Kostenbelastung, der unverminderte Bürokratieaufwand und die unsicheren wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen bremsen Investitionen und Wachstum auch in unserer Region. Nach wie vor verhindern die fehlende Planungssicherheit und hohe Standortkosten, dass Unternehmen in größerem Umfang in neue Technologien, zusätzliche Kapazitäten oder die Transformation ihrer Geschäftsmodelle investieren“, so Kirpal weiter. „Ohne verlässliche, entlastende Reformen werden viele Betriebe ihre Investitionszurückhaltung beibehalten.“
Man kann sich natürlich an Bürokratie und Kostenbelastung festbeißen. Aber längst haben sich die äußeren Bedingungen für die extrem exportorientierte deutsche Wirtschaft geändert.
Das stellt auch die IHK fest: „Hinzu kommen die Folgen des zunehmenden US-Protektionismus, neue Zölle und weltwirtschaftliche Spannungen, die den Welthandel dämpfen und die Exportchancen der regionalen Unternehmen beeinträchtigen. Eine konsequente Diversifizierung der Absatzmärkte sowie eine entschlossene Stärkung des Wirtschaftsstandortes Deutschland durch spürbare Kostenentlastungen und konsequenten Bürokratieabbau sind daher dringend erforderlich.“
Verschärfter Wettbewerb
So ganz mag sich Leipzigs IHK-Präsident nicht davon lösen, die Lösung für die deutsche Wirtschaftsflaute in neuen Erfolgen auf den Weltmärkten zu sehen, gerade dort, wo der Wettbewerb immer unerbittlicher wird.
„Die Politik muss noch konsequenter handeln, um den Standort wieder wettbewerbsfähig zu machen“, fordert Präsident Kirpal. „Wir brauchen mutige und durchgreifende Reformen zur dauerhaften Senkung der Arbeits- und Energiekosten, zur Reduzierung der Unternehmenssteuern sowie zur Stärkung von Investitionen in Innovation und Digitalisierung. Erst dann kann die gewerbliche Wirtschaft wieder Tritt fassen und neue Wachstumskräfte entfalten.“
Nur: Welche sollten das sein? In Sachsen dominiert auf diesem Feld der Autobau, der aber längst massiv Marktanteile insbesondere an China verloren hat. Während gleichzeitig der Binnenmarkt stagniert, weil gleich alle drei staatlichen Ebenen lieber Sparprogramme auflegen, als die Konsumkraft im Land zu stärken, während Energiepreise und steigende Mieten die Kaufkraft der Bevölkerung deutlich schwächen.
Die Stimmungsbilder der Leipziger Wirtschaft
Die Unternehmen bewerten ihre Geschäftslage etwas schlechter als im Herbst 2025. Der Lagesaldo sinkt um zwei auf aktuell 15 Punkte. Die gewerbliche Wirtschaft verharrt im konjunkturellen Tief. Die branchenübergreifende Stimmung ist entsprechend verhalten, zumal sich die Ertragslage in über 40 Prozent der Unternehmen verschlechtert hat.
Am deutlichsten trübten sich zuletzt die Lagebewertungen im Gast- und Tourismusgewerbe ein. Dagegen hat im Handel das Jahresendgeschäft zumindest temporär für etwas Entspannung gesorgt.
Die Geschäftsaussichten der Unternehmen bleiben auch zum Jahresbeginn 2026 von Skepsis, Zurückhaltung und Verunsicherung geprägt. Zwar rechnen 20 Prozent der Betriebe mit besseren Geschäften, gleichzeitig erwarten 24 Prozent eine Verschlechterung, sodass der Erwartungssaldo mit –4 Punkten nur knapp über dem Niveau der Herbstumfrage und des Jahresbeginns 2025 liegt. Eine nachhaltige konjunkturelle Erholung ist damit weiterhin nicht in Sicht und die erhoffte Trendwende bleibt aus.
In der Industrie steigen die Geschäftserwartungen zwar leicht, können die Wachstumsperspektiven aber nicht spürbar verbessern. Die Nachfrageentwicklung bleibt problematisch.
Im Baugewerbe führen die anhaltende Investitionsschwäche, hohe Baukosten und Fachkräftemangel zu zurückhaltenden Aussichten. Vom „Investitionsturbo“ ist hier noch nichts zu spüren.
Auch im Dienstleistungsgewerbe führt eine schwache Auftragsentwicklung vielfach zu gedämpften Geschäftserwartungen. Im Handel ist eine etwas bessere Erwartungshaltung festzustellen. Die Unternehmen hoffen aufgrund der kräftigen Anhebung des Mindestlohnes zumindest auf eine leichte Belebung des privaten Konsums.
Auch im Verkehrsgewerbe steigen die Erwartungen geringfügig, bleiben aber durch hohe Energie-, Maut- und Personalkosten belastet.
Deutlich skeptischer blickt das Gast- und Tourismusgewerbe in die Zukunft. Selbst die Mehrwertsteuersenkung auf Speisen zu Jahresbeginn 2026 verschafft den Unternehmen kaum Spielraum. Zu hoch ist für viele Betriebe der Kostendruck, insbesondere bei den Lohn- und Energiekosten.
Die schwache Nachfrage und der anhaltend hohe Kostendruck schlagen zunehmend auf die Beschäftigungspläne der Unternehmen durch. Momentan gehen jeweils 17 Prozent der Betriebe von steigenden bzw. sinkenden Mitarbeiterzahlen aus. Entsprechend liegt der Saldo bei 0 Punkten und damit deutlich unter dem Vorjahreswert (6 Punkte). In der gewerblichen Wirtschaft der Region ist 2026 mit einem Beschäftigungsrückgang zu rechnen.
Auch beim Investitionsgeschehen sind zum Jahresbeginn 2026 kaum positive Signale erkennbar. Die Investitionsaktivitäten der Unternehmen bleiben ausgesprochen niedrig. Aktuell planen nur 16 Prozent, ihre Investitionsausgaben zu erhöhen, während 22 Prozent diese zurückfahren wollen. Der Investitionssaldo sinkt damit auf –6 Punkte. Knapp jeder vierte Betrieb verzichtet vollständig auf Investitionen. Wo investiert wird, stehen vor allem Ersatzbeschaffungen, Rationalisierungsmaßnahmen und punktuelle Innovationen im Vordergrund; expansive Wachstumsprojekte bleiben die Ausnahme.
Die Spitze der regionalen Geschäftsrisiken wird auch zum Jahresbeginn 2026 von den Arbeitskosten angeführt. Mit 65 Prozent der Nennungen liegt dieser Faktor deutlich vor der Inlandsnachfrage und den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen mit jeweils 53 Prozent. Unter letztgenanntem Faktor werden von den Unternehmen u. a. die Problemfelder Bürokratie und Regulierung, Steuerpolitik sowie internationale Handels- und geopolitische Risiken benannt. Für rund die Hälfte der Betriebe stellen weiterhin auch die Energiepreise ein zentrales Geschäftsrisiko dar.
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