Zurück in die Zukunft oder doch lieber endlich drüber reden?

Die neue Leipziger Zeitung Nr. 53 beschäftigt sich mit Kulturkämpfen, alten Revolutionen und den Mühen der täglichen Zukunft

Für alle LeserDie Leipziger Buchmesse war auch 2018 wieder die Begegnung von Welten, ein Kosmos der geistigen Auseinandersetzungen. Das vergisst man gern, wenn ständig von Promis, Mangas und den paar rechtsradikalen Verlagen geredet wird. Wer die wirklich wichtigen politischen Bücher der Messe auch nur wahrnehmen wollte, der müsste ins Rennen gekommen sein. Logisch, dass die aktuelle „Leipziger Zeitung“ Nr. 53 eine geworden ist, die sich mit zentralen Fragen der Gegenwart und den Schatten der Vergangenheit beschäftigt.

Dennoch kommt man dann doch nicht um die Brüder drumherum. Der „Rechte Kulturkampf“, der auf der Messe und natürlich auch schon zuvor zu erleben war, wird ab Seite 1 reflektiert. Doch der Bogen ist weiter, als nur über die zu reden, die sich als neurechte Stichwortgeber verstehen und versuchen, die Sprache zu verdrehen. Längst hat die angebliche Diskussion um Meinungsfreiheit – welche sich sehr oft als „Flüchtlingsdebatte“ entpuppt – auch andere Kreise ergriffen. Auch zwei Uwes aus Dresden, der eine Kabarettist, der andere Autor verfilmter Bücher, die nun um Frauenrechte kämpfen.

Doch wie raus aus den Denkschleifen? Über die „Verantwortung des Bürgers“ spricht mit Frank Richter im Interview auf Seite 4 einer, der jahrelang die „Landeszentrale für politische Bildung Sachsen“ leitete und weit mehr erlebt hat, als ein paar „PEGIDA-Dialoge“. Und er hat Schlussfolgerungen gezogen, die in die Zukunft weisen.

Apropos Zukunft: Gleich dahinter folgt dieses Mal ein Leipziger OBM mit Zukunftsplänen. Auf Seite 5 haben wir aber mal andere gefragt, was sie von der Arbeit Burkhard Jungs halten. Die Giordano Bruno-Stiftung setzt auf der gleichen Seite einen ganz anderen Farbpunkt: „Warum Atheisten am Karfreitag tanzen sollten!“, samt Einladung zur Heidenspaß-Party in der Moritzbastei und Gebrauchsanleitung für den Demo-Tanz.

Zwei Seiten Stadtrats-Futter gibts auf den Seiten 6 und 7. Da wissen sie, was gerade dran ist in der Stadtpolitik. Auf Seite 8 hingegen taucht ein thematischer Dauerbrenner auf: wie viel Zukunft tatsächlich im „Nahverkehrsplan 2017“ für den ZVNL steckt. Oder konkret: Wo sollen welche S-Bahnen fahren und warum geht’s nur langsam voran?

Auf den Seiten 9 und 10 nimmt Historikerin und Herausgeberin Susanne Schötz Stellung zum „langen 19. Jahrhundert“ und dem dicken dritten Band zur Stadtgeschichte Leipzigs. Und weil das 19. Jahrhundert mit einer sinngemäßen Länge von 1789 bis 1914 tatsächlich überlang ist, braucht es wenigstens zwei Seiten, um mindestens die wichtigsten Punkte zu erfassen.

Zum Vergrößern anklicken. Die LEIPZIGER ZEITUNG Nr. 53 vom März 2018. Titelbild Pro Leipzig Verlag

Zum Vergrößern anklicken. Die LEIPZIGER ZEITUNG Nr. 53 vom März 2018. Titelbild Pro Leipzig Verlag

Auf Seite 12 erklärt Heinz-Jürgen Voß, wie es in Zukunft mit der Sexualität weitergeht. Und auf Seite 13 geht es um die noch sehr kantige Zukunft der sächsischen Bildungs- und Hochschulpolitik.

Was Seite 14 nach sich zieht und den mehr als chaotischen Zustand des sächsischen Bildungssystems in der Gegenwart, der unter die Lupe genommen wird. Wer wissen will, wer den Marxismus erfunden hat, erfährt auf Seite 16 auch, warum man keine Götter braucht.

Und die Seite 17 widmet sich der Frage, welches 1968 eigentlich das der Leipziger ist. Bei manchem macht es da pling – richtig, da geht es ja um Osteuropa.

Ab Seite 19 gibt es ein dickes Paket Leipziger Sport, bevor auf Seite 24 geklärt wird, warum das deutsche Gesundheitssystem mit den normalen Krankheiten der Bürger nicht mehr viel am Hut hat. Was einen irgendwie verflixt an Seite 14 erinnert und den ebenso laweden Zustand des Bildungssystems.

Und worüber debattiert die Republik? Über die Wünsche einiger närrischer Zeitreisender, die unbedingt voran wollen in die Vergangenheit. Also „Zurück in die Zukunft“? Früher war alles besser. Da herrschte noch usw.. Das hat augenscheinlich alles miteinander zu tun.

Und weil das ach so schöne Vergangene dann doch allzu oft aus Unrecht, geistiger Enge und unterlassenen Lösungen besteht und manchmal nur noch Ruinen hinterlässt, haben wir ein Bild vom Leipzig vor 1989 auf die Titelseite geknallt.

Viel Spaß beim Lesen!

Also: Briefkasten aufmachen am Freitag, den 23.03.2018, Zeit nehmen und auf geht’s. Oder beim Szenehändler kaufen gehen: Denn die neue „Leipziger Zeitung“ gibt es jetzt wieder da, wo man noch gute Zeitungen kaufen kann – mit Timmi Transport sind die ersten Exemplare schon heute Abend mit dem Fahrrad unterwegs.

Leipziger Zeitung
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