Alle Lehren aus den Krisen des 20. Jahrhunderts haben eigentlich gezeigt, dass Staaten und Regierungen ein wichtiges Instrument in den HÃĪnden halten, um in Wirtschaftskrisen gegenzusteuern. Genau dann nÃĪmlich helfen wirklich finanziell gut ausgestattete Konjunkturprogramme, die Unternehmen staatliche AuftrÃĪge verschaffen und damit letztlich ArbeitsplÃĪtze und Einkommen mit sich bringen.

Doch seit der Neoliberalismus die KÃķpfe der Politiker verdreht hat, verstehen sie es nicht mehr und reden – wie aktuell in Deutschland und Sachsen – wie besoffen von KÞrzungen, KÞrzungen, KÞrzungen. Und der DGB Sachsen dÞrfte sich bestÃĪtigt sehen in seinen schlimmen Erwartungen, als er am Mittwoch das Ergebnis der Kabinettsklausur der sÃĪchsischen Regierung erfuhr.

Denn das bedeutet im nÃĪchsten Doppelhaushalt eben wieder – wie schon im Doppelhaushalt 2025/2026 – KÞrzungen im dreistelligen Millionenbereich. Eigentlich wieder im Milliardenbereich, auch wenn Sachsen diesmal sogar neue Kredite in HÃķhe von etwa 1,4 Milliarden Euro aufnehmen muss, um die Haushalte zu decken und wenigstens ein paar Millionen Euro fÞr die Ko-Finanzierung von Investitionen in den Kommunen zusammenzubekommen.

Und das mit der gar nicht unterfÞtterten Hoffnung, dass das im nÃĪchsten Doppelhaushalt vielleicht nicht mehr nÃķtig sein wÞrde.

Dabei hat Sachsen selbst in den wirtschaftlichen Aufschwungzeiten immer viel zu wenig investiert. DafÞr inzwischen Þber 13 Milliarden Euro abgezweigt und im Generationenfonds gelagert, mit dem die BeamtengehÃĪlter der Zukunft abgesichert werden sollen, wÃĪhrend die Investitionen der Gegenwart nicht getÃĪtigt wurden. Eine eher seltsame Zukunftsvorsorge.

Zukunftsinvestitionen jetzt!?

„Sachsen braucht jetzt Zukunftsinvestitionen und keinen KÞrzungshaushalt“, sagte die sÃĪchsische DGB-Vorsitzende, Daniela Kolbe, schon am 22. April.

„Wir fordern von der SÃĪchsischen Staatsregierung eine vorausschauende Finanzpolitik, die Zukunftsaufgaben proaktiv angeht. Die aktuellen KÞrzungsdebatten sind angesichts der Wirtschaftskrise und der Sorgen vieler BeschÃĪftigter um ihren Job das falsche Signal und verschÃĪrfen die Unsicherheit. Aus Krisen kann man sich nicht heraussparen. Umso wichtiger ist in schwierigen Zeiten ein handlungsfÃĪhiger Staat, der Unternehmen und BeschÃĪftigten Sicherheit gibt und die richtigen Weichen fÞr die Zukunft stellt. Es geht um eine Richtungsentscheidung.“

Daniela Kolbe. Quelle: DGB Sachsen/Rietschel
Daniela Kolbe. Quelle: DGB Sachsen/Rietschel

Kolbe forderte die Staatsregierung deshalb auf, beim Doppelhaushalt alle SpielrÃĪume zu nutzen, die zur VerfÞgung stehen, um KÞrzungen zu verhindern. FÞr kraftvolle Investitionen in die Zukunft mÞssten mehr Ressourcen mobilisiert werden.

„Die Schuldenbremse in Sachsen darf nicht zur Investitionsbremse werden“, sagte sie. „Notwendig ist insbesondere die VerlÃĪngerung der absurd kurzen Tilgungsfristen, beispielsweise bei den Coronaschulden. Außerdem muss zwingend die MÃķglichkeit genutzt werden, dass sich auch Sachsen mit 0,35 Prozent des BIP neu verschulden kann.

Wer kurzsichtig bei Investitionen in die Infrastruktur, die Wirtschaftsentwicklung, die Bildung und das Personal kÞrzt, richtet dauerhaften Schaden an und verliert die HandlungsfÃĪhigkeit. Die fehlenden Investitionen von heute, sind die Schulden von morgen. Auch mit Blick auf die zukÞnftigen Generationen muss die Staatsregierung jetzt gestalten, um den Freistaat zukunftsfest zu machen.“

Den Spielraum von 0,35 Prozent Neuverschuldung, gemessen am BIP, hat die Staatsregierung tatsÃĪchlich genutzt, auch wenn das letztlich trotzdem viel zu wenig Geld ist, um einen spÞrbaren konjunkturellen Effekt auszulÃķsen. Gleichzeitig hat sie aber auch – wieder einmal, wie schon in den 2000er-Jahren – ein Stellenstreichungsprogramm aufgelegt und allen Ministerien weitere KÞrzungen im dreistelligen Millionenbereich auferlegt.

Substanzverlust seit 2000

Die fÞr die Kommunen vorgesehenen „Konjunkturmittel“ von rund 350 Millionen Euro pro Jahr werden nicht einmal ausreichen, die Defizite in den sÃĪchsischen Landkreisen und Kreisfreien StÃĪdten auszugleichen. Und dabei schiebt Sachsen durch seine Sparpolitik der vergangenen Jahre einen Investitionsstau im zweistelligen Milliardenbereich vor sich her.

Daniela Kolbe verwies bei ihrer Warnung vor einem KÞrzungshaushalt auf die am 22. April vom Institut fÞr MakroÃķkonomie und Konjunkturforschung (IMK) verÃķffentlichten Ergebnisse einer bundesweiten Onlineumfrage, nach der die große Mehrheit der BevÃķlkerung mehr Investitionen in allen zentralen Bereichen der Ãķffentlichen Infrastruktur wÞnsche. Seit 2021 habe der Wunsch nach zusÃĪtzlichen Ãķffentlichen Investitionen in vielen Bereichen sogar zugenommen.

In seiner Investitionsstudie fÞr den Freistaat von 2024 beziffert der DGB den Investitionsbedarf fÞr Sachsen von 2024 bis 2033 auf 44 Milliarden Euro, also rund 4,5 Milliarden Euro jÃĪhrlich. Aber Sachsen hat sich mit seiner besonders strengen Schuldenbremse regelrecht selbst lahmgelegt, kritisierte der DGB dort:

„Schuldenvermeidung und Schuldentilgung begrenzen aber die Investitionen des Freistaats unnÃķtig stark. Der Vorteil einer niedrigen Verschuldung (geringere Zinskosten) ist gegenÞber dem Nachteil einer unzureichenden Infrastruktur mindestens fragwÞrdig. So fehlen die Wachstumsimpulse, die sich aus Investitionen in bessere Bildung, Gesundheit, Infrastruktur und Klimaschutz ergeben. Auch mÞssen die gesparten Zinsen mit den Kostensteigerungen der verschobenen Investitionen ins VerhÃĪltnis gesetzt werden. In den letzten Jahren waren die Zinskosten niedriger als die Baukostensteigerungen.“

Oder so formuliert: Als die Baukosten noch angemessener waren, hat Sachsen nicht gebaut und investiert. Nun fallen alle Investitionen in eine Zeit, in der Bauen um ein Vielfaches teurer geworden ist. Auch so kann man Geld regelrecht verbrennen. Und das war nicht die einzige Kritik, die Sachsens Regierung ein schlechtes Zeugnis fÞr ihre Investitionspolitik ausstellte: „Trotz vergleichsweise hoher Ãķffentlicher Investitionen in Sachsen gelingt es nicht, den Investitionsstau abzubauen. Der Werteverzehr setzt sich weiter fort und der schwache Zustand der Infrastruktur bremst die wirtschaftliche Entwicklung.“

Bis zum Jahr 2000 hat Sachsen – auch mit Kreditaufnahmen – seinen Kapitalstock (also alle wichtigen Infrastrukturen) modernisiert und zukunftsfÃĪhig gemacht. Aber ab diesem Zeitpunkt sanken die sÃĪchsischen Investitionsraten. Und zwar so tief, dass weniger neue Infrastrukturen entstehen als alte verschleißen und zum Sanierungsfall werden.

TatsÃĪchlich hat Sachsen – auch mit den Investitionszuweisungen fÞr die Kommunen – nicht einmal halb so viel investiert, wie es zum Erhalt des Kapitalstocks hÃĪtte investieren mÞssen. SpielrÃĪume, durch tatsÃĪchlich hÃķhere Investitionsraten nun selbststÃĪndig die Konjunktur anzukurbeln, hat der Freistaat nicht. Im Gegenteil: Die lahmende Konjunktur trifft auf einen Freistaat, dessen finanzielle SpielrÃĪume jetzt so klein sind wie in den vergangenen 25 Jahren nicht.

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