Europa erfindet die Zigeuner: Ein erschütternder Blick auf die Kehrseite der Moderne

Der Literaturwissenschaftler Klaus-Michael Bogdal zeigt, "wie Europa den Grad der eigenen Kultiviertheit an der Abwertung der Roma festmacht". So begründet die Jury die Verleihung des Leipziger Buchpreises zur Europäischen Verständigung 2013, Bogdals Buch "Europa erfindet die Zigeuner" sei eine "epochale Studie", die "eine bedrückende Aktualität und Brisanz" gewinnt. Ein Lesebericht.
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Deutschland in diesen Tagen: „Der enorme Anstieg von Asylbewerbern aus den Staaten des Westbalkans, in denen in der Regel keine politische Verfolgung stattfindet, war dagegen in dieser Form nicht vorhersehbar. Insbesondere durch die vorrangige und zügige Bearbeitung der Erstanträge aus den Herkunftsländern Serbien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina konnte dieser Trend vorerst gestoppt werden“, erklärte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) Mitte Januar zur Entwicklung der Asylbewerberzahlen im Vorjahr. „Wir werden auch künftig entschlossen gegen den Missbrauch unseres Asylsystems vorgehen, damit diejenigen, die tatsächlich schutzbedürftig sind, bei uns auch Schutz bekommen können“, fügte der Minister hinzu.

Zu dem „weitaus stärkstes Herkunftsland Serbien“ heißt es in der Mitteilung des Ministeriums: Nahezu 13.000 Serben, „zu mehr als 90 Prozent Roma“, hätten 2012 einen Asylantrag gestellt. „Aufgrund regelmäßig nicht vorliegender Asylgründe lag die Entscheidungsquote bei Flüchtlingsanerkennungen von serbischen Asylbewerbern allerdings bei null Prozent“, so das Ministerium.

Weiter unten lesen wir: „Insgesamt fast 7.000 Mazedonier reisten 2012 nach Deutschland ein, um einen Asylantrag zu stellen, darunter mehr als 2.300 als Asylfolgeantrag. Die Flüchtlingsanerkennungsquote lag wie bei den serbischen Asylanträgen bei null Prozent. 83 Prozent der Antragsteller gaben als Volkszugehörigkeit ?Roma‘ an.“

Europas Vielfalt und ihre Grenzen

Die Europäische Union schmückt sich mit dem Motto „in Vielfalt geeint“. Diese Vielfalt sei gekennzeichnet von Pluralismus, Nichtdiskriminierung und Toleranz, wie es im europäischen Verfassungsvertrag heißt. Die allseits bekannte Anschlussfrage ist die nach der Zugehörigkeit zu dieser Gruppe von Menschen. Die Frage nach dem Erlangen des „Rechts, Rechte zu haben“, wie es Hannah Arendt formulierte.

Und dieses Recht wird Roma und Sinti in Europa offenbar zu weiten Teilen bis heute vorenthalten. „Die Fähigkeit zur Entzivilisierung ist den europäischen Gesellschaften nicht abhanden gekommen“, schreibt der Bielefelder Literaturwissenschaftler Klaus-Michael Bogdal am Ende seines Buches, für das er im März mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2013 geehrt werden wird. Gegenüber den Angehörigen der europäischen Romvölker hätte sich die Fähigkeit weit mehr als ein halbes Jahrtausend erhalten, verändert und angepasst.
„Beginnt nicht die Geschichte von neuem, wenn die afrikanischen und arabischen Einwanderer an den Küsten Europas stranden“, fragt Bogdal, Das gleiche Räderwerk setze sich in Gang: „Das Gefühl allgemeiner Bedrohung wandelt sich in Gewissheit, dass ein Zusammenleben unmöglich ist. Der zivilisatorische Abstand wird vermessen und schafft Raum für staatliches Handeln und alltägliche Diskriminierung.“

Für die Roma des Balkans beginne der Ausgrenzungsprozess in ihren Siedlungen erneut. „Das Buch endet hier, nicht jedoch die Geschichte, die es erzählt hat“, schloss Bogdal 2011. Wohl auch deshalb suchen Roma vermehrt in Deutschland Aufenthalt, was sich einer zunehmenden Zahl von Asylbewerbern abbildet.

Anstoß: Das Pogrom von Lichtenhagen

Die Geschichte der Entstehung des Buches beginnt übrigens 1992 nach dem Pogrom in Rostock-Lichtenhagen. „Wären Zigeuner verbrannt, hätte es mich nicht gestört. – Vietnamesen schon, aber Sinti und Roma egal“, sah Bogdal eine junge Frau damals in die Fernsehkameras sagen. Die Urgründe dieses Zigeunerhasses wollte er fortan aufspüren.

All das ist nicht eben ein Ruhmesblatt Europas, das neulich Friedensnobelpreisträgerin geworden ist. Die Erfindung der ?Zigeuner‘ durch große literarische Erzählungen stellt laut Bogdal „von Beginn an die Kehrseite der Selbsterschaffung des europäischen Kultursubjekts dar, das sich als Träger weltzivilisatorischen Fortschritts versteht“. Der Autor versteht sein Werk als ein „Blick in den Spiegel, auch wenn es von der Erfindung eines Gegenübers der europäischen Völker handelt“. Dieses „Gegenüber“ umfasst laut Bogdal eine Gruppe von mehr als zehn Millionen Menschen. Dadurch werde der Status der Angehörigen der Romvölker noch mehr zu „einem zentrales Thema im Hinblick auf die politische, soziale und kulturelle Gestaltung unseres Kontinents“, wie Bogdal argumentiert.

Mit seinem nun prämierten Buch bleibt Literaturwissenschaftler Bogdal bei seinen wissenschaftlichen Leisten. Er befragt Werke der europäischen Literatur nach den Bildern, die sie über ?Zigeuner‘ erzeugt und verbreitet haben. Das Buch berichtet somit „in erster Linie mit den ?Erfindern‘ und deren Konstruktionen des Zigeuners, so Bogdal. Die Geschichte der Romvölker könne dabei „nur sehr vermittelt skizziert werden“.

Nichtsesshafte als Bedrohung

Doch aus literarischen Bildern werden staatliche Handlungen. Menschen, die den modernen europäischen Gesellschaften als Nichtsesshafte gelten, werden als Bedrohung und kriminologische Gefahr antizipiert. Jenen Menschen droht die zwangsweise Sesshaftmachung in Arbeitshäusern. In Schweden ebenso wie in deutschen Landen und andernorts.

Gegen Ende des 19. Jahrhundert vermischen sich ursprünglich emanzipatorischer Nationalismus, die zeitgenössischen Abstammungs- und Vererbungslehren, kriminalwissenschaftliche Theorien und sozialpolitische Reformideen zur Hebung der „Volksgesundheit“ zu einem gefährlichen Cocktail der „Eugenik“ beziehungsweise „Rassenhygiene“. Die Folge: „Aus Wilden werden Kreaturen“, wie Bogdal schreibt. Angehörige der Romvölker werden kraft Gesetzes zwangssterilisiert. Im „Volksheim“ Schweden tritt ein einschlägiges Gesetz gegen „psychisch Minderwertige“ 1934 in Kraft.
Von der Ausgrenzung zur planmäßigen Vernichtung

Während der NS-Herrschaft diente die Verbreitung der trüben Melange der vorgenannten Sichtweisen „planmäßig zur Rechtfertigung der Massenvernichtung der Romvölker“, erinnert der Autor. Gleichwohl: „Im Unterschied zum Antisemitismus war eine Steigerung oder Überbietung nicht mehr erforderlich“, resümiert Bogdal. Die systematische „Bekämpfung des Zigeunerunwesens“ habe bereits mit der Gründung des Kaiserreichs 1871 begonnen.

„Eugenische Maßnahmen wie Heiratsverbot, Sterilisation, Internierung und Kindeswegnahme gibt es seit den zwanziger Jahren nicht nur in Deutschland, und sie betreffen nicht nur sogenannte Geisteskranke.“ Die Kenntlichmachung als Zigeuner in Personalpapieren und Gewerbescheinen war da bereist amtliche Praxis. Das bayerische „Zigeuner- und Arbeitsscheuengesetz“ von 1926 wird nach 1933 reichsweit übernommen.

Mit dem „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ vom 14. Juli 1933 macht die NS-Regierung aus Diskussionen über Zwangssterilisationen zu Zeiten der Weimarer Republik legales staatliches Handeln. „Dazu kommt, daß für Geistesschwache, Hilfsschüler, Geisteskranke und Asoziale jährlich Millionenwerte verbraucht werden, die den gesunden, noch kinderfrohen Familien durch Steuern aller Art entzogen werden“, heißt es in der Gesetzesbegründung. Als „wahrhaft soziale Tat“ für „Kinderfrohe“ und Betroffene wird das Gesetz hier gepriesen.

Zu den „Asozialen“ gehörten im NS-Reich zuvörderst die Angehörigen der Romvölker. Sie gerieten in das planmäßige System der Ausgrenzung, Ausbeutung durch Zwangsarbeit und physischen Vernichtung. Porajmos, „das Verschlingen“, nennen die Nachgeborenen dieses Verbrechen in ihrer Sprache.

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Volkes Stimme und Staates Zwang

Die Gründung der „Rassenhygienische Forschungsstelle“ 1938 markiert für Bogdal den Wandel aller Theorien in „tödliche Wissenschaften“ im Rahmen der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik. Im gleichen Jahr entsteht die „Reichszentrale zur Bekämpfung des Zigeunerunwesens“. Doch Bogdal fügt nach Lektüre von Leserbriefspalten damaliger Zeitungen hinzu: „Volkes Stimme ist nicht weniger bedrückend und erschreckend als die Eskalation staatlicher Zwangsmaßnahmen.“

Die tödliche Spirale des Porajmos dreht sich weiter. In Auschwitz-Birkenau entsteht 1943 ein spezielles Zigeunerfamilienlager namens „B II e“. Auschwitz-Birkenau steht auch hier für physische Vernichtung in Gaskammern. Nennenswerte Interventionen oder Formen wirksamen politischen Widerstands gegen die Verfolgung und Vernichtung der Sinti und Roma konnte Bogdal bei seinen Forschungen nicht auffinden. So setzte sich der „problematische Umgang“ mit den Angehörigen der Romvölker nach 1945 aus seiner Sicht fort.

Spätes Umdenken

„Bekämpfung der Landfahrerplage“ heißt die Formel der westdeutschen Länderbehörden, die – so Bogdal – die Fortsetzung der sicherheits- und ordnungspolitischen Verfolgung der Sinti und Roma nach 1945 erlaubten – bei Verzicht auf eine rechtlich nicht haltbare Eingrenzung auf die ethnische Gruppe der „Zigeuner“.

Die andere Seite dieser dunklen Medaille ist die Verweigerung von Entschädigungsleistungen. Erst die Deportation nach Auschwitz-Birkenau 1943 begründe einen Entschädigungsanspruch, zuvor habe es sich um sicherheitspolitische und kriminalpräventive Maßnahmen gegenüber „primitiven Urmenschen“ gehandelt, urteilte der Bundesgerichtshof 1956.

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Europa erfindet die Zigeuner
Klaus-Michael Bogdal, Suhrkamp Verlag 2011, 24,90 Euro

Bedrückende Aktualität und Brisanz

Ein Innehalten oder Umdenken bei der Verwendung tradierter Klischees über Sinti und Roma fand im öffentlichen und kulturellen Leben der Bundsrepublik nicht statt, wie Bogdal anmerkt. Für manch prominenten zeitgenössischen deutschsprachigen Schriftsteller findet Literaturwissenschaftler Bogdal hier kritische Worte.

„Der innere Widerstand dagegen, die Verbrechen an den europäischen Romvölkern als eine Leidensgeschichte von Individuen mit Wünschen, Empfindungen und Lebensplänen zur Kenntnis zu nehmen, hält bis in die achtziger Jahre an“, lautet Bogdals Fazit.

Die Geschichte, die das Buch erzählt, geht weiter, wie Bogdal zutreffend sein Werk schließt. Mit seinem Buch gibt er uns eine mahnende Handreichung, die Geschichte so weiterzuerzählen, wie es die viel bemühten Werte Europas von uns verlangen. Mit den Worten der Leipziger Jury gesprochen: „Gerade angesichts eines neu aufbrandenden Anti-Ziganismus in Europa gewinnt Bogdals epochale Studie eine bedrückende Aktualität und Brisanz.“


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