An sächsischen Schulen kommt offenkundig immer noch rassistisches Lehrmaterial zum Einsatz

Sachsens Kultusminister will keinen Grund sehen, ein rassistisches Themenheft aus den Schulen zu verbannen

Für alle LeserFrüher war der Verlag Volk und Wissen mal der Schulbuchverlag der DDR, heute gehört er zu Cornelsen und produziert „maßgeschneiderte Unterrichtsmaterialien“. Auch solche für den Biologieunterricht. Aber da waren wohl nicht nur einige junge Eltern entsetzt, als sie ein Heft für die 10. Klasse in die Hand bekamen, das den Kindern eine Rassenlehre andient, die es in Sachsens Lehrplänen überhaupt nicht mehr geben dürfte.

Das Problem aber ist: Solche Unterrichtsmaterialien bedürfen keiner Genehmigung. Zumindest behauptet das Kultusminister Christian Piwarz (CDU) auf eine Anfrage der Grünen hin.

Denn ganz offenkundig kommt das Themenheft „Naturwissenschaft Biologie, Chemie, Physik – Farben“ aus dem Jahr 1998 noch immer in sächsischen Schulen zum Einsatz, obwohl der Begriff „Menschenrassen“ seit 2004 aus sächsischen Lehrplänen gestrichen wurde. Sehr spät. Es hat sehr lange gedauert, bis Sachsens CDU-Regierung für das Thema überhaupt sensibilisiert werden konnte.

Aber richtig sensibilisiert zeigt sich Piwarz auch jetzt nicht, nachdem die Grünen-Landtagsabgeordnete Petra Zais von Eltern informiert wurde und sie sich deswegen mit einer Kleinen Anfrage an die Staatsregierung gewandt hatte. Das ihr zugesandte Material dokumentiert, dass im Unterricht einer 10. Klasse im Fach Biologie einer sächsischen Oberschule die „Rassenlehre des Menschen“ Thema war. Es wurden verschiedene „Rassenkreise“ ausgewiesen, denen von den Schülerinnen und Schülern typische Hautfarben, Haar-, Nasen- und Gesichtsformen zugeordnet werden mussten.

Mit Rasse hat das alles nichts zu tun, sondern nur mit Phänotyp – einer Anpassungsleistung menschlicher Gene an unterschiedliche klimatische Bedingungen. Doch damit haben sich die Schüler eher nicht beschäftigt. Das Heft vermittelt tatsächlich das alte, falsche Rasse-Denken, das bis in die NS-Zeit gültig war. Es lässt eher erschrecken, wie lange sich der Begriff in (west-)deutschen Lehrplänen gehalten hat, ohne dass sich Kultusminister bemüßigt fühlten einzuschreiten.

Darstellung der Zuordnung von typischen Hautfarben, Haar-, Nasen- und Gesichtsformen zu "Rassenkreisen" einer Schülerin bzw. eines Schülers. Foto: Grüne Fraktion Sachsen

Darstellung der Zuordnung von typischen Hautfarben, Haar-, Nasen- und Gesichtsformen zu „Rassenkreisen“ einer Schülerin bzw. eines Schülers. Foto: Grüne Fraktion Sachsen

Und auch Kultusminister Christian Piwarz (CDU) begnügte sich in seiner Antwort auf die Kleine Anfrage damit, darauf hinzuweisen, dass das Kultusministerium die Inhalte des betreffenden Themenheftes (Naturwissenschaften Biologie, Chemie, Physik – Farben) nicht unterstütze.

Da dürften nicht nur Eltern staunen. Wie kommt so ein Heft dann in den Biologieunterricht, wo es eindeutig nichts zu suchen hat? Duldung ist auch Unterstützung.

„Diese Antwort des Ministers reicht mir nicht. Damit stiehlt sich die oberste Schulaufsichtsbehörde aus der Verantwortung“, kritisiert Petra Zais, bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Sächsischen Landtag.

„Der Minister muss dem Einhalt gebieten! Dass der Begriff ‚Menschenrasse‘ 2004 aus den sächsischen Lehrplänen gestrichen wurde, ist gut. Doch damit ist es nicht getan. Es ist reichlich dürftig, wenn Piwarz auf die Eigenverantwortung der Schule und der Schulleitung verweist und an den allgemeinen Erziehungs- und Bildungsauftrag erinnert, der im Schulgesetz formuliert ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es keinerlei Reaktionsmöglichkeiten geben soll. Das rassistische Themenheft aus dem Verkehr zu ziehen, wäre das mindeste.“

Seit 2017 sind alle Druckwerke, mit Ausnahme der Unterrichtsfächer Religion und Ethik, zulassungsfrei. Das heißt, welche Lehrbücher und Lehrmaterialien eingesetzt werden, entscheidet die Lehrerin oder der Lehrer. Andererseits gibt es für alle Fächer streng durchdeklinierte Lehrpläne samt Inhalten und angesetzten Stunden-Soll. Es lässt sich eigentlich nicht vermitteln, wenn Lehrer Unterrichtsmaterialien verwenden, die nicht nur nichts mit den gültigen Lehrplänen zu tun haben, sondern auch noch ein eindeutig falsches Bild vom Menschen vermitteln.

„Die Freiheiten bei der Beschaffung und beim Einsatz von Lehr- und Lernmitteln sind grundsätzlich richtig. Weder geht es darum, sämtliches Unterrichtsmaterial einer Prüfung zu unterziehen, noch darum, die pädagogische Freiheit der Lehrerinnen und Lehrer zu beschneiden. Wenn aber offenkundig rassistisches Material im Unterricht verwendet wird, muss die Schulaufsicht eingreifen“, fordert Zais. „Alles andere wäre ein Skandal.“

Rassismus
Print Friendly, PDF & Email
Leserbrief

Hinweise zum Leserbrief: Bitte beachten Sie, dass wir einen Leserbrief nur veröffentlichen, wenn dieser nicht anonym bei uns eintrifft. Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass eine Teilnahme an Verlosungen des L-IZ Leserclubs mit dem Leserbrief nicht möglich ist.

Ihr Name *

Ihre E-Mail-Adresse *

Betreff

Ihre Nachricht *

Bild/Datei hochladen

Wären Sie mit der Veröffentlichung als Leserbrief einverstanden? *

 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr





Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Noch Karten für Sommertheater erhältlich
Logo Markkleeberg

Logo Markkleeberg

Die Stadtverwaltung Markkleeberg holt das Theatergenre in den agra-Park zurück. Ende Juni, Anfang Juli wird hier „Ein Sommernachtstraum“ von William Shakespeare gezeigt. Insgesamt fünf Vorstellungen sind vorgesehen.
Der Stadtrat tagt: Auwaldstation erhält weitere zehn Jahre Gelder
Oberbürgermeister Burkhard Jung. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserGelegen im Schlosspark Lützschena ist die Auwaldstation Ausgangspunkt von Exkursionen und bietet viele Veranstaltungen. Bis Dezember 2019 bestand ein Vertrag über jährliche Förderung mit der Stadt Leipzig, die Ratsversammlung stimmte jetzt für die Verlängerung. Bis 2029 erhält die Station weiterhin 50.000 Euro pro Jahr aus dem städtischen Haushalt. Der Antrag des Ortschaftsrates Lützschena auf Erhöhung der Mittel scheiterte dagegen.
Der Stadtrat tagt: Die Juni-Sitzung im Livestream
Während der Ratssaal saniert wird: Das Interim des Leipziger Stadtrates ab Juni 2019. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserBei der heutigen letzten Ratsversammlung des „alten“ Stadtrates wird es gleich mehrfach ungewohnte Bilder geben. Zum einen finden die monatlichen Beratungen ab heute für zirka ein Jahr lang im Nebensaal des eigentlichen Hauptsaales statt. In diesem wurden bereits die alten Sitze entfernt, Wandvertafelungen entfernt und so auch die alten Seitengalerien des eigentlichen Saales offengelegt.
Der Stadtrat tagt: Mehr Geld für die Bahnhofsmission
Linke-Stadträtin Juliane Nagel. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserDer Stadtrat hat am Mittwoch, den 26. Juni, mehrere Maßnahmen beschlossen, die die Situation am Hauptbahnhof verbessern sollen. Anlass war ein Antrag der Linksfraktion, die einen Verlust von Rückzugsräumen und Schlafmöglichkeiten für wohnungslose Menschen befürchtet.
Das Programm zur medizinischen Versorgung Sachsens ist auf die letzten paar Wochen gar nicht mehr umsetzbar
Rettungswagen auf der Karl-Liebknecht-Straße. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDie aktuelle Wahlperiode in Sachsen geht zu Ende. Und sie geht so zu Ende, wie es manche Landtagsabgeordnete befürchtet hatten: Wichtige Projekte, die der regierenden CDU nicht wichtig erschienen, wurden entweder völlig ausgebremst oder so lange auf die lange Bank geschoben, bis sie gar nicht mehr in Regierungshandeln umgesetzt werden konnten. Das betrifft auch das brisante Thema der medizinischen Versorgung in Sachsen.
Am 29. Mai in der Red Bull Arena: RAMMSTEIN Europa Stadion Tour 2020
RAMMSTEIN Europa Stadion Tour 2020 © Jens Koch

© Jens Koch

Wenn es noch an Beweisen fehlte, dass Rammstein zu den momentan größten Bands der Welt gehören, sollte die Sache nach der Veröffentlichung von „Rammstein“, dem 7. Album der Band, und dem ersten Teil der Stadiontour endgültig klar sein. Denn da gab es: seitenweise Feuilleton-Diskussionen, der Sprung auf Platz 1 der Albumcharts in vielen europäischen Ländern, begeistertes Fan-Feedback auf das Album und beeindruckende Kritiken zur Tour, die in Rekordzeit ausverkauft war.
Neue Ausstellung im Leipziger Stasi-Unterlagen-Archiv : „30 Jahre nach der Friedlichen Revolution und dem Mauerfall“
Einst Stasi-Sitz in Leipzig: die heutige Gedenkstätte Runde Ecke Leipzig. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Seit 1970 bis in die Gegenwart hinein malt die Künstlerin Diana Achtzig immer wieder Motive, die persönliche Schicksale und gesellschaftliche Prozesse aufgreifen. Dazu gehören szenische Bilder über die Flucht von DDR-Bürgern in den Westen, die Diktatur der DDR, die Stasi, die friedliche Revolution, den Mauerfall und die Einheit Deutschlands im Oktober 1990. „Ich interessiere mich für Brüche in Biografien von Menschen, die in diesem diktatorisch und ideologisch geprägten DDR-Staat lebten.“, so die DDR-Künstlerin.
Eine Studioausstellung im Böttchergässchen erzählt die Geschichte der Familie von Raphael Chamizer aus Leipzig
Familie Moritz Chamizer mit den Eltern Agnes und Moritz und den Geschwistern Betti, Lucie, Ephraim und Raphael, 1899. Foto: privat

Foto: privat

Für alle LeserDie Geschichte einer Stadt erzählt sich über die Menschen, die darin wohnen, ihre Schicksale und Lebenswege. Und dabei geht es nicht nur um die berühmten Bürgermeister, Handelsherren und Musiker. Es geht auch um Menschen wie den Arzt und Künstler Raphael Chamizer. Ihm und seiner Familie ist jetzt eine Ausstellung im Studio des Stadtgeschichtlichen Museums gewidmet.
Nicht alle Leipziger Teiche können mit Grundwasser befüllt werden
Der Rosentalteich am 20. Juni. Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserNoch stand in der vergangenen Woche ein bisschen Wasser im Rosentalteich. Aber er wird auch in diesem Jahr austrocknen. Fische sind eh keine mehr drin. 2018 hat das Amt für Stadtgrün und Gewässer das Thema der austrocknenden Teiche noch nicht so deutlich thematisiert. Aber nach dem viel zu trockenen Winter hat auch der Sommer 2019 viel zu wenig Wasser. Und nur wenige Teiche können mit Grundwasser befüllt werden.
Jugendtheaterpremiere beim 10. KAOS-Kultursommer EskalationWeekender – Escape!
Escape Jugendtheater. Foto: Maria Schüritz

Foto: Maria Schüritz

Mit „Romeo & Julia“ begeisterten die TheaterTeens im vergangenen Jahr das Publikum in der Kulturwerkstatt KAOS – Ein Projekt der KINDERVEREINIGUNG Leipzig e.V. in drei ausverkauften Vorstellungen. Am 27.6., 20 Uhr feiert nun ihr erstes selbst entwickeltes Theaterstück Escape! Premiere. Stück und Inszenierung entstehen gemeinsam mit der Theaterschauspielerin und Theaterpädagogin Nina Ronneburg. Der Parkplatz hinter der alten Villa in der Wasserstraße 18 verwandelt sich dafür in eine Arena.
BUND Sachsen fordert sofortiges Pestizid-Verbot in Schutzgebieten
Landschaft an der Neuen Luppe. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle Leser2016 hatte der Landtagsabgeordnete der Grünen Wolfram Günther bei der Sächsischen Staatsregierung nachgefragt, was sie über den Pestizid-Einsatz in sächsischen Naturschutzgebieten weiß. Natürlich wusste sie nichts. Es waren keine Anfragen zur Genehmigung der Ausbringung eingegangen. Was auch nicht nötig ist. Denn wenn Landwirtschaft in den Schutzgebieten stattfindet, zählt das eher zu den „zulässigen Handlungen“. Das aber müsse schleunigst beendet werden, fordert der BUND Sachsen.
Anetta Kahanes „Ich sehe was, was du nicht siehst“ ist 2019 so aktuell wie 2004
Anetta Kahane: Ich sehe was, was du nicht siehst. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserSachsen ist wieder in den Schlagzeilen. Spätestens seit den Vorgängen in Chemnitz 2018, mit Nazi-Treffen wie in Ostritz oder mit über 100 rechtsextremen Vorkommnissen an Sachsens Schulen im Jahr 2018. Die Wahlergebnisse der AfD sprechen eine ähnliche Sprache. Und dann ist da die talkshow-taugliche Frage: Sind das alles besorgte Landeier oder unbelehrbare Nazis?
Universität und Stadt verlängern Kooperation bis 2025
Oberbürgermeister Burkhard Jung. © Stadt Leipzig

Foto: Stadt Leipzig

Für alle LeserDie Universität gehört zu den wichtigsten Arbeitgebern, Ausbildungsstätten und Anziehungspunkten in Leipzig. Deshalb erscheint es nur folgerichtig, dass die Verantwortlichen von Stadt und Hochschule eng zusammenarbeiten. Eine entsprechende Kooperationsvereinbarung wurde nun verlängert. Unter anderem beim in den kommenden Jahren entstehenden „Forum Recht“ wollen Universität und Stadt zusammenarbeiten.
Oberstaatsanwältin auf Anklagebank: „Ich habe irgendwann den Überblick verloren“
Elke M. vor Prozessbeginn mit ihren Verteidigern Michael Stephan (l.) und Curt-Matthias Engel. Foto: Lucas Böhme

Foto: Lucas Böhme

Für alle LeserAm Dienstag hat am Landgericht der Prozess gegen Oberstaatsanwältin Elke M. (54) begonnen. Die Staatsanwaltschaft hat die suspendierte Juristin wegen Rechtsbeugung in Tateinheit mit Strafvereitelung im Amt sowie uneidlicher Falschaussage angeklagt. Als Leiterin des Leipziger Drogendezernats soll sie das Verfahren gegen einen Crystal-Dealer eingestellt haben, obwohl die Voraussetzungen dafür nicht vorlagen.
Sachsen dampft beim Kohleausstieg mitten hinein in ein Folgekosten-Dilemma
Der Mibrag-Tagebau in Deutzen. Foto: Matthias Weidemann

Foto: Matthias Weidemann

Für alle LeserAuf einen nicht ganz unwesentlichen Aspekt des sächsischen Kohleausstiegs machte Dr. Jana Pinka, umwelt- und ressourcenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Sächsischen Landtag, am 19. Juni aufmerksam. Noch bevor die Debatte um den Leipziger Kohleausstieg 2023 entbrannte. Denn der Freistaat hat sich selbst in eine Klemme und eine extrem schwache Verhandlungsposition manövriert.