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Klimaschutz im Alltag: Was man im eigenen Umfeld alles ändern kann, um selbst ein klimafreundliches Leben zu führen

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    Scheinbar diskutieren jetzt alle gleichzeitig über die Corona-Maßnahmen. Scheinbar seriöse Zeitungen befeuern das Verlangen, die Kontaktsperren möglichst bald zu lockern und die Wirtschaft wieder hochzufahren. Typisches Zeichen dafür, dass der Lockdown die ewigen Einpeitscher nicht zum Nachdenken gebracht hat. In der Regel alles geltungssüchtige Männer mit hohen Gehältern. Es sind Frauen, die die eigentlich wichtigen Bücher zur Zeit geschrieben haben. Denn nach „Corona“ können wir so nicht weitermachen wie bisher.

    Praktisch gleichzeitig erschienen jetzt zwei Ratgeber, die erklären, wie wir alle in unserem privaten Umfeld unseren Beitrag zur Milderung des Klimawandels leisten können. Die einstige RTL-Explosiv-Moderatorin Janine Steeger veröffentlichte dazu ihr Buch „Going Green“, in dem sie ihre Leser/-innen mitnimmt, einfach mal klein zu beginnen und den eigenen Lebensstil klimaverträglich zu machen.

    Und ganz ähnlich ging auch Michaela Koschak an die Sache heran. Sie ist Meteorologin und moderiert den MDR-Wetterbericht. Mit Herbert Frauenberger veröffentlichte sie schon 2018 „Die Wetterküche“, ein Buch, das die Leser/-innen dazu anregte, den eigenen Speiseplan wieder den regionalen Produkten und den Jahreszeiten anzupassen. Schon das ein ganz elementarer Ratschlag, der auch das Klima schützt.

    Denn wer heimische Produkte möglichst aus ökologischem Anbau zur Grundlage seiner Mahlzeiten macht, verzichtet auf Gemüse, das tausende Kilometer mit Flugzeug und Kühlschiff um die Erde transportiert wurde. Und lebt meist sogar gesünder, weil kurze Transportwege nun einmal auch intakte Vitamine im frischen Obst und Gemüse bedeuten.

    Natürlich kommt der Tipp auch in diesem Buch vor, in dem sich Michaela Koschak durch all die Bereiche hindurcharbeitet, in denen wir selbst es in der Hand haben, unseren ökologischen Fußabdruck zu verkleinern. Auch sie plädiert dafür, es in vielen kleinen Schritten zu tun und nicht einfach über Nacht zum perfekten Klimaschützer werden zu wollen. Das schafft keiner.

    Das Wichtigste ist nun einmal, dass man die Möglichkeiten überhaupt erst einmal versteht. Und auch weiß, was es bedeutet, wenn jede/-r Deutsche über 11 Tonnen CO2 jedes Jahr zu verantworten hat und dass es eigentlich nur 2 Tonnen sein dürften, wenn wir klimaneutral leben wollen.

    Das klingt nach einer gigantischen Spanne. Ist es aber nicht wirklich. An der Stelle verweisen wir immer wieder gern auf den CO2-Rechner des Umweltbundesamtes, wo man recht einfach sein eigenes CO2-Päckchen ausrechnen kann und dabei auch sieht, wo die wirklich großen Lasten entstehen.

    Und da wäre die Corona-Pause, die ja nun (fast) alle zu Hause verbringen, ein idealer Zeitpunkt, sich jeden einzelnen Posten mal anzuschauen. Angefangen bei der eigenen Stromrechnung und der Frage, welche elektrischen Geräte eigentlich den meisten Strom fressen und welche Art Strom man eigentlich bei seinem Anbieter bestellt hat. Immerhin kann man heute schon mit wenigen Klicks auf Öko-Strom-Anbieter wechseln oder auch beim eigenen Anbieter in reine Öko-Strom-Angebote.

    Allein hier schon entstehen riesige Unterschiede allein durch die Tatsache, ob man eher mit Kohlestrom versorgt wird oder mit Strom aus Windkraft. Braucht man wirklich die riesige Kühltruhe im Keller und lauter Kommunikationsgeräte im Stand-by?

    Und wie heizt man eigentlich? Hat man die Temperatur in der Wohnung im Griff? Lüftet man richtig?

    Hier schließt sich dann die Frage nach der Heizungsart und der Dämmung an und man merkt: Darauf haben 85 Prozent der Leipziger/-innen gar keinen Einfluss. Viele Menschen, die jetzt Klima-Tipps geben, leben augenscheinlich in einer besonderen Welt, besitzen ein eigenes Haus und können tatsächlich Solaranlagen aufs Dach planen, Regenwasser-Zisternen im Garten, Erdwärme-Heizungen und was der Markt zum Selbstversorgen mittlerweile alles hergibt.

    Ich kann mir schon vorstellen, dass man beim MDR so gut verdient, dass man sich diesen Lebensstil tatsächlich leisten kann. Und da wird es spannend. Denn tatsächlich erzählt Michaela Koschak hier ja von einer gehobenen Mittelklasse, die gar nicht gemerkt hat, dass es ihr Lebensstil ist, der am schädlichsten fürs Klima ist, von sogenannten „Leistungsträgern“, für die der Besitz mehrerer Autos genauso zum Lebensstandard gehört wie die Ausstattung mit lauter technischen Geräten, jeder Menge Kommunikationstechnik und einer Einkaufsmentalität, die das wahnwitzige Tempo von Produktion und Wegschmeißen geradezu befeuert.

    An einer Stelle stellt sie tatsächlich die Frage nach dem SUV, an anderer diskutiert sie die Frage der Umweltverträglichkeit eines Elektroautos. Wer als Normalverdiener in Leipzig in einer Mietwohnung wohnt, der staunt nur, wie manifest dieser Vierklang „Haus, Auto, Büro und Freizeit“ auch bei Michaela Koschak ist. Und wie schwer sie sich tut, zu echten Klimasünden wie Kreuzfahrtschiffen und Flugreisen konsequent nein zu sagen, obwohl sie die Probleme sehr genau schildert. Auch das sieht jeder in seinem CO2-Rechner: Flugreisen, Kreuzfahrten und Autonutzung jagen das eigene CO2-Aufkommen massiv in die Höhe.

    Wer konsequent auf all dies verzichtet, drittelt seinen Fußabdruck sofort.

    Natürlich diskutiert Michaela Koschak die Frage, ob es sich wirklich jeder leisten kann, auf diese Klimasünder zu verzichten. Etwa das Auto, wenn in der Stadt einfach über Jahre versäumt wurde, den ÖPNV so auszubauen, dass der Autoverzicht leichtfällt. Vom Leipziger Radwegenetz wollen wir da gar nicht erst anfangen. Auch die Verantwortlichen in den Verwaltungen gehören zu den Besserverdienern mit gehobenem Lebensstil. Und Koschaks Buch macht sehr deutlich, wie schwer es fällt, wenn man sich diesen Lebensstil erst einmal angewöhnt hat, wieder umzudenken.

    Da fällt dann meist das Wort „Verzicht“. Niemand jammert so viel übers Verzichten wie unsere sogenannten Leistungsträger.

    Während für Normalverdiener das Kleinauto, das ÖPNV-Abo oder das Fahrrad die gewohnten Fortbewegungsmittel sind. Und sowieso jede Stromrechnung genau angeschaut wird, weil das, was für Besserverdiener nur Peanuts sind, für Menschen im Niedriglohnbereich die entscheidenden Summen sind, die darüber entscheiden, ob man den Monat über die Runden bekommt. Das sind auch die Haushalte, die ganz bestimmt nicht jedes Mal Flugananas, Avocado oder Thunfisch aus dem Supermarkt mitnehmen. Es ist erstaunlich.

    Gerade weil Michaela Koschak so viele Tipps gibt, die eindeutig auf den gutverdienenden Eigenheimhaushalt zielen, merkt man erst, dass selbst die Klimazerstörung eine Klassenfrage ist. Und dass sich immer die Leute herausreden, die den größten CO2-Fußabdruck haben. Sie jammern auch am meisten – auch jetzt wieder, wo sie in ihrem mit Technik vollgestopften Homeoffice sitzen und gar nicht erwarten können, dass sie wieder zur Shopping-Tour in die City können.

    Shopping-Touren, die den Ressourcenverbrauch und die Erzeugung klimaschädlicher Gase weiter befeuern, denn die ganzen schnell-verbrauchten und weggeschmissenen Produkte werden ja zum größten Teil in Ländern hergestellt, wo weder auf die (billigen) Arbeitskräfte noch den Umweltschutz Rücksicht genommen wird.

    Das erzählt Michaela Koschak durchaus und empfiehlt natürlich Handlungsweisen, die für viele Leipziger/-innen längst Gewohnheit sind – etwa den Einkauf im Second-Hand-Laden, den Kauf haltbarer Produkte und daheim natürlich das Selberkochen (mit all den wichtigen Spartipps zu Wasser und Strom).

    Schon allein wer weniger einkauft, senkt seine CO2-Last erheblich. Wer auch noch auf Fleischpakete aus der Massentierhaltung verzichtet, schafft auch hier Entlastung.

    Natürlich mit Folgen, die Michaela Koschak nur streift, obwohl sie sehr genau über Wetter, Klima und Klimawandel schreibt und die Rolle, die der Mensch dabei spielt. Wobei es nicht nur um Klimaerwärmung geht, sondern auch um die dramatischen Folgen unseres Konsumwahns für die Natur – vom Artensterben über die Belastung der Gewässer mit Mikroplastik bis hin zur Belastung der Meere.

    Und das hat eben nicht zuallererst mit der wachsenden Erdbevölkerung zu tun, sondern mit einem Lebens- und Konsumstil gerade im Norden, der unsere Erde mehrfach übernutzt und – wenn einfach so weitergemacht wird – alle Katastrophen tatsächlich hervorbringt, von denen wir heute erst noch einen vagen Vorgeschmack haben. Denn Dürresommer, vermehrte Stürme, Waldbrände und Starkregenereignisse sind schon angekommen in unserer Welt. Und es sieht ganz so aus, dass wir unser Klima in Mitteleuropa schon deutlich verändert haben, weil der Jetstream, der hier für ein gemäßigtes Klima gesorgt hat, massiv gestört wurde.

    Meteorologen wie Michaela Koschak wissen schon sehr genau, wie die schon jetzt messbare Erwärmung von rund 1,5 Grad gegenüber dem 20. Jahrhundert dazu führt, dass sich wichtige Wetterparameter verändert haben. Wie sich die Zahl der Hitzetage vermehrt haben und die Niederschlagsmengen gerade in Nordostdeutschland drastisch zurückgegangen sind – mit harten Folgen für die Landwirtschaft.

    Wer also einfach mal in aller Ruhe herausfinden möchte, wie hoch sein eigener Anteil an dieser Last ist, der kann sich hier kapitelweise durcharbeiten. Jedes Thema – ob Wasser, Ernährung oder Strom und Energie – hat ein eigenes Kapitel, in dem es dann mehrere Unterthemen gibt. Man muss also nicht das ganze Buch auf einmal durcharbeiten, sondern kann sich einfach das Thema schnappen, das einem gerade auf den Nägeln brennt. Und daran, dann einfach konsequent zu sein, hindert einen ja niemand. Niemand zwingt einen, den nächsten Urlaub wieder im Flieger zu verbringen oder auf einem der riesigen Kreuzfahrtschiffe mitzufahren.

    Wobei mir da das geradezu dämliche Wort „Flugscham“ einfällt, noch so ein Begriff aus der Welt der Besserverdienenden, die sich wie Kinder benehmen, denen man die Süßigkeiten verbietet. Wer Flüge bucht, trägt ganz bewusst zur Zerstörung unseres Klimas bei. Mehr muss man dazu nicht sagen.

    Da und dort berührt Michaela Koschak dann auch die Frage, was sich eigentlich politisch und wirtschaftlich ändern muss. Immerhin hat ja die Bundesregierung 2019 so eine Art windelweiches Klimapaket beschlossen mit viel zu niedrigen CO2-Steuern. Was man auch wieder nur versteht, wenn man sich die Welt aus der Sicht hochbezahlter „Leistungsträger“ beschaut, die auch nicht gelernt haben, abzugeben und für den Schaden, den sie anrichten, auch zu bezahlen.

    Was überfällig ist. So sieht das auch Michaela Koschak. Das betrifft nicht nur SUV-Fahrer. Das betrifft alle, die einfach keine Grenzen kennen für ihre (Über-)Nutzung der Welt, während Normal- und Geringverdiener sehr wohl wissen, wo diese Grenzen sind. Das erklärt ihnen nämlich spätestens das Stadtwerk, wenn es den Strom abdreht.

    Was nicht heißt, dass das Buch nicht auch für sie etliche Tipps bereithält, da und dort doch noch eine Möglichkeit zum Sparen und Ändern von Gewohnheiten zu finden. Und auch ein bisschen was für ein gesünderes Leben und eine bessere Ernährung zu tun.

    Michaela Koschak Klimaschutz im Alltag, Buchverlag für die Frau, Leipzig 2020, 14,95 Euro.

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