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Beschissatlas: Harte Fakten zu Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt – fröhlich illustriert

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    Die Welt verändert sich. Und die Wahlergebnisse der Piratenpartei erzählen von etwas Seltsamen, was da geschieht im Volke. Die Wähler werden unberechenbarer, aufmüpfiger und - jawollo - ungehorsamer. Sie springen nicht mehr, wenn ein genervter Politiker Basta! ruft oder von Unausweichlichkeiten schwadroniert. Zu sichtbar ist längst, was die Das-haben-wir-immer-so-gemacht-Herren mit unserer Welt angerichtet haben. Zeit für einen "Beschisskatalog".

    Die Zahlen sind alle verfügbar. Das Bundesamt für Statistik spuckt sie aus, Institutionen wie die Bertelsmann-Stiftung oder die Friedrich-Ebert-Stiftung packen sie in Studien. Organisationen, die sich mit Umwelt, Ernährung, Rüstungswirtschaft und Demokratie beschäftigen, haben sie – sie sind in Büchern, Lexika und profunden Sites im Internet zu finden.

    Es gibt keine wirkliche Ausrede mehr nach dem Motto „Das haben wir nicht gewusst“. Es gibt nur noch die teuer aufmunitionierten Lobby-Verbände der großen Konzerne, die sich mit freundlicher Frechheit in die Vorzimmer der Politiker setzen und ihnen die Gesetzestexte schreiben, wo im Kleingedruckten oder in den Ausführungsbestimmungen die Schweinereien stehen, die ihnen ihre Profite sichern, den Zugriff auf gesellschaftliche Güter, auf den Reichtum der Nationen.Ute Scheib, Journalistin und promovierte Politikwissenschaftlerin, hat die meisten Erkenntnisse zu all diesen Schieflagen gesammelt. Es sind wirklich viele. Vom Beschiss bei der Entlohnung von Arbeit über den gesetzlich fixierten Betrug in der Steuergerechtigkeit, die Feigheit der Regierungen vor den Steueroasen, die organisierte Chancenungleichheit in den Schulen bis hin zur Aufrüstung der Welt durch die deutsche Rüstungsindustrie.

    Und weil allein das Auflisten der Fakten und Zahlen zwar wütend macht, aber nicht fröhlich, hat sich Ute Scheub mit der seit 2003 in Leipzig lebenden Grafikerin Yvonne Kuschel zusammengetan, die die Fehlentwicklungen in bunte Bilder gefasst hat, mit viel Phantasie, viel Spaß dabei. Warum nicht all die Tiere einfach mal aufmalen, die ein deutscher Durchschnittsbürger im Lauf seines Lebens so verspeist? – Immerhin 56 Schweine, vier Rinder, ein Schaf und beinah eine Ziege. Nicht zu vergessen die 600 Hühner, die nur noch als Küken aufs Bild passen. Kapitel Ernährungsbeschiss. Die meisten wissen zwar, was sie anrichten mit ihrer Art Ernährung – aber wirklich bewusst ist den Wenigsten, dass auch wir in Deutschland tatsächlich den Armen auf der Südhalbkugel die Nahrung vom Tisch fressen.

    Und dass es auch europäische Landwirtschaftssubventionen sind, die die Nahrungsmittelmärkte in Afrika niederkonkurrieren, während Institute wie die Deutsche Bank dazu beitragen, das täglich Brot für die Einwohner der armen Länder unbezahlbar zu machen. Sie organisiert seit ein paar Jahren nämlich Wetten drauf.

    Auf ganz ähnliche Weise bedienen sich die Länder des Westens der Rohstoffe, des Trinkwassers und der Arbeitskraft in der Welt, den Geld-Reichtum haben sie ja sowieso schon an sich gerafft. Oder besser: Ein Prozent der Weltbevölkerung hat ihn an sich gerafft. Zumeist haben sie einen nicht unwichtigen Anteil an einem der 126 Konzernkonglomerate, die praktisch die Weltwirtschaft dominieren und die Spielregeln vorgeben. Und dann wieder bei der EU zum Beispiel mit am Tisch sitzen, wenn Gesetze formuliert werden. Oder bei der Bundesregierung. Etwa wenn es um Steuerarten und Steuersätze geht und ihre Verrechnung und die Subventionen. Dass mittlerweile 60 Prozent der in Deutschland erhobenen Steuern und Abgaben den Faktor Arbeit belasten, hat genau damit zu tun.

    Genauso wie die dreiste Abschaffung der Vermögenssteuer oder die noch viel dreistere Senkung der Spitzensätze. Worüber sich die Klügeren unter den Millionären und Milliardären selbst in den USA mittlerweile wundern, weil sie sich durchaus ausrechnen können, was genau das für den Haushalt und den Reichtum der Nation bedeutet.Denn die wirklich Klugen unter ihnen wissen, dass all die Billionen in Finanzderivaten nichts als heiße Luft sind. Sie produzieren nichts. Und nur die wildesten Zocker glauben wirklich, dass „Geld Geld macht“. Geld, das nicht durch reale Gegenwerte einer volkswirtschaftlichen Produktion gedeckt ist, ist reine virtuelle Währung. Natürlich fehlt es in den Kreisläufen und führt zum „Verteilungsbeschiss“, zum „Verschuldungsbeschiss“, bei dem die Verursacher der kriminellen Finanzderivate auf einmal genau die Verordnungen schreiben, mit denen die Volkswirtschaften die Zockerbanken „retten“, also einfach ihre Luft-Schulden übernehmen, weil diese Institute längst so groß sind, dass ihr Zusammenbruch auch die durch sie verschuldeten Staaten mit in die Katastrophe zieht.

    Das Erstaunliche an diesem Buch und seiner Faktenfülle: Es führt all die brennenden Problemfelder der Gegenwart zusammen, all die Einzelbaustellen, die in der täglichen Berichterstattung scheinbar nichts miteinander zu tun zu haben scheinen. Und wenn man so durchblättert und so seine kleinen Freuden mit den witzigen Illustrationen von Yvonne Kuschel hat, merkt man, dass die Probleme alle miteinander zusammen hängen, dass die Billionen Euro teuren Kriege um Öl natürlich mit dem massiven Versuch einiger Konzerne zu tun haben, an ihren alten, gewinnträchtigen Produktionsmethoden des Ölzeitalters festzuhalten. Dass dabei den Staaten die dringend benötigten Gelder entzogen werden, um die Staaten auf das Zeitalter nach dem Öl und auf die kommenden Folgen des Klimawandels vorzubereiten, gehört dabei zu den tragischen Aspekten. Genauso wie die Tatsache, dass unter den Umweltfolgen zuallererst jene Länder leiden werden, die von den westlichen Zivilisationen mit ihrer Art des Konsums ausgeplündert werden. Was auch wieder Ursache ist für neue Kriege, Korruption, Diktaturen, „Demokratiebeschiss“ bis hinein in Medien, die über mehr als fragwürdige Diktatoren nur Bestes zu erzählen haben.

    Ein Buch für alle, die ein paar dringend notwendige Fakten gern griffbereit haben, schön übersichtlich aufbereitet und mit Spaß am bösen Bild illustriert.

    Welche Beschisse wurden jetzt noch nicht gesondert erwähnt? – Alle zwölf noch mal in der Reihenfolge: Ernährungsbeschiss, Arbeitsbeschiss, Verteilungsbeschiss, Verschuldungsbeschiss, Geschlechterbeschiss, Migrationsbeschiss, Demokratiebeschiss, Naturbeschiss, Klimabeschiss, Verkehrsbeschiss, Rüstungsbeschiss, Glücksbeschiss.

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