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Wie geht’s jetzt weiter mit der Exzellenz-Förderung an sächsischen Hochschulen?

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    Wenn schon Exzellenz, dann schon bitte dauerhaft. Nicht dieses Rein, Raus, wie es typisch ist für deutsche Förderpraxis. Eine internationale Expertenkommission unter Leitung von Prof. Dieter Imboden hat am Freitag, 29. Januar, in Berlin den Evaluationsbericht zur Exzellenzinitiative des Bundes vorgestellt. Und zumindest in der sächsischen Regierungskoalition findet man die Vorschläge richtig. Könnte ja auch Sachsen helfen, wenn's weiter geht.

    Mit der noch bis 2017 laufenden Exzellenzinitiative erhalten die sächsischen Hochschulen 250 Millionen Euro an Forschungsmitteln, von denen 50 Millionen Euro vom Freistaat Sachsen kommen. Darüber hinaus setzt Sachsen 100 Prozent der Hochschulpaktmittel des Bundes ein. Zwei Drittel der frei werdenden BAföG-Mittel in Höhe von rund 57 Millionen Euro werden direkt an die sächsischen Hochschulen weitergegeben. Dadurch erhöht sich der Hochschuletat im laufenden Doppelhaushalt um etwa sieben Prozent.

    Das könnte zumindest helfen, einige wichtige Forschungsstrukturen, die im Rahmen der Exzellenzinitiative aufgebaut wurden, zu erhalten, findet die hochschulpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Aline Fiedler.

    „Der Bericht bestätigt, dass die Exzellenzinitiative zu einer hohen Dynamik im Wissenschaftsbetrieb bundesweit und in Sachsen geführt hat“, interpretiert sie die Befunde des Berichts, der freilich noch wesentlich differenzierter ist. „Die sächsischen Hochschulen haben eine Schlüsselfunktion für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes. In den vergangenen zehn Jahren haben unsere Hochschulen von der Exzellenzinitiative profitiert und exzellente Wissenschafts- und Forschungsstrukturen auf internationalem Niveau aufgebaut. Damit ist Sachsen im weltweiten Wettbewerb um die klügsten Köpfe gut aufgestellt. Die kontinuierlichen und hohen Investitionen des Landes in den Forschungsbereich zahlen sich aus.“

    Aber die wichtigste Botschaft der von Prof. Dr. Dieter Imboden geleiteten Kommission ist natürlich klar: Wenn der Bund seine Initiative überhaupt je ernst gemeint hat, dann muss er sie jetzt fortführen. Und zwar mit der selben jährlichen Fördersumme wie bisher: 500 Millionen Euro pro Jahr. Ein Abschmelzen auf 400 Millionen Euro würde die meisten Projekte, die dabei entstanden sind, in ihrer Fortführung bedrohen. Dafür stehen schon etliche Einzelprojekte, deren Exzellenz-Förderung in den vergangenen Jahren auslief und die fast sämtlich ins Trudeln gerieten, weil die Anschlussförderung nicht gesichert war.

    Aline Fiedler: „Die Kommissionsempfehlung zur Fortführung der Exzellenzinitiative ist ein gutes Signal. Sie spornt alle Beteiligten an, diesen Weg konsequent fortzusetzen und weiter in die Qualität unserer Hochschulen zu investieren.“

    Der Bericht hatte aber auch deutlich gemacht, dass die Exzellenzinitiative mit einer breiten Sicherung der breit aufgestellten Hochschullandschaft nichts zu tun hat, auch wenn etliche Hochschulen die Gelegenheit genutzt haben, mit dem Geld bestehende Finanzierungslöcher zu stopfen. Eine hohe Qualität von Forschung und Lehre könne nur mit einer wesentlichen Aufstockung der Hochschuletats – etwa über den Hochschulpakt – erfolgen.

    Aber der ursprüngliche Anlass, das Programm aufzulegen, war ja der internationale Vergleich mit Spitzenuniversitäten vor allem aus den USA und Großbritannien. Der Kommentar des Imboden-Berichts dazu ist denkbar lakonisch: Denn „die ausländischen Spitzenuniversitäten sind besser finanziert, sei es durch staatliche Zuwendungen, Studiengebühren, Einkünfte aus eigenem Vermögen oder sonstigen privaten Zuwendungen“, sie haben also völlig andere Finanzierungsmodelle als die deutschen Universitäten. Und „sie haben weniger Studierende pro Professur (besseres Betreuungsverhältnis); 4. sie können Zahl und Qualität der Studierenden selber steuern – sei es durch restriktive Aufnahmekriterien oder durch selektiv wirkende Prüfungen in den ersten Semestern“.

    Das kann man mit einem deutschen Exzellenz-Programm nicht wirklich auffangen. Es sei denn, es würde nicht nur 500 Millionen Euro betragen, sondern 2,5 Milliarden wie am Massachusetts Institute of Technology (MIT) – und das eben nicht für Dutzende Hochschulen, sondern für eine einzige. Am MIT und anderen amerikanischen Universitäten merkt man das extrem starke Interesse der großen Tech-Unternehmen, gekoppelt mit millionenschweren staatlichen Forschungsprogrammen. Eine vergleichbar konstruierte Hochschule besitzt die Bundesrepublik nicht. Und nichts wäre wohl schädlicher, als die klassischen Universitäten, die zum Teil noch den Humboldtschen Bildungskosmos vermitteln, derart radikal umzubauen, dass am Ende lauter kleine MITs draus werden.

    Die Chance aber, mit der Exzellenzinitiative einzelne international konkurrenzfähige Forschungscluster zu entwickeln, bestünde durchaus, findet Holger Mann, Sprecher für Hochschule und Wissenschaft der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag. Vor allem die nachrangige Weiterförderung von Exzellenz-Projekten findet er als Empfehlung wichtig. „Der unterbreitete Vorschlag für eine Übergangsfinanzierung von bis zu zwei Jahren für bestehende Förderungen ist folgerichtig. So könnten sich die sächsischen Universitäten intensiv auf eine kommende Antragstellung vorbereiten und erhalten Planungssicherheit“, sagt er. Und würdigt auch andere Vorschläge aus dem Bericht. „Den Vorschlag zur Weiterentwicklung der Exzellenzcluster teile ich. Insbesondere die Spreizung der Fördervolumen sollte in der Debatte aufgenommen werden, um somit auch kleinere Fächer oder standortübergreifende Forschungsverbünde zu berücksichtigen. Eine Verlängerung der Förderzeiträume auf acht Jahre würde zudem Planungssicherheit schaffen und ist daher begrüßenswert.“

    Im Bericht heißt es dazu: „Zahlreiche Gespräche der Mitglieder der IEKE mit Vertretern/innen verschiedener, an der Exzellenzinitiative beteiligten Universitäten haben aber den Eindruck vermittelt, dass Nachhaltigkeit in den meisten Fällen nicht oder nur sehr eingeschränkt gegeben ist. Dieser Befund wird durch die häufigen Alarmrufe beteiligter Universitäten und Forschenden in Vorträgen, in Fachorganen und gar in der Tagespresse gestützt, ohne eine schnelle Entscheidung über die Fortsetzung der Exzellenzinitiative drohe das Erreichte wieder verloren zu gehen. Angesichts der chronischen Unterfinanzierung der deutschen Hochschulen erstaunt es nicht, dass die Gelder aus der Exzellenzinitiative primär als dringend nötige zusätzliche Finanzmittel interpretiert worden sind, insbesondere was die Graduiertenschulen und die Exzellenzcluster anbetrifft.“

    Klares Faktum: Die Exzellenzförderung sollte eigentlich mit der Gewährleistung eines qualitätvollen Forschungs- und Lehrbetriebs an den Universitäten nicht kollidieren, sondern jene Effekte erzeugen, die die zum Vergleich herangezogenen Spitzenuniversitäten in Amerika auszeichnen: eben eine Art Elite-Einheiten im Universitätskosmos, die in der Lage sind, um die besten Spitzenkräfte weltweit mitzukonkurieren. Was dann auch weniger, dafür besonders exzellente Studierende in den ausgewählten Studienfächern bedeuten würde.

    Oder im Wortlaut des Berichts: „Eigentlich sollte die Exzellenz in der Forschung mit Exzellenz in der Lehre einher gehen; dies würde die generelle Reduktion der Lehrdeputate der beteiligten Forschenden und gleichzeitig die Möglichkeit für eine restriktive Aufnahme von Studierenden und selektiv wirkende Prüfungen bedingen, wie dies an den meisten Hochschulen üblich ist, mit denen sich die deutschen Universitäten in einem internationalen Wettbewerb um die besten Dozierenden und Studierenden befinden.“

    Ein Gedanke, den Holger Mann gern weitergedacht sehen möchte. „Bei der Ausgestaltung der Förderrichtlinien muss jedoch darauf geachtet werden, dass die Spitzenforschung auch die Bedürfnisse von Lehre und Studium sowie des wissenschaftlichen Nachwuchses berücksichtigt. Es gilt nunmehr ganzheitliche Konzepte für die Cluster zu konzipieren“, sagt er. „Mit dem Vorschlag einer Exzellenzprämie als neues Förderformat in Ablösung der 3. Förderlinie (Zukunftskonzepte) bleiben Sachsen alle Chancen erhalten, um auch künftig in den TOP 10 der Spitzenförderung dabei zu sein. Die Ausgestaltung und Vergabekriterien werden sicherlich in den kommenden Wochen intensiv diskutiert und ausverhandelt.“

    Es ist ein Balanceakt, in dem man die Hoffnung verwirklichen möchte, wieder unter den Spitzenuniversitäten weltweit repräsentativ vertreten zu sein, wo eindeutig Universitäten aus den USA allein schon aufgrund ihrer riesigen Budgets die Norm vorgeben. Leichte Zweifel deutet der Imboden-Bericht zumindest an: „Trotz begründeter Vorbehalte gegenüber den internationalen Hochschulrankings sind diese zu einem nicht zu ignorierenden Maßstab für die internationale Wahrnehmung einer Universität geworden …“

    Aber zumindest wird sichtbar, dass es ohne eine Verstetigung der Spitzenförderung nicht geht. Und auch die Botschaft ist nicht überlesbar: Die Exzellenzinitiative darf die breit aufgestellte universitäre Ausbildung nicht gefährden. Das ist ein völlig anderes Arbeitsfeld und da sollte vor allem der Hochschulpakt zur besseren Finanzierung beitragen.

    Der Imboden-Bericht zum Nachlesen.

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