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Das Wesen des friedlichen Kaffeehausrevoluzzers einmal auf den Punkt gebracht: Typisch Kaffeesachsen

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    Es muss ja immer wieder mal gesagt werden: Sachsen ist ein Genießerland mit Hang zum Weltumstürzen. Aber schön zivilisiert. Sonst kann man sich ja nicht unterhalten dabei. Deswegen gibt es hier seit über 300 Jahren eine ausgeprägte Kaffeekultur und eine Welt der Cafés und Kaffeehäuser. Und allerlei Mutmaßungen über die Kaffeesachsen. Können sie nun ohne Kaffee oder können sie nicht?

    Einem dusseligen preußischen Offizier kann man natürlich nicht sagen: Wir wollen nicht, ihr könnt uns mal … Dem muss man es so sagen, dass er denkt, er sei immer noch der bessere Mensch, wenn er der Truppe erst mal einen heißen Kaffee spendiert. Übrigens – was in diesem Büchlein nicht erwähnt wird: Zur Ausrüstung eines echten sächsischen Soldaten gehörte (vom Reglement erlaubt) immer auch eine Kaffeemühle. Wenn schon kämpfen, dann auch mit Kultur. Das hat man den Preußen zwar nie beibringen können und deswegen alle Kriege verloren. Aber das ist Geschichte. Sachsen wedelt wieder hübsch grün-weiß im Winde. Und Scharen von Touristen aus aller Welt kommen auch deshalb, weil die heutigen Sachsen in ihrer Lust an Kaffee und Kuchen geradezu schwelgen. „Wenn es eine sächsische Kaffeestraße gäbe, dann würde sie, mit Abzweigungen in kleine Dorfstraßen und hübsche Gassen im Umland, von Leipzig nach Dresden führen“, schreibt Susanne Reinhold, die die Redaktion für dieses Buch hatte, im Vorwort.

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    Natürlich fände man da keine Kaffeesträucher. Aber man fände Gasthäuser und Bäckerstuben, wo man alles, was es rings um den Kaffee an sächsischen Erfindungen gibt, pflegt. Alle Meilen lang etwas anderes. Denn da waren die Sachsen immer erfinderisch, wussten sie doch, dass Kaffee allein nur aufregt und aus der Diskussion im Kaffeehaus schnell eine aufrührerische Tat werden lässt.

    Also braucht’s was Beruhigendes zum Kaffee: Kuchen und Törtchen und Bäbe und Eierschecke, Räbchen, Fummel und Taler. Dieses Buch ist also zweierlei: Eine kurze volkskundliche Einführung in das Wesen des gemeinen und typischen Kaffeesachsen und seiner weiblichen Pendants, die bekanntermaßen das Kaffeekränzchen erfunden haben, und eine ganz spezielle Rezeptsammlung, die zeigt, warum die Sachsen ihre Erfindungsgabe nicht auf Kanonen und Zündnadelgewehre spezialisiert haben, sondern auf Gebäck. So nebenbei merkt der Leser natürlich, dass sich die Heimatverbundenheit der Sachsen nicht wie in anderen Ländern in Trachten und seltsamen Eingeborenentänzen austobt, sondern in reiner Schwelgerei an der Kaffeetafel. Zu Hause ist der echte Sachse, wo der richtige Kuchen auf dem Tisch steht.Beim Kaffee ist er nicht ganz so wählerisch, wissend, dass immer dann, wenn die Herren Preußen mal wieder Krieg spielen, auch die Kaffeebohnen teuer und selten werden. Zuletzt erlebt in Kaffee-Mix-Zeiten. Die Meisten wissen es gar nicht. Aber die Friedliche Revolution hätte beinah schon zwölf Jahre früher stattgefunden, 1977, als die steigenden Weltmarktpreise für Kaffee in der DDR eine Kaffeekrise auslösten, die die Partei- und Staatsführung durch die Einführung eines unsäglichen Gemischs namens „Kaffee-Mix“ zu bewältigen versuchte. Es war wie 1989 – es begann mit Eingaben und Beschwerdebriefen. Nur war der Staatslenker Erich H. da noch ein bisschen flexibler, vielleicht auch noch besser bei Kasse: Er verhinderte die sich zusammenbrauende Rebellion durch den Einkauf von Rohkaffee in Angola und Äthiopien. Die Sachsen waren zufrieden. Bis zum nächsten Mal.

    Und siehe da: Da ist ein Loch in der historischen Erzählung. Wer hat die Rolle des Kaffees in der Friedlichen Revolution einmal untersucht?

    Dass die alte Bundesrepublik den „Sozialismus in den Farben der DDR“ jahrelang über Wasser und am Leben erhielt, sollte ja auch bekannt sein. Nicht nur mit diversen Milliardenkrediten, mit denen dann der benötigte Rohkaffee gekauft werden konnte, sondern auch mit Direktimporten per Westpäckchen. Ein Westpäckchen ohne Kaffee drin war kein Westpäckchen und hat ganze Familien auf Jahrhunderte entzweit. 20 Prozent des DDR-Kaffeeimports kam über Westpäckchen herein und war auch so verplant. Das Tauschgut waren selbst gebackene Stollen mit Zutaten, die man sich ebenfalls aus dem Westen schicken ließ.

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    Typisch Kaffeesachsen
    Buchverlag für die Frau 2014, 12,90 Euro

    Die kleinen Geschichten und Anekdoten zum Wesen des kaffeeliebenden Sachsen sind überall ins Buch eingestreut nebst Hinweisen auf ein paar noch heuer existierende geschichtsträchtige Kaffeehäuser (und solche, die es nicht mehr gibt). Drumherum gepackt sind als leckere Beilage 72 Rezepte – einige direkt zur Zubereitungsart des schwarzen Getränks, auf das bekannterweise ja auch in Sachsen die berühmtesten Kanons und Kantaten komponiert wurden. Mit wunderlichen Warnungen darin, die ja bekanntlich nichts geholfen haben. Drei Kapitel widmen sich den drei wichtigen Höhepunkten des Tages, bei denen der Kaffee seine Feste feiert – von „Äwas Kleenes zu Schnabbulieren“ über „Äwas Ordentliches zum Gaffee“ bis zu „Äwas Feines fürs Gränzchen“. Bei Letzterem wird dann die faszinierende Welt der Torten aufgefahren. Mittenmang aber stehen die Rezepte für all die Einmaligkeiten, die es nur in Sachsen gibt. Selbst dann, wenn Auswärtige versuchen, sie nachzumachen – wie die Eierschecke, die es in Sachsen natürlich in jedem örtlichen Idiom in anderer Variation gibt.

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