Studierendenrekord und höhere Bildung: Sachsen knausert sein Bildungssystem kaputt

Am 23. November meldete das Bundesamt für Statistik die neuen Studierendenzahlen für das Wintersemester. Im Studienjahr 2012 (Sommersemester 2012 und Wintersemester 2012/2013) nahmen nach ersten vorläufigen Ergebnissen demnach 492.700 Studienanfänger und -anfängerinnen ein Studium an Hochschulen in Deutschland auf.
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Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, sank die Zahl der Erstsemester damit zwar im Vergleich zum Studienjahr 2011 um 5 Prozent. Sie erreichte aber nach dem Rekordwert des Vorjahres (518.700) den zweithöchsten Stand, der jemals erzielt wurde. Während in einigen Bundesländern die Anfängerzahlen sogar im zweistelligen Prozentbereich zurückgingen, gehört Sachsen eher zum Mittelfeld:

Nach 21.478 Studienanfängern 2011, werden diesmal 20.364 gezählt. Ein Rückgang von 5,7 Prozent. Aber eine Entspannung ist das nicht. Denn auch dieser Jahrgang übertrifft frühere Jahrgänge. Heißt im Effekt: Die Zahl der Studierenden in Sachsen ist weiter gewachsen – von 111.635 im Wintersemester 2011/2012 auf nunmehr 112.191.

Das nächste Signal an eine Regierung, die immer noch irgendwo im Jahr 2007 herumgeistert und das Hochschulpersonal zusammenspart.

„An Sachsens Hochschulen studieren 2012 mit 112.191 (Vorjahr: 111.635) mehr Studierende als jemals zuvor“, stellt denn auch Holger Mann, Sprecher für Hochschule und Wissenschaft der SPD-Fraktion im Landtag, fest. „Aufgrund der gestiegenen Studierquote und wachsender Abiturientenzahlen in Sachsen wird sich diese Entwicklung fortsetzen. Die SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag fordert deshalb von der schwarzgelben Landesregierung mehr Personalstellen für die Hochschulen und die Mittel für die Studierendenwerke deutlich – auf mindestens 7,5 Millionen Euro pro Jahr – aufzustocken.“

Der dauerhaft hohe Zuspruch zum Studium ist ja politisch gewollt. Normalerweise müsse das Konsequenzen in der Ausstattung der Hochschulen und Universitäten haben. Die Studierendenzahlen in Deutschland werden auch langfristig auf sehr hohem Niveau bleiben, da die Studienanfängerquote seit 2007 um mehr als 15 Prozent auf nunmehr 54,7 Prozent angestiegen ist, betont Mann. „So sinken in 2012/13 zwar die Erstsemesterzahlen in Deutschland und Sachsen um 5 Prozent – aufgrund von Einmaleffekten 2 Jahre nach Auslaufen der Wehrpflicht um 10 Prozent bei den Männern – steigen aber bei den Frauen weiter an. Die Zahl der Erstsemester in Sachsen bleibt damit trotz Ausweitung der Numerus-clausus-Zulassungsbeschränkungen nach dem Vorjahresrekord auf dem zweithöchsten Stand.“
Doch nicht nur bei der hohen Bildung spart Sachsen die Strukturen herunter.

Holger Manns Fraktionskollegin, die bildungspolitische Sprecherin Dr. Eva-Maria Stange, kehrte am selben Tag frustriert aus der Sitzung des Schulausschusses des Landtages zurück.

„Mit den heute von CDU und FDP vorgelegten Änderungen zum Haushaltsentwurf für 2013/14 wird die Qualität des sächsischen Bildungssystems weiter in den Keller gefahren. Statt die Lücken in der Lehrerversorgung durch Einstellung von ausgebildeten Lehrkräften zu schließen und für den Generationswechsel Vorsorge zu treffen, werden die Gelder zum Einsatz von nicht ausgebildeten Aushilfskräften und für Überstunden weiter erhöht. Nach dem Motto: ‚Auspressen bis nichts mehr geht‘ – werden Lehrer, die im Durchschnitt älter als 50 sind – zu Überstunden gedrängt“, stellt sie fest.

Ob das Rezept aufgeht, darf bezweifelt werden. Irgendwie rechnet die sächsische Staatsregierung allerenden mit stillen Reserven für all die Reparaturprogramme, die man nun mit Aushilfskräften abdecken will.

Selbst in den Kitas scheue Schwarzgelb nicht vor dem weiteren Einsatz von nicht ausgebildeten „Assistenzkräften“ zurück. 5 Millionen Euro werden dafür eingesetzt, statt endlich mehr Erzieherinnen und Erzieher einzustellen und damit die Gruppengrößen zu reduzieren.

„Schleichend wird so bereits im Kitabereich die mit Bildungsplan und zusätzlicher Qualifikation der Erzieherinnen aufgebaute Qualität in der frühkindlichen Bildung ausgehöhlt. Statt auf Qualität gerade in diesem hoch sensiblen Bildungsbereich zu setzen, gibt es mehr Geld für ein reines FDP-Prestigeprojekt: der um eine halbe Stunde verlängerten Öffnungszeit von Kindertagesstätten. Dabei haben die meisten Kitas in Sachsen ohnehin Öffnungszeiten von 6.00 – 18.00 Uhr und sind bereits jetzt flexibel auf die Bedürfnisse der Eltern eingestellt“, so Stange nach dieser Lehrstunde in flexiblem Arbeitsmarktverständnis.

War da nicht noch ein zukunftsweisendes Projekt? – Stange: „Doch offenbar ist genug Geld im Staatshaushalt, das nur für werbe- und wahlkampfwirksame Maßnahmen genutzt wird. So werden allein 9 Millionen Euro für das neue-alte Namensschild ‚Oberschule‘ anstelle der Mittelschule ausgegeben. Für diese Werbemaßnahme müssen tausende Mittelschullehrerinnen und Mittelschullehrer weiter auf die ihnen zustehende höhere Eingruppierung warten. Gleiches trifft auf die Förderschullehrkräfte zu, für die die CDU/FDP auch keinen Cent übrig hat. Damit verbindet sich eine Missachtung der Leistungen der Lehrkräfte gerade in diesen beiden Schularten.“

Aber auch bei den Grundschullehrkräften wird die nun endlich eingeplante gerechte Höhergruppierung erst mit dem 1. August 2013 wirksam. „Damit gehen vor allem ältere Lehrkräfte, die in diesem Schuljahr die Schule altersbedingt verlassen und teilweise mehr als 40 Jahre im Dienst sind, erneut leer aus“, stellt Stange fest. „Das ist eine unverschämte Knauserei, zu Lasten einer Gruppe von Lehrkräften, die maßgeblich mit verantwortlich war und ist für das vergleichbar gute Bildungsniveau der sächsischen Bevölkerung über mehrere Generationen.“

Die Hochschulstatistik zu Studierenden und Studienanfänger/-innen 2012 von Destatis: www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/BildungForschungKultur/Hochschulen/SchnellmeldungWSvorlaeufig5213103138004.pdf?__blob=publicationFile


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