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Zwei Leipzigerinnen haben das gesellige Buch zum Einstieg ins Programmieren geschrieben

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    Die Zukunft ist digital. Das scheint ja nun mal festzustehen. Tut es das? Fakt ist zumindest, dass heutzutage niemand mehr um Computer, Internet und alle damit zusammenhängenden elektronischen Anwendungen herumkommt. Die digitalen Datenwelten sind allgegenwärtig. Und sie sind längst keine Domäne von lichtscheuen pickligen Jungs mehr. Im Gegenteil: Selbst programmiert die Frau. Und trotzdem: Das Buch ist anders.

    Anders als die meisten Programmier(lern)bücher, die meist trocken, technisch und detailliert daherkommen, in der Regel von echten Profis geschrieben für Leute, die eigentlich selbst schon halbe Profis sein müssen, um zu verstehen, was da eigentlich passiert.

    Ist es so schwer?

    Eigentlich ist es wie Sprachen lernen, stellen die beiden Autorinnen fest, die als Bloggerinnen in Leipzig aktiv sind, sich aber vor ein paar Jahren gesagt haben, dass das eigentlich nicht alles sein kann. Die eine hat Kommunikations- und Medienwissenschaften studiert, die andere einen Master of European Studies, echte Geisteswissenschaftlerinnen also. Da kommt man im Studium nicht unbedingt mit dem Innenleben von Computern in Berührung. Aber man lernt etwas anderes: selber denken und die Dinge auch selbst begreifen zu wollen. Ist ja sonst auch blöd, wenn man sich bei jedem Handgriff immer von anderen helfen lassen muss.

    Der Anstoß, sich tatsächlich mal hineinzuknien ins Selberprogrammieren, kam dann aus Finnland. Da gab es ein paar Frauen, denen es ganz ähnlich gegangen sein muss. Die gründeten vor sechs Jahren die Gruppe Rails Girls, die seitdem zu Workshops für die Programmiersprache Ruby on Rails einlädt. Und damit längst international Erfolge feiert. Denn natürlich lernt es sich leichter, wenn man sich mutig als Anfängerin in so einen Workshop setzen und ohne Zensurendruck die Grundlagen des Programmierens lernen kann. Augenscheinlich auf die leichte, lustvolle Art.

    So ähnlich wollten es Julia Hoffmann und Natalie Sontopski dann auch machen und haben vor drei Jahren in Leipzig die Code Girls gegründet – natürlich erst, nachdem sie selbst erst einmal lauter Workshops besucht und sich so langsam hineingefitzt haben in die Welt der Programmiersprachen und der Netzwerke, der Ratgeber-, Hacker- und Selbst-Programmier-Seiten. Denn das Jahr 2015 (als die beiden das Buch schrieben) unterschied sich natürlich schon fundamental vom Jahr 1995, als ein Großteil unserer heute meistverwendeten Programmiersprachen erstmals veröffentlicht wurden. Oder vom Jahr 1976, als die Karriere des kleinen, handlichen PC überhaupt erst einmal begann. Mittlerweile sind weltweit Tausende, wohl eher Hunderttausende Leute unterwegs, die auf unterschiedlichem Niveau und mit unterschiedlicher Intensität selbst programmieren. Die einen entwickeln die großen Welt-Programmiersprachen mit, andere kämpfen mit den vielen kleinen Problemen im Alltag, wenn für konkrete Probleme auch konkrete, funktionierende Lösungen gefunden werden müssen. Und viele sind ständig im Netz unterwegs, tauschen sich mit anderen aus, stellen ihre Probleme und Lösungen zur Diskussion.

    Einsam ist das Leben des Programmierers eigentlich nicht mehr. Und die großen, fundamentalen Lösungen muss ja auch nicht jeder finden, denn die wichtigsten Programmiersprachen sind ja jederzeit auch samt Werkzeugkasten und Bibliotheken verfügbar. Man muss nur wissen, wo man sie findet. Und damit ist man beim eigentlich Erfrischenden an diesem Buch: Die beiden Autorinnen holen ihre Leserinnen und Leser da ab, wo sie vor drei, vier Jahren auch mal standen. Denn anfangs weiß man ja nichts. In der Schule ist es kein Lehrstoff (auch wenn die beiden die Frage aufwerfen, ob es das nicht sein sollte in einer Welt, in der nun einmal alle Menschen mit Computern und Programmen zu tun bekommen …) und die Zahl der wirklich lebendig geschriebenen Bücher zum Thema ist überschaubar.

    Also nimmt der Weg der beiden Autorinnen hin zu ihrem eigenen Projekt Code Girls natürlich einen großen Teil des Buches ein. Ein Weg, an dessen Rand sie sich auch ein wenig mit der Geschichte der Computer und des Programmierens beschäftigt haben. Und dabei stolperten sie unweigerlich auch über die Tatsache, dass die frühe Geschichte des Programmierens ohne Frauen eigentlich nicht denkbar ist. Deswegen gibt es im Buch auch ein paar schöne Würdigungen für Ada Lovelace, Grace Hopper, Hedy Lamarr und die sechs Frauen, die den berühmten ENIAC programmiert haben. Auch ein paar Männer wie Steve Wozniak und Alan Turing bekommen ihre Würdigung. Die Geschichte des Computers und der Programmiersprachen gehört einfach dazu, wenn man überhaupt verstehen will, was heute alles in den kleinen Gehäusen steckt, wer da mit wem funktionieren muss, was Quelltext, Editor, Framework und all die andere Begriffe bedeuten, über die man zwangsläufig stolpert, wenn man sich traut. Oder Frau.

    Und die beiden gehen auch nicht davon aus, dass irgendeine der verfügbaren Sprachen unbedingt zwingend ist. Jeder hat ein eigenes Temperament – und auch die Programmiersprachen haben ihre völlig verschiedenen Temperamente. Manche zwingen zu penibelster Genauigkeit, verzeihen keine Fehler, andere sind da lockerer. Manche sind leichter händelbar, wenn es um einfache Anwendungen geht, andere bieten dafür mehr Geschwindigkeit oder mehr Tools, die man einbauen kann. Denn auch das gehört zum heutigen Wissen: Für die meisten heutigen Anwendungen gibt es auch schon fertige, frei verfügbare Lösungen. Man muss nur wissen, wo. Und wie man sie einbaut. Und dass man trotzdem immer Geduld braucht. Denn auch beim Einpassen kann man Fehler machen. Oder verschiedene Programmteile vertragen sich nicht. Ohne immer neue Tests, bis das Programm dann tatsächlich reibungslos funktioniert, geht es nicht.

    Eine kleine Botschaft lautet also: dranbleiben. Lieber jeden Tag ein bisschen knobeln als sich das Ganze als großen Brocken vornehmen.

    Die beiden stellen zwar die gebräuchlichsten Programmiersprachen vor, die man auch als Einsteiger relativ leicht erlernen kann, wenn man sich bemüht, die Sprache tatsächlich wie eine Sprache zu lernen. Aber sie machen keine Wissenschaft draus, sondern geben auch im Anhang noch einmal gebündelt Tipps, wo im Netz man sich Rat und Gespräch suchen kann, welche Bücher zum Thema noch lesenswert sind und wo man die wichtigsten Communities findet. Ein kleines Glossar erklärt noch einmal die wesentlichen Begriffe. Und natürlich kommen auch Datensicherheit und Hackerparties drin vor.

    Tatsächlich lautet die eigentliche Botschaft zusammengefasst: Du bist nicht allein. Es gibt einen Haufen Leute, die genauso ganz am Anfang stehen und sich gegenseitig Mut machen, das Neuland einfach mal zu betreten. Und: Mädchen können das genauso gut wie Jungen. Und wer erst mal drin ist, der liest die Quelltexte der Programme, mit denen sie oder er arbeitet, mit ganz anderen Augen. Unter anderem auch mit dem Wissen: So funktioniert das. Ein sehr schönes Gefühl, auch wenn man nicht gleich ein neues Superunternehmen damit gründet.

    Julia Hoffmann, Natalie Sontopski: We love Code. Das kleine 101 des Programmierens, Koehler & Amelang, Leipzig 2016, 14,95 Euro.

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