Interview mit Buchmesse-Aktivistin: „Ein erster Versuch, eine neue Form der Auseinandersetzung auszuprobieren“

Für alle LeserAm Buchmesse-Samstag hat es mehrere Aktionen gegen rechte Verlage gegeben. Neben den Störversuchen erhielt vor allem eine Kundgebung des Leipziger Bündnisses „Buchmesse gegen Rechts“ viel Aufmerksamkeit. Im Interview mit der L-IZ fasst Bündnissprecherin Hannah Sandner den Ablauf zusammen und plädiert für einen neuen Umgang mit rechten Akteuren.

Wie genau lief die Aktion des Leipziger Bündnisses „Buchmesse gegen Rechts“ ab?

Am Samstagnachmittag um 16:30 Uhr sollten auf der Leseinsel in Halle 3 zwei Veranstaltungen des Antaios-Verlags beginnen. Ungefähr eine halbe Stunde vorher haben wir neben der Leseinsel eine Show für die Meinungsfreiheit initiiert. Es gab drei Redebeiträge, die aufgezeigt haben, inwiefern die Neue Rechte antifeministisch und rassistisch ist. Ziel der Intervention war es vor allem zu zeigen, dass sich die Neuen Rechten öffentlichkeitswirksam als Verfechter der Meinungsfreiheit inszenieren, aber eigentlich deren größte Feinde sind. Sie beziehen sich immer nur so lange darauf, wie es ihnen nützt. Sobald sie an der Macht sind, entledigen sie sich ihrer. Das sieht man in Polen und Ungarn.

Inwiefern erweist sich die Neue Rechte konkret in Deutschland als Feindin der Meinungsfreiheit?

Man kann es ganz gut an einem Zitat von Götz Kubitschek klarmachen. In seinem Buch „Provokation“ schreibt er: „Von der Ernsthaftigkeit unseres Tuns wird euch kein Wort überzeugen, sondern bloß ein Schlag ins Gesicht.“ Man sieht sehr deutlich, dass sich die Rechten zwar immer wieder als Opfer einer „linken Meinungsdiktatur“ inszenieren, sie aber – sobald sie im Diskurs sind – diesen nur beherrschen wollen und es überhaupt keinen Dialog auf Augenhöhe gibt.

Am Samstagvormittag waren Kubitschek und weitere Akteure der Neuen Rechten bei einer Veranstaltung der „Verlage gegen Rechts“. Was ist dort passiert?

Sie haben die Veranstaltung gestört, gepöbelt und sich beschwert, dass sie nicht eingeladen wurden. Nachdem sich das Podium sehr souverän verhalten hat, sind sie gegangen. Bei der Diskussionsrunde am Ende der Veranstaltung waren sie also gar nicht mehr da. Hier hat sich ganz deutlich gezeigt, dass sie an einem Dialog nicht interessiert waren, sondern sich nur in Szene setzen wollten.

Wie zufrieden sind Sie mit dem Auftritt auf der Buchmesse?

Unsere Aktion war ein voller Erfolg. Im Publikum waren etwa 150 bis 200 interessierte Leute. Sowohl Polizei als auch Security haben uns geduldet. Ein Rechter hat uns kurz den Strom abgestellt, aber das war kein großes Problem. Wir haben es geschafft, sie zu überraschen, indem wir etwas Unerwartetes tun. Die Rechten standen um unsere Veranstaltung herum und waren ziemlich still. Sie wussten nicht, wie sie sich verhalten sollen. Direkt im Anschluss gab es eine Störaktion, die nicht von unserem Bündnis geplant war. Ich kann verstehen, dass man Rechten auf der Buchmesse widersprechen möchte – in dem Fall hat es ihnen aber in die Karten gespielt. Die Presse hat sich auf die Störaktionen gestürzt und die Rechten standen wieder im Rampenlicht.

Andererseits haben die eigentlichen Veranstaltungen dieser Verlage dadurch weniger Aufmerksamkeit erhalten. Ist das kein Erfolg?

Für die Rechten ist die Buchmesse kein zentraler Ort, um Anhänger zu gewinnen oder Inhalte zu verbreiten. Wenn sie sich nach Störaktionen als Unterdrückte inszenieren können, nützt ihnen das mehr, als wenn sie vor 30 Zuhörern, die eh schon ihre Anhänger sind, eine Veranstaltung durchführen.

Die Buchmesse ist nun vorüber, im nächsten Jahr geht’s weiter. Was soll in der Zwischenzeit passieren?

Unsere Aktion auf der Buchmesse war ein erster Versuch, eine neue Form der Auseinandersetzung mit der Neuen Rechten auszuprobieren. Wir müssen Anlässe finden, um weiter auf einer diskursiven Ebene und eine Ebene der Bilder mit ihnen umzugehen. Es ist nun an der Linken, neue Wege zu finden.

Buchmesse 2018: Friedliche Proteste, rechte Verlage und die Securityfrage + Video

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